Mahnel berichtet, dass er „aus einer existenziellen Not heraus zur wahren Berufung“ gefunden habe. 2019 hatte er mit seinem Hund Faro die Ausbildung zum Therapiehunde-Team beim Deutschen Berufsverband für Therapie- und Behindertenbegleithunde absolviert und im Januar 2020 seine Selbstständigkeit für das Unternehmen „Sascha Mahnel. Coaching. Supervision. Training. Tiergestützte Praxis.“ übernommen. Während Corona folgte eine Initiativbewerbung in der Limes Schlossklinik Fürstenhof, bei der er „Tiergestützte Interventionen mit Hund“ aufgebaut habe. Die Kooperation mit der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJP) des Herz-Jesu-Krankenhauses (HJK) bestehe seit Juli 2023 in Folge einer Initiativbewerbung, berichtet Mahnel. Mitte 2025 solle das Angebot auf die Geriatrische Tagesklinik erweitert werden. Aktuell betreue er sechs feste Gruppen mit maximal vier Patienten im Alter zwischen fünf und 18 Jahren. Hinzu kämen zusätzlich bis zu vier tiergestützte Einzeltherapien pro Woche sowie Tätigkeiten in allen Stationen, bis dato 380 Einsätze.
Bei der tiergestützten Therapie gebe es einige klare Abläufe, berichtet der Petersberger. Zunächst hole ein Therapiehund die Patienten bereits auf dem Gang ab und führe sie freudig in den Therapieraum. Nach der Begrüßung werde eine Übung vorgestellt, welche die Patienten zusammen mit dem Therapiehund einzeln oder als Gruppe durchführen würden. Es folge ein kurzer Austausch und Ausblick auf die nächste Sitzung, bevor der Therapiehund verabschiedet werde. Die Zahl der Treffen sei sehr unterschiedlich, generell sei die tiergestützte Therapie nicht als Langzeittherapie vorgesehen. Die jungen Patienten würden in der Therapie eine Reihe an Übungen durchführen. In diesen würden sie beispielsweise Fähigkeiten verbessern (Stressabbau, Beruhigung, Entspannung) oder mehr Rücksichtnahme und Verantwortung lernen. Weitere Übungen würden das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen verbessern oder die emotionale Stabilität steigern.
In über 1100 Einsätzen habe Mahnel alle möglichen Reaktionen der Patienten beim Kontakt mit den beiden Therapiehunden Faro und Nalon erlebt. Das reiche von Freude, Neugier und Überraschung über Ekel, Ärger und Wut bis hin zu Furcht, Scham und Schuld. Die Hunde würden dabei oft als „Ice-Breaker“, „Glücksbringer“ oder „Mut-Macher“ wirken: „Tiere, allen voran Hunde, schaffen mit Leichtigkeit das, was wir Menschen häufig nicht (mehr) vermögen.“ Faro und Nalon würden die Patienten im „hier und jetzt“ akzeptieren, ohne sie zu hinterfragen, ohne Bedingungen zu stellen oder sie zu bewerten. Die Tiere seien „aufrichtig, unmittelbar, schlicht und einfach, ehrlich und echt“, führt er aus und ergänzt: „Unattraktivität, Hilflosigkeit und/oder Hilfsbedürftigkeit des Patienten spielt für den Hund keine Rolle und schafft somit ein Gefühl des Angenommenseins.“
Ein Therapiehund zeichne sich durch eine Reihe an Eigenschaften aus, erläutert der Petersberger. Dazu würden beispielsweise ein menschenfreundliches und lernfreudiges Verhalten zählen, ebenso wie eine hohe Reizunempfindlichkeit und Frustrationstoleranz. Wichtig wären ebenfalls psychische Widerstandskraft, Gesundheit und ein festes Wesen im Verhalten zählen. Helles sowie weiches Fell sei ebenfalls vorteilhaft. „Therapiehunde sind nicht gleich Therapiehunde“, macht der Coach deutlich und ergänzt: „Therapiehunde des DBTB e.V. müssen sehr viel mehr können, als nur ‚süß‘ auszusehen und sich behutsam streichen zu lassen.“ Die Tiere würden in vier praktischen Prüfungen von unabhängigen Richtern bewertet werden, bevor sie offiziell anerkannt werden. Nicht alle Hunderassen würden die passenden Eigenschaften mitbringen: „Ausnahmen bestätigen aber die Regel, das heißt Einzelfallprüfung der Hundeeignung notwendig.“
Mahnel bietet selbst Ausbildungen für Therapie-Hunde an. Dabei lernen die Menschen zusammen mit ihren Hunden in 21 Tagen mit 195 Unterrichtsstunden á 45 Minuten inklusive aller Prüfungen alles, was nötig ist. Die Kosten würden insgesamt rund 3500 Euro betragen. „Voraussetzung dazu war die sehr umfangreiche Ausbildung zum lizensierten Ausbilder, Trainer und Richter für Therapiehunde-Team und Mensch-Assistenzhund-Gemeinschaften im DBTB“, erläutert der Coach. Insgesamt 3200 Ausbildungsstunden und 20.000 Euro in der Ausbildung hat er dafür investiert. In der Ausbildung werde eine zertifizierte Grundlagenausbildung von Mensch und Hund beigebracht: „Auf der jedes fertig ausgebildete Therapiehunde-Team dann ganz individuell und in Abhängigkeit von den Erfordernissen im späteren Einsatzfeld aufbauen kann.“ deutschlandweit würden hierbei die höchsten Qualitätsstandards gelten. Die Ausbildung baue auf Ruhe, Vertrauen und Hierarchie als Grundpfeiler auf.
Zu der Ausbildung erläutert der Petersberger weiter, dass eine Reihe an Themen behandelt werde. Neben dem Lernverhalten des Hundes gehe es um Erste Hilfe, Soziologie, tiergestütztes Arbeiten und die richtige Haltung sowie Ernährung des Tieres. Wichtig sei die Neugierde, Aufgeschlossenheit sowie der „Wille auf eine fundierte, professionelle und mit unter sehr herausfordernde Ausbildung von Mensch und Hund“, fasst er zusammen. Der Hundeführer müsse die Motivation mitbringen, seine persönlichen Komfortzonen zu verlassen und an sich sowie an seinem Hund intensiv zu arbeiten. Die Rückmeldungen für die Arbeit des Coaches seien überwiegend positiv bis sehr positiv: „Sei es von den Patienten selbst, aber auch von dem therapeutischen/ärztlichen Team.“ Seine Patienten hätten ihm beispielsweise berichtet: „Die Tiergestützte Therapie war die (mit Abstand) anstrengendste, herausforderndste und schwierigste aller Therapien, die mich nicht nur an und über meine Grenzen gebracht, sondern mir gleichzeitig – vielleicht oder gerade deswegen – auch am meisten Spaß und Freude gemacht hat und bei der ich am meisten für mich gelernt und für mein weiteres Leben mitgenommen habe!“
Viele positive Erlebnisse im Herz-Jesu-Krankenhaus
Die Kosten für die hundegestützte Therapie werden vom Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda getragen, berichtet Pressesprecherin Viktoria Schmitt: „Die Kosten sind nicht durch die Krankenkassen abgedeckt und es gibt weder einen Förderverein noch Spendengelder zur Unterstützung dieses Angebots. Für unsere Patienten und ihre Eltern bedeutet das: Sie müssen keine zusätzlichen Kosten übernehmen.“ Die Arbeit von Mahnel zusammen mit den Hunden Faro und Nalon bringe einen klaren Mehrwert für die Patienten und letztlich die Behandlung: „Deshalb sehen wir die Finanzierung nicht als Belastung, sondern als gezielte Investition in das Wohl und die Genesung unserer jungen Patienten.“
Die heilende Kraft von Mensch-Tier-Beziehungen sei seit Langem bekannt, gibt Schmitt an: „Tiere können beruhigen, Vertrauen aufbauen und positive emotionale Reaktionen fördern – gerade bei Kindern und Jugendlichen mit psychischen Belastungen kann das hilfreich sein.“ Die Überlegungen für eine tiergestützte Therapie sei entsprechend schon länger ein Gedanke des Teams für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Herz-Jesu-Krankenhaus gewesen: „Auf der Suche nach einer passenden Fachkraft sind wir auf Sascha Mahnel gestoßen, den wir bereits aus persönlichen früheren Kontakten kannten. Seine wertschätzende, engagierte Arbeit und sein therapeutisches Konzept mit seinen Hunden überzeugten uns sofort.“ Das Angebot ergänze die bewährten Behandlungsansätze um eine weitere einfühlsame, natürliche Komponente und schaffe neue Zugänge zu den jungen Patienten, teilt die Pressesprecherin mit: „Unruhige, sehr aktive und laute Kinder werden oft von selbst ruhiger und konzentrierter. Unsichere Kinder gewinnen an Selbstvertrauen und trauen sich mehr zu.“ Jugendliche mit depressiven Symptomen würden die Termine mit den Hunden als motivierend und antriebsfördern empfinden. „Insgesamt beobachten wir, dass unsere Patienten die Therapieeinheiten mit den Hunden als sehr positiv erleben und gestärkt daraus hervorgehen“, ergänzt sie.
Auch in anderen Therapieformen, insbesondere in psychotherapeutischen Gesprächen, könne das Team an die Erfahrungen aus der hundegestützten Therapie anknüpfen, sagt Schmitt: „Wenn ein Kind dort Ängste überwindet und sich etwas traut, können wir diese Erfolgserlebnisse weiter vertiefen und in die therapeutische Arbeit integrieren.“ Die Zusammenarbeit mit den Hunden sei ein eigenständiger und wertvoller Behandlungsbaustein: „Die besondere Wirkung der Hunde liegt gerade in ihrer nonverbalen Art der Unterstützung. Sascha Mahnel bringt viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl mit, um zu entscheiden, wann es sinnvoll ist, Erlebnisse aus der Therapie sprachlich aufzugreifen – und wann sie einfach für sich stehen dürfen.“ Die Resonanz im Team der KJP sei durchweg positiv: „Auch das Stationsklima profitiert davon, denn die Hunde bringen eine besondere Ruhe und Vertrautheit in den Alltag, die sowohl den Patienten als auch den Mitarbeitenden zugutekommt.“
Die positiven Effekte der tiergestützten beziehungsweise hundegestützten Therapie seien in der Kinder- und Jugendpsychiatrie deutlich spürbar, so die Pressesprecherin: „Daher prüfen wir Möglichkeiten, dieses Angebot auch in anderen Bereichen unseres Krankenhauses zu etablieren – etwa in der Geriatrie. Besonders ältere Patienten, etwa mit Demenz, könnten von der emotionalen Stabilisierung und sozialen Aktivierung durch die Tiere profitieren.“ Dieses Angebot erfordere jedoch sorgfältige Planung. Wesentliche Faktoren seien ein umfassendes Hygienekonzept und regelmäßige Schulungen für Hunde und deren Halter. Auch die Akzeptanz im Team spiele eine wichtige Rolle, ebenso wie geeignete Räumlichkeiten im Krankenhaus für den Einsatz der Tiere. „Unser Ziel ist es, die Therapie als wertvolle Ergänzung unserer medizinischen und therapeutischen Maßnahmen weiterzuentwickeln und damit die Behandlungs- sowie Lebensqualität unserer Patienten nachhaltig zu verbessern.“
