Lokales FD 16.05.2025

Erster Standort-Dialog in Petersberg – Neues Netzwerk entsteht

Petersberg (fp) – Unternehmen, Vereine und Politik zusammenbringen: Das war die Idee des ersten Standort-Dialogs im Propsteihaus am Donnerstag. Gemeinsam mit dem Gewerbeverein Petersberg hat die Gemeinde etwa hundert Akteure aus der Wirtschaft, dem Ehrenamt und der Politik zu einem Infoabend zum Netzwerken zusammengebracht.

Foto: Felix Pillat

Ziel der Veranstaltung war es, ein Forum für die Probleme, die Herausforderungen aber vor allem die Lösungen für die Gemeinde Petersberg und durch den Austausch der Akteure neue Verbindungen zu schaffen. Ähnlich wie bei einer Jahreshauptversammlung wurden auf der Veranstaltung über die aktuellen Projekte in Petersberg gesprochen. Thematisiert wurden ebenfalls überregionale Herausforderungen, wie der Fachkräftemangel, die Bürokratie und die schlechte Konjunktur.

Neben Bürgermeisterin Claudia Brandes, die in ihrer Eröffnungsrede das Format zusammenfasste, gab es auch Wortbeiträge von insgesamt drei Vertretern aus verschiedenen Bereichen der Wirtschaft. „Ich freue mich, dass so viele Menschen gekommen sind zu unserem ersten Standort-Dialog“, strahlte die Rathauschefin stolz.

Zuerst begrüßte die Bürgermeisterin Winfried Jäger, der als Erster Vorsitzender des Gewerbevereins „Einkaufswelt Petersberg“, neue Aktionen in der Gemeinde vorstellte. Darunter beispielsweise der „Geschenkgutschein Petersberg“, der ähnlich wie das Fuldaer Pendant „Lilienthaler“, lokalen Geschäften mehr Andrang verschaffen soll. „Der Geschenkgutschein wird bei verschiedenen Anlässen, wie Geburtstagen, von der Gemeinde an Sie verteilt und kann dann in ausgewählten Geschäften eingelöst werden“, erläuterte der Vorsitzende. Auch neu sei die „Vorteilskarte“, die jeder Kunde erhalten, und damit vorher bestimmte Rabatte in verschiedenen Geschäften bekommen könne. Wie hoch diese ausfallen sollen, sei eines der Themen für die Gewerbetreibenden.

Den zweiten Vortrag hielt Nicole Schmitt-Felgenhauer, Geschäftsführerin der IHK Fulda. Sie stellte die IHK als Institution vor, gab eindringliche Informationen zur aktuellen Wirtschaftslage in der Region, sprach über die Herausforderungen in Deutschland und mögliche Lösungen. Als größte Probleme benannte sie den Fachkräftemangel, die überbordende Bürokratie, sowie fehlende Expansionsmöglichkeiten, Investitionen und Digitalisierungsmaßnahmen innerhalb der Gemeinde. In ihren Diagrammen zeichneten sich immer wieder rabenschwarze Bestandsdiagnosen der regionalen Wirtschaft ab. So verbessere sich die aktuelle Lage zwar schon, sei aber „lange nicht auf dem Stand, wie 2019“, führte sie aus. Mit Blick in die niedergeschlagenen Gesichter ihres Publikums am Ende ihres Vortrags, sagte sie: „Ich hoffe ich habe die Stimmung nicht zu sehr nach unten gezogen.“ Trotz der aktuellen Lage appellierte daran, nicht den Mut zu verlieren: „Die Realität ist einfach, wie sie ist. Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen und müssen weiter daran arbeiten.“ Als Lösungen gab sie eine bessere Vernetzung, mehr Fokus auf regionalen Wertschöpfungsketten und intensiveres wirtschaftspolitisches Lobbying an.

Katharina Henkel, Geschäftsführerin des operativen Bereichs der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda, hielt die letzte Keynote des Abends und brachte den Gästen lediglich „drei Zahlen und eine Strategie“ mit, wie sie mit einem Augenzwinkern verkündete. Sie sprach von Arbeitslosenquote (3,8 Prozent), die so niedrig ist, wie sonst nirgends in Hessen, den fehlenden Fachkräften in den kommenden fünf Jahren (11.009) und den Überschuss an Ausbildungsstellen pro Bewerber (1,64). Der Schlüssel zur Bekämpfung des Fachkräftemangels liege in jungen Menschen, führte sie aus. Deshalb brachte sie als Strategie das „Praktikum“ als Beschäftigungsform mit, denn: „Authentische Erfahrung toppt Social-Media-Post“, zitierte Henkel das Handelsblatt und stellte heraus: „Das Praktikum ist die Lösung.“ Sie riet den Anwesenden den Fokus auf soziale Verbindungen im Team zu legen und den jungen Menschen mehr zuzutrauen. „Ich habe nicht die Erfahrungen gemacht, dass die nächste Generation faul ist“, schmunzelte sie: „Sie stellen oft den sozialen Zusammenhang im Team über die Stupidität der Aufgabe.“ Im Klartext: „Du kannst denen die stupidesten Aufgaben geben, solange sie sich angenommen und wohl im Team fühlen, machen die das“, lachte Henkel.

Nach dem offiziellen Teil gab es die Möglichkeit zum Austausch und Netzwerken bei einem Snack.

Standort-Dialog in Petersberg. Fotos: Felix Pillat