Die Mahnwache galt in erster Linie der 23-jährigen Frau, die in einer Spielhalle in der Heidelsteinstraße Opfer einer Messer-Attacke wurde. Jedoch wollte die Feministische Initiative auf jegliche Femizide aufmerksam machen. Frauke Goldbach, Organisatorin und Versammlungsleiterin, machte deutlich: „Femizide sind keine Randphänomene oder Einzelfälle. Sowas passiert jeden Tag. Das soll nicht in Vergessenheit geraten oder als unwichtig abgestempelt werden“.
Um dies deutlich zu machen, waren auf der Treppe zur Stadtpfarrkirche Namen und Daten von jeglichen Taten gegen Frauen in diesem Kalenderjahr dargestellt. Daneben standen unzählige Kerzen. Die Mahnwache selbst fand in stiller Präsenz statt, manche brachten Blumen oder Plakate mit – es gehe um das Gedenken an die Getötete. Weiterhin gab es Informationsmaterialien zu Hilfsangeboten für die Teilnehmer vor der Stadtpfarrkirche.
Goldbach stellte bei ihrer Rede außerdem klar: „Wir sind keine Projektionsfläche für verletzte Egos, keine Objekte oder Ware“. Auch Daniel Salcho ergriff das Wort und rief dazu auf, sich in Erinnerung zu rufen, dass patriarchale Gewalt gegen Frauen tiefe Wurzeln habe. „Die gesellschaftlichen Strukturen, die solche Taten ermöglichen, betreffen uns alle“.
Einige Zahlen machten die Verantwortlichen ebenfalls deutlich: Nachweislich erlebe jede dritte Frau in Deutschland im Laufe ihres Lebens körperliche und/oder sexualisierte Gewalt, insgesamt 25 Prozent Partnerschaftsgewalt. Nicht selten ende diese tödlich. Laut Bundeskriminalamts seien im Jahr 2023 in Deutschland 938 Mädchen und Frauen Opfer von versuchten Tötungsdelikten geworden. In 360 Fällen, nahezu jeden Tag, sei die Tötung gelungen. Bei der überwältigenden Mehrheit der Taten war die Gewalt vom (Ex-)Partner ausgegangen. Dennoch machte Lena Limpert, ebenfalls von der Feministischen Initiative, im Nachhinein deutlich, dass sich die Organisation von jeglichen Gewaltaufrufen klar distanziere. So war während der Mahnwache beispielsweise ein Banner mit der Aufschrift „Unsere Trauer wird zur Wut - Dead Men Don't Kill" zu sehen. Die Veranstalter hätten das Banner zu spät bemerkt, ansonsten wären die betreffenden Personen der Veranstaltung verwiesen worden.
