Fußball 31.05.2025

Hessenliga - Kaiser gegen Gonnermann: „Alles aufsaugen“ zum Abschied

Hünfeld (pf) – Es werden besondere Momente, wenn der Hünfelder SV am Samstag ab 15 Uhr das Saisonfinale in der Fußball-Hessenliga bestreitet: Sportlich geht es auf der Rhönkampfbahn um nicht mehr viel, die Geschichten werden aber vorher schon geschrieben. Neben anderen Abgängen im HSV-Kader wird Benedikt Kaiser sein 167. und letztes Hessenliga-Spiel bestreiten. Der Torhüter kehrt nach monatelanger Verletzungspause zurück und bekommt seinen würdigen Abschied. Gegen Sören Gonnermann und den SV Adler Weidenhausen will er zweierlei: Verletzungsfrei und ohne Gegentor bleiben.

Benedikt Kaiser steht letztmals für den HSV im Tor. Foto: Christine Görlich

Es war wie aus dem besten Drehbuch: War die Schulterverletzung, die sich Kaiser am 2. November 2024 beim 4:2 gegen den SC Hanau zuzog, damals komplizierter als gedacht und läutete das unfreiwillige Karriereende ein, ist der Torhüter nun „fein“ mit seiner Entscheidung, und kehrte am vergangenen Samstag, über sechs Monate später, beim 4:0-Sieg ausgerechnet beim SC Hanau in den Kader zurück.

„Das war eine sehr harte Zeit“, berichtet Kaiser, der anfangs Probleme beim Socken anziehen und anderen Alltags-Dingen hatte. „Der Beruf hat mir gefehlt. Der Fußball auch, aber weniger. Aber durch die gute und engmaschige Betreuung vom Zentrum Mensch bin ich soweit wieder hergestellt“, dankt der Keeper Michael Franz und seinem Team – und alles ohne OP. „Dadurch konnte ich mir viele Nerven, Schweiß und Physio-Stunden ersparen“.

Bei der Verletzung kugelte sich Kaiser die Schulter nach hinten aus, dadurch entstanden strukturelle Schäden am Band- und Sehnenapparat. Seit einigen Wochen ist Kaiser nun wieder im Mannschaftstraining, machte immer mehr individuelle Einheiten und genoss es, vergangene Woche im Kader zu sein. Am Samstag (15 Uhr) beendet der HSV nun die Saison mit dem Heimspiel gegen Weidenhausen. Kaiser bestätigt: „Ich werde zumindest von Beginn an im Tor stehen. Wie lange, werde ich sehen“. Eine Auswechslung mit dem würdigen Abschluss dürfte das Mindeste sein, was er nach vier Jahren HSV bekommt, allerdings hat er auch viel vom Verein bekommen: „Der HSV ist herzlich, offen und familiär geführt. In meinem ersten Jahr stand der bittere Abstieg aus der Hessenliga, aber seitdem ist es eine Erfolgsgeschichte. Wir sind mittlerweile die klare Nummer zwei in der Region nach Barockstadt, der Verein gibt nach außen ein sehr gutes Bild ab und hat das Fahrstuhl-Image abgelegt“. Kaiser selbst ist mit seiner Zeit auch trotz Verletzung zufrieden, nachdem er über ein Jahrzehnt in Lehnerz beziehungsweise bei der SGB im Tor stand. Bei der Barockstadt allerdings aufgrund von Verletzungen und Konkurrenzkampf immer weniger. 2021 folgte der Wechsel zum HSV: „Ich wollte etwas machen, bei dem ich der Mannschaft auch viel geben kann“, sagt Kaiser rückblickend zum Wechsel nach Hünfeld – eine „Win-Win-Situation“.

Nun will er die letzten Momente genießen, betont der 33-Jährige: „Wieder auf dem Platz zu stehen, in der Kabine zu sein, das Warmmachen. Alles. Ich freue mich einfach drauf, das nochmal alles aufzusaugen, und dann schauen wir mal weiter. Ich glaube nicht, dass sofort Wehmut da ist“. Eher werde es nach Abpfiff noch einige feuchtfröhliche Stunden mit ehemaligen Weggefährten geben, die sich angekündigt hätten. Dann kann Kaiser auch sagen, das Ziel erreicht zu haben. „Man arbeite lange auf diesen Tag hin. Das ist sehr wertvoll, denn die letzten Wochen waren sehr intensiv“.

Bevor er ein „Sabbatjahr“ einlegt, nur als Zuschauer bei Spielen zugegen sein wird und bei Bedarf die Alten Herren aufmischen will, hat Kaiser aber noch eine große Prüfung vor sich: Es geht gegen Weidenhausen, und bei den Adlern bestreitet Sören Gonnermann sein letztes Hessenliga-Spiel. Die SVA-Legende traf natürlich im Laufe seiner Karriere auch schon gegen Kaiser mehrfach, sowohl im HSV-Tor, als auch beispielsweise zu Neuhofer Zeiten. Aber Kaiser hat noch eine Anekdote: „Zum ersten Mal überhaupt trafen wir uns, als ich mit der U23 von Rot-Weiß Erfurt bei einem Hallenturnier war, bei dem Weidenhausen auch dabei war. da hat er schon mitgespielt“. Am Samstag wolle Kaiser bestenfalls bis zu seiner Auswechslung zu null spielen. Aber: „Wenn es vorher doch passiert, sei es ihm gegönnt nach 18,5 Jahren Weidenhausen“.

Betrieb im Haselgrund

Übrigens: Für Samstag sind in Hünfeld über 20 Grad gemeldet, also Freibad-Wetter. Parallel steigen auf den Tennisplätzen im Haselgrund die Tennis-Hessenmeisterschaften, und dazu findet ab 14 Uhr am Festplatz noch das Mallorca Sommer Festival mit vielen Live-Musik-Acts statt. Eine frühe Anreise, egal wohin, wird empfohlen.