Es war ein eher geselliger Abend mit „Poppenhausen-Bier“ und Bratwurst, an dem sich der Minister auch viel Zeit für Gespräche im kleinen Kreis nahm. Jung stammt selbst aus einem Weinbaubetrieb, der von seinem Bruder weitergeführt wird und war relativ nah dran an den Problemen mit überbordenden Dokumentationspflichten. Er sprach selbst von wenigen Fällen mit übertriebener Auslegung von Kontrollen: „Wenn da nicht ordentlich gearbeitet wird, was auch schon passiert ist, wenden sie sich an uns, damit wir uns darum kümmern können. Was wir brauchen sind aber weniger Regeln und weniger Bürokratie.“ Nur könne Hessen da wenig tun, da vieles von der EU vorgegeben werde. Auch die letzte Bundesregierung habe da nicht tätig werden wollen, berichtete er: „Von 200 Vorschlägen der Landwirtschaftsminister der Länder sind von dieser 194 sofort zurückgewiesen worden und ein weiterer nach kurzer Bearbeitung.“ In die neue Bundesregierung setze er aber jetzt große Hoffnung, dass etwas bewegt wird.
Ein wiederkehrendes Thema ist die Wiederansiedlung des Wolfs. Hier wertete es Jung als Erfolg, dass es dazu mittlerweile eine naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung gibt, mit der der Schutzstatus des Tiers herabgesetzt wurde. Dies sei allerdings nur ein erster Schritt zur Bestandskontrolle. Komplett wirkungslos seien alle Versuche der letzten Bundesregierung gewesen. Bisher war es nur möglich, mit einer Sondergenehmigung „auffällige Tiere“ zu entnehmen – was dann im Einzelfall meist von Gerichten wieder untersagt wurde. Jung sagte mit Blick auf die Zukunft: „Wir brauchen eine wirkungsvolle Bestandkontrolle nicht nur für auffällige Wölfe, sonst werden wir irgendwann die Weidehaltung verlieren.“
Angesprochen darauf, dass regionale Vermarktung schwierig werde, wenn es zukünftig im Kreis Fulda kaum noch Schlachtmöglichkeiten und Mühlen gebe, und auch darauf, dass es durch rechtliche Möglichkeiten fast unmöglich gemacht werde, eine traditionelle Hausschlachtung durchzuführen, appellierte Jung an einen Bewusstseinswandel. Regionale Produkte seien sehr viel nachhaltiger als Produkte mit Bio-Siegel, welche mit „viel Kerosin hier in die Regale kommen.“ Kleine regionale Schlachtstätten sollten weniger Regeln und Kontrollen haben als die großen. Und so wurden weiter viele Themen angerissen, ganz dem Eingangswunsch des Ministers entsprechend, um zu hören, wo die Betroffenen der Schuh drückt.
Tobias Farnung hatte zu Beginn schon darauf hingewiesen, dass in Poppenhausen die Landwirtschaft nicht nur ein wichtiger eigener Wirtschaftsfaktor sei, sondern als Bewahrer der Kulturlandschaft und Naturschützer auch „die Visitenkarte des Tourismus“. Den in der Gemeinde aktiven 80 Haupt- und Nebenerwerbslandwirten versprach er „seine volle Wertschätzung“ im Falle seiner Wahl. Bei Hofinhaber Max Helfrich und Minister Jung bedankte er sich mit einer Tüte voller regionaler Produkte. Ein echtes Heimspiel war es für den noch amtierenden Bürgermeister, „Rhönkanzler“ Manfred Helfrich – ist er doch in Remerz auf dem Hof großgeworden, der weiter von seiner Verwandtschaft geführt wird.
