Die Situation war am Sonntag in Johannesberg eskaliert, nach einer Unterbrechung in der 65. Minute wurde sich bis Abpfiff nur noch der Ball hin- und hergeschoben. Der FV Horas – durch die 2:4-Niederlage abgestiegen – legte Einspruch gegen die Wertung ein, nachdem der Torhüter Dennis Schäfer mit Rot vom Platz flog, aber auch von einem Johannesberger Zuschauer geschlagen worden sein soll.
Die Aufgabe am Dienstagabend für Hendrik Brönnecke, den Vorsitzenden des Regionalsportgerichts, war knifflig. „Ein sehr komplexes Geschehen“, sagte er. Zweieinhalb Stunden brauchte das Gericht, hörte zunächst das Schiedsrichter-Gespann an und stand vor der Frage, ob der Fall vergleichbar ist mit dem in der Bundesliga, als wegen eines Feuerzeug-Wurfes das Spiel Union gegen Bochum auf den VfL-Torwart gewertet wurde. „Für uns war klar, dass der Sachverhalt nicht vergleichbar ist“, so Brönnecke. Dies sei den Vereinen mitgeteilt worden, da in der Spielordnung unter anderem verankert ist, dass nur der Schiedsrichter über einen Abbruch entscheiden könne. Stattdessen war die Partie zu Ende gespielt worden – zumindest lief die Uhr. „Horas hat dann auch gesagt, dass sie ihren Einspruch gegen das Ergebnis zurückziehen werden“, so der Vorsitzende.
Weitere Zeugen wurden angehört, allerdings nur von beiden Vereinen. Neutrale gab es nicht. Horas-Keeper Schäfer habe glaubhaft angegeben, über einen längeren Zeitraum von den betreffenden Zuschauern beleidigt und provoziert worden zu sein. Den Zuschauern ginge es wiederum nicht darum, den Torhüter körperlich zu verletzen, so das Sportgericht, wenngleich sie nach dem Tor zum 4:2 über die Barriere sprangen und ein paar Schritte auf ihn zugekommen wären. Schäfer sei dann selbst auch auf die Personen zugegangen, die in seine Richtung gejubelt hätten, und habe einen Zuschauer geschubst. Ein anderer aus dem Pulk habe dann zugeschlagen und Schäfer getroffen.
„Solch ein Verhalten ist auf dem Sportplatz total intolerabel, schon das Verhalten vorher“, so Brönnecke, der die SG Johannesberg vor diesem Hintergrund zu 400 Euro Geldstrafe verurteilte. Diese liege „im unteren Rahmen“, und der Verein habe signalisiert, das Gespräch mit dem/den Täter/n suchen zu wollen. „Auch ich persönlich hoffe, dass Johannesberg da noch Maßnahmen ergreifen wird“, sagte Brönnecke. Der Horaser Schlussmann wurde wiederum für unsportliches Verhalten für drei Spiele gesperrt. Was wäre wenn – das konnte niemand beantworten, aber wäre Schäfer nicht auch auf die Zuschauer zugegangen, wäre es womöglich nicht zu einem Schlag gekommen.
Eine Spielwertung war also vom Tisch – damit wäre die Meisterschaft zugunsten der SG Oberzell/Züntersbach bereits entschieden gewesen, und Horas hätte plötzlich noch eine Chance gehabt, über die Relegation drinzubleiben. So aber entscheidet sich alles sportlich am Mittwochabend. „Es ist im Sinne des Sports, wenn Meisterschaft und Abstieg auch sportlich entschieden werden“, so Brönnecke, der sich glücklich zeigte, dass beide Vereine nach der Verhandlung auch direkt auf weitere Rechtsmittel verzichteten. „Bei einer Berufung, was möglich gewesen wäre, hätte die Relegation aus unserer Sicht gar nicht angefangen werden können“, so der Regionalsportgerichts-Vorsitzende. Auch das ist nun aber vom Tisch – es soll in den kommenden Tagen um das Sportliche gehen.
