Whatsapp, Instagram, TikTok und Snapchat, diese Apps werden von den Kindern und Jugendlichen in den statistischen Erhebungen am häufigsten genutzt, berichtete Kalbfleisch, ihres Zeichens Zentrale Jugendkoordinatorin für das PP Osthessen und Dezentrale Jugendkoordinatorin für die Polizeidirektion Fulda. Bei der Nutzung des Internets würden die Kinder dabei laut Befragungen unter anderem mit Fake News (verfälschte Nachrichten) und extremen politischen Themen in Berührung kommen. Jeder vierte Minderjährige bekomme, obwohl er oder sie nicht danach gesucht habe, mit Blick auf die Datenlage ungewollt pornographische Inhalte ausgespielt. „Das finde ich bedenklich“, merkte die Kriminalhauptkommissarin an. Eltern würden häufig nicht wissen, was ihre Kinder in den Apps tun könnten. Dies stelle ein Sicherheitsrisiko dar, etwa wenn Erwachsene über Spiele mit Chatfunktionen Kontakt mit Minderjährigen aufnehmen würden.
Beim sogenannten „Cyber-Grooming“, also der gezielten Kontaktaufnahme und Manipulation von Kindern und Jugendlichen geht es den Tatpersonen darum, einen sexuellen Kontakt herzustellen. Kalbfleisch erzählte, dass auch teilweise das Gegenteil der Fall sei: Einige Kinder und Jugendliche würden bewusst den Kontakt mit Erwachsenen suchen, als Teil einer Herausforderung. Als Motivation würden die jungen Menschen häufig das Austesten von Grenzen, den Spaß an der Täuschung oder die „Jagd“ nach Pädo-Kriminalität angeben, teilte die Expertin mit. Welche Gefahren bei einem solchen Vorgehen auftreten können, sei ihnen häufig nicht bewusst. Die Fälle von Grooming würden sich durch alle Gesellschaftsschichten hinweg finden, ergänzte sie.
Die Kriminalhauptkommissarin erläuterte für die Gäste im Saal einige weitere Begriffe in ihrem Vortrag, darunter Sexting (das Versenden von Nacktbildern und erotischer Nachrichten), Upskirting beziehungsweise Downblousing (Fotografieren unter den Rock oder in den Ausschnitt) sowie Cybermobbing (Gezielte Beleidigung oder Erpressung im Internet). Als Beispiele präsentierte sie dabei unkenntlich gemachte Fälle direkt aus Osthessen. Ein weiteres Hauptthema war der Empfang oder das Versenden von kinder- und jugendpornographischen Inhalten. Kalbfleisch erklärte, dass über die USA solche Inhalte über das National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC) registriert würden. Die Expertin warnte davor, solche Fälle auf die leichte Schulter zu nehmen. Die Betroffenen könnten sich selbstständig bei der ZK Fokus melden, damit die Vorfälle registriert und entsprechendes Material gelöscht wird. Andernfalls müssten bei einer Untersuchung durch die Polizei alle internetfähigen Geräte im Haushalt mitgenommen werden: Einschließlich Firmenlaptops, Spielekonsolen und anderen Datenträgern: „Die sind dann mindestens ein Jahr weg.“
Kalbfleisch riet als präventive Maßnahme dazu, mit den Kindern über den Gebrauch und die Nutzung von Apps sowie Plattformen im Internet zu reden. Sinnvoll sei auch, die Verbreitung privater Daten und Fotos zu reduzieren: „Nicht so viel posten.“ Die Anwesenden hatten Gelegenheit, Rückfragen zu stellen und sich im Anschluss über das Thema weiter auszutauschen.
