Die Gäste aus dem Sinntal waren der klare Gewinner des vergangenen Spieltags. Während Johannesberg und Schlüchtern jeweils nicht über ein Unentschieden hinauskamen – Schlüchtern erkämpfte sich den Punkt gar erst durch zwei späte Tore in Großenlüder – drehte die SGOZ das Heimspiel gegen die SG Neuenstein in der Schlussphase. Drei Tore binnen sieben Minuten, kurz vor dem Schlusspfiff: Oberzell/Züntersbach präsentierte sich eiskalt, ganz im Stile eines Spitzenteams. Schließlich hatte Trainer Rodoljub Gajic bereits vor Wochenfrist prognostiziert, wer es schaffe, sein Spiel bis zum Ende durchzuziehen ohne die Nerven zu verlieren, werde am Ende vermutlich ganz oben stehen.
Aktuell scheint dies die Spielgemeinschaft aus dem Sinntal zu sein. Bei einem Sieg und gleichzeitiger Niederlage der SG Johannesberg gegen den formstarken FV Horas zwei Tage später wäre Gajics Mannschaft sogar vorzeitig Meister. Bei einer Niederlage jedoch stünden die Vorzeichen wieder gänzlich anders: Dann wäre Schlüchtern – oder auch die SGJ – plötzlich in der Pole Position um die Meisterschaft, die SGS hätte dann vor dem letzten Spieltag einen Zähler Vorsprung vor Oberzell/Züntersbach.
„Wir freuen uns darauf. Gegen Oberzell sind das immer tolle Spiele, in der Konstellation macht das doppelt Spaß“, kann auch Schlüchterns Trainer Andreas Drews den Freitagabend kaum erwarten. „Gegen Großenlüder haben wir Moral gezeigt, so spät noch zurückzukommen und die zwei Tore zum Ausgleich zu erzielen. Die Mannschaft hat sich das Spiel jetzt verdient, wir hoffen auf einige Zuschauer und ein bisschen Aufmerksamkeit. Personell wird Drews alles mit dabei haben, „zwei oder drei Fragezeichen gibt es noch, die sich dann aber nach dem Abschlusstraining geklärt haben. Ganz anders sieht die Lage beim Gegner aus, der personell nach wie vor auf dem Zahnfleisch geht. Robin Dorn, Valentin Ankert und Lennox Kraft fallen bekanntermaßen seit Längerem aus (alle Kreuzbandriss), nun muss Roduljub Gajic noch auf Maurice Jäckel verzichten, der sich auch schon länger angeschlagen durch die Saison geschleppt hat. Jetzt fällt er mit einem Hämatom am Fuß aus.
„Wir haben den Kern von zehn gesunden Spielern und werden ansonsten schauen, was geht. Luca Hölzer hilft aus der zweiten Mannschaft aus und macht das wirklich sehr gut“, lobt Gajic, der sich dahingehend jedoch etwas andere Vorzeichen gewünscht hätte: „Ich hätte es gerne gesehen, wenn beide Teams in Bestbesetzung angetreten wären.“ Beklagen tut sich im Sinntal aber niemand – schließlich hat die Spielgemeinschaft nun Historisches in den eigenen Händen. „Es ist auch so schon eine überragende Saison und darüber freuen wir uns, egal was passiert. Aber natürlich: Es geht auch um Platz eins, darüber hinaus ist es ein Derby und mit viel Prestige verbunden“, sagt Gajic, der die gute Ausgangslage nun auch ausnutzen will. „Es wird auf jeden Fall interessant, beste Offensive gegen beste Defensive. Wir sind dazu eine Top-Auswärtsmannschaft und haben noch eine Rechnung mit Schlüchtern offen“, spielt Gajic auf die Niederlagen gegen Schlüchtern im Hinspiel (0:4) und jüngst im Kreispokal-Halbfinale (1:2) vor erst fünf Wochen an. „Es ist alles angerichtet. Mehr Brisanz und Dramaturgie geht eigentlich nicht. Es wird vor allem auf mentale Stärke ankommen, aber auch das nötige Spielglück.“
