Ursprünglich hatte Tobias Zeitlinger von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen einen Antrag eingebracht, welcher den Gemeindevorstand auffordere, ein Konzept zur Ausweitung von Tempo-30-Bereichen zu erstellen. Als Begründung verwies er auf Straßen in der Gemeinde, in denen es durch Enge sowie parkende Fahrzeuge zu Gefahrensituationen kommen können. „Dazu zählen für uns die Turmstraße, der Edelzeller Weg, die Keuloser Straße, die Dirloser Straße, die Florastraße, die Bonifatiusstraße und die Pilgerzeller Bronzeller Straße“, hieß es dazu im ursprünglichen Antrag. Wie Zeitlinger argumentierte, solle der Gemeindevorstand das gesamte Straßennetz überprüfen, ob weitere Tempo-30-Zonen geschaffen werden können.
Zentgraf machte in seiner Antwort zunächst deutlich, dass ein „Tempo-30-Bereich“, wie es in der Vorlage hieß, im Straßenverkehrsrecht nicht existiere. Richtig sei die Beschreibung „Zone“. Des Weiteren sei der Gemeindevorstand gar nicht zuständig, sondern allein die Ordnungsbehörde. Der Bürgermeister beschrieb Tübingen mit seinen unterschiedlichen Tempo-Regelungen als Negativbeispiel für eine solche Verkehrspolitik. Er wolle die Bürgerinnen und Bürger in Künzell nicht mit solchen Regelungen „quälen“ und lehnte den ursprünglichen Antrag deutlich ab: „Mit mir nicht.“
In der Diskussion sprach Thomas Grünkorn, Fraktionsvorsitzender der CWE, von einer komplizierten Interessenlage. In den Ortsteilen gelte in den Wohngebieten vielerorts schon Tempo 30. Dies auf Landes- und Kreisstraßen zu übertragen, sei schwer umsetzbar. Parallel dazu verwies er auf die Problematik, dass viele in den Ortsdurchfahrten deutlich schneller als 50 Stundenkilometer fahren würden. Er brachte einen Änderungsantrag ein, dass die Gemeindevertretung den ursprünglichen Antrag an den BUSA überweise: „Danach soll den Ortsbeiräten die Möglichkeit gegeben werden, Vorschläge für weitere Bereiche mit Tempo-30-Geschwindigkeitsbegrenzung an das Ordnungsamt zu machen.“ Christof Erb, Fraktionsvorsitzender der CDU, unterstützte Grünkorns Antrag und sprach von einer merklichen Unkenntnis in der Diskussion: „Es sind viele Aspekte zu bedenken.“ Dieter Lachnit, Fraktionsvorsitzender der SPD, meinte mit Blick auf das Negativbeispiel Tübingen von Zentgraf: „Tempo 30 flächendeckend ist eine einfache Lösung.“ Neben Autofahrern müsste auch an Fußgänger sowie Radfahrer im Verkehr gedacht werden. Der Bürgermeister stellte klar, dass er grundsätzlich nichts gegen Geschwindigkeitsbegrenzungen innerorts habe, wenn dies zur Verkehrssicherheit beitrage. Er stimmte Grünkorn zu, dass in Ortsdurchfahrten zu viele Personen zu schnell unterwegs seien: „Wo Tempo 50 ist, ist 50 das Maximum.“ Eine flächendeckende Tempo-30-Regelung in Künzell halte er aber nicht für sinnvoll.
Neben der Diskussion gab es während der Sitzung auch ein Jubiläum zu feiern: Werner Fromkorth von der CWE-Fraktion wurde für seine 40 Jahre als Mandatsträger geehrt. Johannes Groß, Vorsitzender der Gemeindevertretung Künzell, sowie Bürgermeister Zentgraf gratulierten im herzlich zu diesem Engagement. Groß stellte fest, dass Fromkorth schon Gemeindevertreter gewesen sei, bevor der Vorsitzende überhaupt geboren wurde. Der Geehrte ist unter anderem erster stellvertretender Vorsitzender der Verbandsversammlung des Zweckverbands für das Gruppenwasserwerk Florenberg sowie HFA-Ausschuss-Mitglied aktiv.
