„Hünfeld hatte mehr Spielanteile und auch einige Chancen“, begann Petr Paliatka seine Analyse: „Aber wir haben hinten sicher gestanden und vor allem unsere Kontermöglichkeiten nahezu perfekt ausgespielt.“ Damit fasste der Steinbacher Übungsleiter insbesondere die zweite Halbzeit perfekt zusammen. Der Hünfelder SV startete mutig in den zweiten Durchgang, ohne jedoch wirklich gefährlich zu werden – und wenn doch, war Pino Puig im Steinbacher Kasten zur Stelle. Nach zehn Minuten im zweiten Durchgang verlor der HSV dann in der Vorwärtsbewegung den Ball und die Gastgeber schalteten blitzschnell um. Ein langer Ball genügte, um den Hünfelder Defensivverbund auszuhebeln. Darian Jung schüttelte Max Vogler ab und war auf und davon, mit einem präzisen Heber ließ er Jannis Maul im Kasten der Haunestädter keine Chance. Es passte ins Bild – Hünfeld war bemüht, leistete sich aber immer wieder den ein oder anderen Fehler. Und Paliatkas Mannschaft nutzte das eiskalt aus: Knapp zehn Minuten vor dem Ende war es erneut ein Konter, der die Vorentscheidung bringen sollte. Diesmal war Jean Carlo Yanez Cortes frei durch, Jannis Maul konnte den Einschlag mit einem überragenden Reflex gerade noch verhindern – war dann aber bei der anschließenden Ecke machtlos, als David Brähler einköpfte und die engagiert kämpfenden Steinbacher belohnte (78.). Nach einem abermaligen Tempogegenstoß, vorausgegangen war wieder ein Hünfelder Ballverlust, stellte Dennis Reichmann sogar noch auf 4:1 (82.) „Steinbach hat es verdient. Sie waren einfach galliger. Das haben wir heute einfach vermissen lassen, es passt aber auch irgendwo ins Bild“, ärgerte sich HSV-Trainer Johannes Helmke, der von seinem Team in den letzten Saisonspielen wieder einen anderen Auftritt forderte: „Wir müssen jetzt die Saison vernünftig zu Ende bringen.“ Die so gut wie abgestiegenen Steinbacher hingegen konnten die fast aussichtslose Ligasituation komplett ausblenden, so schien es jedenfalls. „Das ist eigentlich nicht verständlich, warum funktioniert es vor so vielen Zuschauern gegen Hünfeld aber nicht vor drei Tagen gegen Friedberg oder Haiger?“, war auch Paliatka ob der starken Leistung im Finale ratlos: „Wir haben keine Fehler gemacht. Wir haben gezeigt, dass wir spielen können. Die Zuschauer, die uns nur heute gesehen haben, müssen sich auch gedacht haben: ‚Hey, die sind ja gar nicht so schlecht.‘“
Für den SVS, der sich durch den Sieg auch für den Hessenpokal qualifiziert hat, war der gelungene Pokalabend in jedem Fall eine willkommene Ablenkung. Nach einem derart deutlichen und auch in der Höhe nicht unverdienten Sieg sah es in den ersten 45 Minuten jedoch nicht aus. Wie schon zu Beginn des zweiten Durchgangs begannen die Hünfelder besser, Steinbach fand in den ersten Minuten keinen richtigen Zugriff. Die Konsequenz war das frühe 0:1 durch Marcel Dücker, der nach einer Parade von Puig Puig den Abpraller über die Linie drückte (2.). Die Anfangsphase gehörte dem HSV, die Gastgeber kamen jedoch mit zunehmender Spieldauer langsam aber sicher in die Partie. Großchancen hatte Paliatkas Mannschaft zwar nicht – dafür aber Yanez Cortes, der einen Freistoß unnachahmlich im linken unteren Eck versenkte und die Uhren wieder auf null stellte (25.). Der Ausgleich hatte sich zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt angekündigt, beflügelte Steinbach aber offensichtlich. Der SVS spielte im Anschluss clever, nahezu fehlerlos und war nach Hünfelder Unachtsamkeiten stets brandgefährlich. „Natürlich sind die Jungs langsam auch ausgebrannt, sie spielen fast jedes Spiel durch. Dennoch haben wir heute gezeigt: Es geht trotzdem“, befand Paliatka abschließend, der sich in den Schlussminuten selbst einwechselte und noch ein paar Minuten mit seinem Sohn zusammenspielen konnte – vielleicht zum letzten Mal, Paliatka jr. wechselt im Sommer bekanntlich die Seiten und spielt künftig für den Hünfelder SV.
Steinbach: Puig – M. Wiegand, F. Wiegand, Yanez Cortes (85. Paliatka sen.), Paliatka jun., Wittke, Koch, Brähler, Kehl (70. Reichmann), Hildenbrand, Jung.
Hünfeld: Maul – Witte (66. Gadermann), Hussain (79. Bevz), Zöll, Dücker, Vogler, Uth, Fröhlich, Krieger, Trägler, Zentgraf (61. Simon).
Schiedsrichter: Christoph Hein (Eiterfeld/Leimbach)
Tore: 0:1 Marcel Dücker (2.), 1:1 Jean Carlo Yanez Cortes (25.), 2:1 Darian Jung (55.), 3:1 David Brähler (78.), 4:1 Dennis Reichmann (82.)
Zuschauer: 500
