Jochen Koppel, sportlicher Leiter der SGJ und mit reichlich Schiedsrichter-Erfahrung ausgestattet, war mittendrin und musste als Schlichter agieren, als die Situation nach dem vorentscheidenden Johannesberger 4:2 eskalierte. „Sowas hat auf dem Fußballplatz absolut nichts verloren, das muss zunächst mal gesagt werden. Vorher war das ein Gruppenligaspiel auf sehr hohem Niveau.“ Die Szenen nach der 65. Spielminute beschreibt Koppel wie folgt, wenngleich er betont, bei Weitem auch nicht alles im Detail mitbekommen zu haben: „Die Zuschauer wollten nach dem Tor wohl zu unserem Torschützen (Sardi Bardhushi, Anm. d. Red.) und mit ihm jubeln, sind dazu über die Barriere. Das geht natürlich auch nicht. Ich weiß nicht, ob sich der Horaser Schlussmann Dennis Schäfer nur davon hat provozieren lassen, oder ob noch andere Worte in seine Richtung gefallen sind.“
Laut Aussagen, erklärt Koppel weiter, habe Dennis Schäfer die Zuschauer dann mit ausländerfeindlichen Worten bedacht. Der Johannesberger Funktionär bezieht sich hier aber auf Aussagen von Dritten, die Worte von Schäfer konnte er selbst nicht bestätigen: „Ich habe das nicht gehört.“ Daraufhin habe der Horaser Torwart dann gestoßen und geschubst, Koppel ging dazwischen. „Ich habe versucht zu schlichten. Ich arbeite bei einer Gewerkschaft und selbst mich hat das mental ordentlich mitgenommen.“
Horas stellt sich vor Torhüter Schäfer
Von einem der betroffenen Zuschauer ging dann ein Faustschlag in Richtung Schäfers. „Ob er ihn getroffen hat, kann ich nicht sagen“, so Koppel. Winfried Mehler kann am Tag danach hier zumindest etwas mehr Licht ins Dunkel bringen, wenngleich er selbst am Sonntag nicht am Platz war: „Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass sich Dennis heute nochmal in ärztliche Behandlung begibt, weil irgendetwas mit dem Kiefer nicht in Ordnung ist.“ Von der Horaser Führungsetage war aus unterschiedlichen Gründen generell keiner am Johannesberger Sportgelände, „was natürlich extrem unglücklich ist, dass ausgerechnet dann so etwas passiert“, bedauert auch Mehler, der deshalb nur weitergeben könne, was er bisher von Dritten gehört habe. Er stellte sich jedoch vor seinen Torwart: „Ich kenne Dennis schon ewig, er ist die Ruhe selbst. Es muss irgendetwas vorgefallen sein, sonst hätte er sich nicht so provozieren lassen. Ohne Grund würde Dennis niemals handgreiflich werden.“ Grundsätzlich sei das anschließende Verlassen des Platzes seiner Mannschaft dann auch zumindest zu hinterfragen, wenngleich Mehler die Spieler hier vollkommen verstehen könne: „Ich kann das komplett nachvollziehen, um ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen.“ Um einen herbeigeführten Spielabbruch zu verhindern, seien die FVH-Spieler schließlich wieder auf den Platz gekommen, entschlossen sich aber dazu, nur noch die Uhr herunterlaufen zu lassen. „Unsere Spieler haben sich dann dazu entschieden, dem zuzustimmen und ebenfalls das Fußballspielen eingestellt“, erklärt Koppel dazu. Viele Spieler würden sich untereinander kennen, der Fairness halber habe sein Team dem „Nichtangriffspakt“ zugestimmt.
So gingen die letzten Minuten über die Bühne, am 4:2-Endstand aus Johannesberger Sicht änderte sich folglich nichts mehr. Die SGJ hat also weiterhin beste Chancen, nach zwei Jahren die Rückkehr in die Verbandsliga zu feiern – weil, wie bekannt, Oberzell und Schlüchtern nicht aufsteigen wollen. Horas hingegen muss den bitteren Gang in die Kreisoberliga antreten. Winfried Mehler versucht dennoch, das Positive zu sehen: „Natürlich ist die Gruppenliga sportlich attraktiver, darüber brauchen wir gar nicht reden. Vielleicht gehen uns auch ein paar Zuschauer verloren, aber immerhin stehen uns viele interessante Derbys bevor“, blickt der erste Vorsitzende beispielsweise auf die Duelle mit Borussia Fulda oder anderen Stadtclubs voraus. Haimbach und Germania haben in der A-Liga Aufstiegschancen, einer wird direkt hochgehen, und FT Fulda könnte bei verlorener Aufstiegsrelegation auch noch mitmischen.
Personell wird sich beim FVH nicht viel tun, zumindest auf der Seite der Abgänge: Der in die Schlagzeilen geratene Dennis Schäfer kehrt zu seinem Heimatverein Bronnzell zurück, Daniel Wilde schließt sich bekanntlich der SG Sickels an und wird damit auch in der kommenden Spielzeit in der Gruppenliga auflaufen. „Aber ansonsten hat ein Großteil der Mannschaft bereits für die kommende Saison zugesagt“, erklärt Mehler: „Ein paar Neuzugänge sind ja auch schon fix. Ich denke, wir werden mit der Mannschaft in der KOL auf jeden Fall eine gute Rolle spielen.
Gruppenliga – Unterbrechung, Faustschlag und drohender Abbruch
