Fußball 23.05.2025

Gruppenliga - Relegation auf der Kippe - Stadtderby um Auf- und Abstieg

Osthessen (jah/pf) – Wer steigt ab, wer bleibt drin? Und vor allem: Wer darf und wer muss in die Relegation? Der vorletzte Spieltag in der Fußball-Gruppenliga steht an und bislang ist lediglich klar, dass Bebra und Kerzell den bitteren Gang in die Kreisoberligen antreten müssen. Darüber läuft es auf einen Vierkampf hinaus: Stand jetzt müssen zwei aus dem Quartett um Horas, Ehrenberg, Lütter und Neuenstein noch runter, einer relegiert – und dann kommt noch das Termin-Chaos ins Spiel.

Oben und unten geht es heiß her - bei Horas, Lütter, Johannesberg und Schlüchtern beispielsweise entscheidet sich in den nächsten Tagen die ganze Saison. Fotos: Manfred Völler

Muss die Relegation zur Gruppenliga verschoben werden? Klassenleiter Klaus Bodusch (Gersfeld) hat in seiner ersten Saison als Liga-Chef womöglich ein Terminproblem vor sich: „Da ist schon was dran, weil wir leider Abhängigkeiten von oben haben“. Das Problem: Die Hessenliga spielt am 31. Mai ihren letzten Spieltag, dort könnte der FSV Wolfhagen noch im Rennen sein, und der Rattenschwanz zieht sich von dort oben bis über die Verbandsliga, wo Bronnzell, Neuhof und andere gefährdet sind, bis runter in die Gruppenliga. Und die Relegation soll für den betreffenden Gruppenligisten einen Tag später, am 1. Juni, starten – auch noch mit einem Heimspiel. „Das zu planen, wäre nicht zumutbar“, so Bodusch, der sich eingesteht, die Problematik mit den Konstellationen der höheren Ligen in der kommenden Saison mit einzubeziehen.

Ausgelost worden sind die Relegations-Paarungen bereits im Winter: Gruppenliga gegen KOL Nord, wo die SG Dittlofrod/Körnbach feststeht. Und KOL Mitte gegen KOL Süd, wo beide Vizemeister noch gefunden werden müssen. Doch es gibt noch Hoffnung darauf, dass sich das Problem von selbst löst: Dafür müsste allerdings Wolfhagen „mitspielen“, Bodusch wolle das kommende Wochenende abwarten. Falls die Konkurrenz am Samstag vorlegt und/oder Wolfhagen (aktuell zwei Punkte hinter dem Relegationsplatz) sein Hessenliga-Duell am Sonntag in Walldorf nicht gewinnt, stünde der FSV als Absteiger fest, womit die Verbandsliga Nord Klarheit hätte. Und dort fallen die letzten Entscheidungen dann am 29. Mai, womit dem Gruppenliga-Relegations-Teilnehmer einigermaßen Vorlauf für das Hinspiel gegeben wäre. Doch: Es sind viele Konjunktive, und viele Ergebnisse, die passen müssen. Bodusch habe daher schon eine Überlegung, die Relegation beispielsweise am 3. Juni statt am 1. Juni starten zu lassen. Sollte nach dem Wochenende weiterhin das Problem bestehen, würde er sich am Montag oder Dienstag an die Vereine wenden und eine Verschiebung anregen – „ohne andere Relegationen aber in die Bredouille zu bringen und Überschneidungen zu haben“.

 

Der „Flächenbrand“ hat sich ausgebreitet

Doch während die anderen Klassen ihren Abstiegskampf austragen, gibt es in der Gruppenliga selbst noch genüg Zündstoff: Keiner der Beteiligten will bisher an die Relegation denken, weil Horas, Ehrenberg, Lütter und Neuenstein allesamt jeweils nu zwei Punkte auseinanderliegen.

Die schlechtesten Karten aus dem Quartett hat aktuell der FV Horas. Den direkten Klassenerhalt kann die Mannschaft von Coach Markus Keller realistischerweise nicht mehr erreichen, der (aktuelle) Relegationsplatz ist vier Zähler entfernt. Für den FVH sind also zwei Siege in den letzten beiden verbleibenden Spielen Pflicht, dazu müsste die Konkurrenz patzen. Und schon die Aufgabe am Sonntag (15 Uhr) hat es in sich, schließlich wartet mit der SG Johannesberg ein Aufstiegsaspirant. „Es sind einige wieder zurück, nur Karim Attatbi ist noch angeschlagen und fraglich“, berichtet Keller, dessen Mannschaft als drittbestes Rückrundenteam zur besten Restrunden-Mannschaft rüber reist: „Das ist schon sehr brisant und wird ein interessantes Duell. Johannesberg will und muss ja auch gewinnen, es wird eine enge Kiste“, so Keller. Beide Teams sind richtig gut drauf, Horas schickte vergangene Woche Kerzell runter, Johannesberg ließ beim 0:0 in Eckweisbach zwar Punkte liegen – doch davon lässt sich Keller nicht blenden: „Wir spielen sowieso voll auf Sieg, in jedem Spiel. Es kann nur so funktionieren, nachdem die Hinrunde so schlecht war. Uns ist bewusst, dass wir die schlechteste Ausgangslage haben, aber wir hoffen, dass die anderen vielleicht auch für uns spielen“.

An der Agricolastraße wiederum verspürt niemand Druck, wie SGJ-Trainer Meik Voll deutlich macht: „Eigentlich kann man es auf einen Satz herunterbrechen: Wir haben den Anspruch, jedes Spiel zu gewinnen, sind aber nicht so vermessen oder arrogant, zu glauben, dass uns das auch in jedem Spiel gelingt“. Der Druck liege für Voll eher bei Horas. „Denn unser Ziel war es nicht, nächstes Jahr Verbandsliga zu spielen“, so der Coach. Aber Voll macht klar: „Natürlich wollen wir das Maximale rausholen, bei einem Sieg stehen die Chancen auch nicht so schlecht, am Ende einen Platz zu erreichen, der einen zu Höherem befähigt.“ Die gute Rückrunde des Gegners ist aber in Johannesberg sehr wohl wahrgenommen worden, demnach hat Voll auch Respekt: „Sie sind wiedererstarkt, zeigen ein ganz anderes Gesicht, obwohl es eigentlich die gleiche Mannschaft wie in der Hinrunde ist.“ Vor diesem Turnaround könne er nur den Hut ziehen, lobt Voll: „Es gelingt Horas, aus einem Feuer einen Flächenbrand zu verursachen. Ich bin sehr gespannt auf das Spiel.“ Neben den Langzeitverletzten Tim Marquardt und Robin Sammet muss Voll im Derby auf Tim Hillenbrand verzichten, der sich gegen Hofbieber eine Adduktorenverletzung zugezogen hat. „Unser Ersatztorwart Maxi Schmidt hat sich außerdem bei der A-Jugend verletzt, da müssen wir auch noch schauen.“

Brisant sind auch die anderen Aufgaben der Abstiegskandidaten: Die SG Neuenstein und Ehrenberg treffen im direkten Duell aufeinander. Mit einem Sieg könnte Neuenstein zumindest nicht mehr direkt absteigen und hätte gute Karten, die Klasse zu halten. Ehrenberg wiederum ist zum Siegen verdammt, schließlich wartet kommende Woche noch die SG Schlüchtern am letzten Spieltag. Die SGE und auch Horas hoffen zudem, dass Lütter beim Absteiger in Bebra patzt.

 

Gruppenliga

 

Freitag

19 Uhr

Schlüchtern – Oberzell/Züntersbach

 

Samstag

17 Uhr

Künzell – Großenlüder

 

Sonntag

15 Uhr

Elters/Eckweisbach/Schwarzbach – Hofbieber (in Schwarzbach)

Bebra – Lütter

Johannesberg – Horas

15.30 Uhr

Bad Soden II – Kerzell

16 Uhr

Neuenstein – Ehrenberg (in Mühlbach)