Beginn des Hauptprogramms: Eine volle Esperantohalle, Scheinwerfer, Liveübertragung. Es war alles angerichtet, und im Ring stehen durften vier Amateure, die in den vergangenen drei Monaten vieles, vielleicht sogar alles, diesem Moment unterordneten und viele Opfer dafür ließen. Die Erfahrungen: Unbezahlbar. „Das Feeling war unbeschreiblich“, berichtete Finja Happe, die den Frauen-Kampf gegen Miriam Peuster gewonnen hatte. Doch das zählte hinterher gar nicht mehr so sehr: „Jeder hat gesagt: Du hast das super gemacht. Egal, wie es ausging. Die Zeit war für jeden hier hart, aber man geht nicht als Verlierer raus. Auch nicht, wenn man verloren hat“, sagte Peuster, die zugab: „Die Erinnerungen an den Kampf sind vage. Ich weiß, dass ich da war, aber es fehlt irgendwie was“.
Auch die Männer lieferten richtig ab und zeigten im Ring, was sie können: Jochen Köhler, der wie Happe bei Sergej Braun trainiert hat, und Arian Krasniqi, der mit Peuster im Boxplatz von Mario Dimitroff angeleitet wurde, bestritten einen Mega-Kampf. „Ich war vorher und beim Einlaufen gar nicht so nervös, wie gedacht“, so Krasniqi: „Aber im Ring war es dann wie ein Kolosseum um einen herum. Das war schon ein komisches Gefühl“. Köhler schmunzelte: „Ich wüsste nicht mehr, was mir im Ring von den Trainern zugerufen wurde. Nur der Körper hat reagiert, das sieht man im Video“. Krasniqi wiederum habe Nummern von irgendwo her gehört, eher aber aus Köhlers Ecke, die wohl für die Essensbestellung nach dem Fight standen, flachste das „Team Braun“.
Auch für die Organisatoren und Ideengeber war die Premiere eine rundum gelungene: „Ich war positiv überrascht von beiden Kämpfen. Sowas endet meist in einer wilden Schlägerei, aber es sah professionell aus“, sagte Thorsten Czynski vom Sporthaus im Kohlhäuser Feld, das das Equipment stellte. Patrick Franz, der mit Rewe ebenfalls Sponsor, aber in erster Linie Event-Organisator war, staunte: „Mich haben schon sehr viele drauf angesprochen, ob wir das nächstes Jahr wieder machen, es wollen sich schon einige bewerben“. Einmalig in Deutschland war die Tatsache, dass die Anfänger im Hauptprogramm ran durften. „Das gab es so noch nie“, sagte Czynski, der den Hut vor allen vieren zog: „Ihr habt alle drei Monate lang durchgezogen. Das so zu machen, geistig und körperlich – höchsten Respekt davor. Es war ein mega geiles Projekt“.
„Grandios für Fulda!“
Die Trainer waren ebenfalls voll dabei, Sergej Braun als frischgebackener Weltmeister ohnehin wieder. Er lobte seinen Schützling Köhler: „Jochen hat es geil vorgemacht: Die Deckung war da, dass man nicht gleich ein paar Schläge kassiert. Aber alle haben Gas gegeben, die Mädels haben Masse aufgebaut und die Schläge wurden härter, die Männer haben eher abgenommen, aber sind schneller geworden“. Mario Dimitroff hatte mit seiner Kampferfahrung aus vielen Jahren vorab ebenfalls geahnt, dass die Psyche bei den Amateuren einen Schritt voraus sein könnte: „Es geht alles im Kopf, es geht um Sekunden. Aber das Publikum hat euch wie Kämpfer behandelt, nicht wie Amateure. Das war schon grandios für eine Stadt wie Fulda. Das soll uns erstmal einer nachmachen“.
Die Resonanz war super, vor Ort und auch in aller Welt: OB Dr. Heiko Wingenfeld saß mit Gattin in erster Reihe, die Frau von Landrat Woide war ebenfalls begeistert. „Da hat viel Herzblut drin gesteckt, auch bei den Helfern“, lobte Czynski, der natürlich besonders seinen Schwager Köhler feierte. Das Battle of Barock IV habe eine Reichweite bis in den Balkan, nach Düsseldorf oder nach New York gehabt, viele Menschen sind auf das Box-Spektakel in Fulda aufmerksam geworden, berichteten Dimitroff und Czynski. Auch in den lokalen Medien war die Resonanz riesig, tausende Fotos wurden verbreitet. Promis wie Mola Adebisi erkundigten sich ebenfalls.
Familien und Freunde unterstützen
Ralph Görlich, Chefredakteur bei Osthessen-Zeitung, hatte die ursprüngliche Idee ins Leben gerufen, stand aber bis zum Event im April ebenfalls noch vor großen Fragen: „Wir hatten eine Idee, wussten, es kann gut werden. Aber nicht, wie es genau werden wird“. Auch er war aber hochzufrieden: „Wir haben Nachhaltigkeit erzeugt und etwas geschaffen, was wirkt und weiterwirken wird“.
Das merkten die Teilnehmer wiederum schon direkt nach den Kämpfen: „Mein Handy war explodiert. Die Familie hat sich richtig gefreut und mein Bruder hatte die Halle fast zusammengeschrien“, lachte Happe. Peuster wollte sich zunächst ihr Video gar nicht anschauen, tat es dann aber doch. „Der Kopf hat nicht gearbeitet“, schmunzelte sie, nahm ihre Niederlage aber mehr als sportlich. Krasniqi schwärmte bereits von den Vorkämpfen und dem Ablauf der Veranstaltung, und bei Köhler waren es bleibende Erinnerungen aus dem Training: „Es war eine super emotionale Erfahrung. Ich kenne das aus anderen Sportarten anders, aber hier fühlt sich keiner wichtiger, es ist wie eine Familie. Das ist beeindruckend, über das Alter oder Nationalitäten hinweg“. Beim Sparring seien seine Klamotten jedes Mal „bis zur letzten Faser“ nass gewesen, er habe zwölf Kilo reines Gewicht abgebaut. Bei Krasniqi waren es sieben Kilogramm. Auch Ralph Görlich staunte: „Wie ihr das gemacht habt, war Wahnsinn. Der Vergleich vom Casting zum Kampf. Ich als Sportinteressierter, aber Box-Laie, war begeistert“.
Battle of Barock V schon in Planung
Fakt ist: Die Organisatoren planen natürlich die fünfte Auflage des Battle of Barock, dabei sollen wieder Amateure die Chance bekommen, professionell zu trainieren und dann vor tausenden Zuschauern im Ring zu stehen. „Da bin ich mir sicher, dass wir noch mehr Leute ziehen – auch wegen euch vier“, sagte Czynski zu den diesjährigen Teilnehmern und stellte fest: „Es wurde auch mit Vorurteilen aufgeräumt“. Er sprach von Werbung für mehrere Generationen, während Braun sagte: „Ich komme aus dem Dorf, selbst dort hat sich jeder erkundigt und damit auseinandergesetzt, auch die Älteren“. Mario Dimitroff ergänzte: „Wir haben Leute integriert, Türen geöffnet, Verantwortung übernommen. Wir sind raus aus einem Schatten gegangen für den Sport“.
Auf die Frage, ob sie dieses Abenteuer nochmal mitmachen würden und ob es die richtige Entscheidung war, hatten alle vier mit ja geantwortet. Auch Box-Training wollen sie weitermachen, sofern es Alltag und Beruf zulassen. Peuster war „direkt montags“ wieder im Training bei Dimitroff, der Krasniqi wiederum zwischenzeitlich „hart rannehmen“ musste: „Manchmal ist er mir auf den Sack gegangen“, schmunzelte der Boxplatz-Chef – bis Krasniqi dann den Kopf beim Boxen endlich runternahm. Der Fuldaer räumte auch mit den Vorwürfen auf, dass er Box-Erfahrung habe: Krasniqi beteuerte, vor sieben Jahren als Begleitung eines Freundes drei- oder viermal mit gewesen sei – „aber das war kein Training, und auch unregelmäßig. Ich hatte dadurch keine Vorkenntnisse“, so Kransiqi, der selbst sagte: „Ich war jetzt in der unfittesten Phase meines Lebens, aber bin im besten Alter und jetzt endlich wieder auf dem richtigen Weg“. Jochen Köhler, bei dem im Ring schon in der dritten Runde die Kraft in den Beinen weg gewesen sei, der aber mit eisenharter Ausdauer durchzog, meinte: „Ich könnte mir in den Po beißen, dass ich so spät mit dem Kampfsport angefangen habe. Es war ein sensationeller Abend“. Peuster, bei der aus technischen Gründen ihr Einlaufsong unterging, stellte nochmal klar, dass sie zu Manowar – „Warriors of the World“ in den Ring steigen wollte. Und Görlich sagte zum Abschluss: „Alle haben Spaß gehabt, die Begeisterung war riesengroß. Davon haben alle profitiert“.
Battle of Barock IV – Weltklasse-Stimmung, Weltmeister Braun
