Ursprünglich war die Einführung der ePA bereits im Januar vorgesehen. Dieser Termin musste aber wegen Sicherheitsbedenken verschoben werden und wurde dann auf den 29 April verlegt. Während sich Dr. Ralph Michael Hönscher, Vorsitzender des Gesundheitsnetzwerks Osthessen, damals noch sehr kritisch geäußert hat, ist sein Ton zum Stichtag der bundesweiten Einführung deutlich milder. „Ich stehe dem Ganzen positiv, aber mit Respekt gegenüber“, erklärt der Allgemeinmediziner: „Grundsätzlich halte ich die Einführung für sinnvoll, weil es viele Dinge im Patientenalltag erleichtert. Die Frage ist immer, wie gut und sicher sich das umsetzen lässt.“ Das Feedback seiner Kollegen falle dahingehend durchwachsen aus, fügt er an: „Etwa die Hälfte sagt es läuft super, die andere Hälfte sagt es ist schwierig.“
Auch seine Sicherheitsbedenken seien noch nicht gänzlich ausgeräumt, er hoffe aber, dass die Bundesregierung effektive Maßnahmen ergriffen habe, um die Daten der Bürger zu schützen. Er spricht sich außerdem für ein ausreichendes Aufklärungsangebot für die Patienten aus. „Die Bürger müssen informiert werden, was auf der ePA gespeichert wird und was nicht“, stellt er heraus. Denn durch die neue Regelung läge die Informationsverwaltung nicht mehr in der Hand der Ärzte, warnt er: „Die Patienten entscheiden selbst, welche Informationen sie, welchen Ärzten zur Verfügung stellen.“
Dr. Jörg Simon, Facharzt für Innere und Sport-Medizin in Fulda, hat in seiner Praxis das Angebot bereits vollständig auf die digitale Variante umgestellt. „Jeder Patient der heute zur Tür reinkam, hat seine elektronische Patientenakte bekommen“, berichtet er. Diese hätten die Umstellung überwiegend positiv aufgenommen, führt er aus: „Vielleicht fünf Prozent haben abgelehnt. Der Rest hat sich über die Einführung gefreut.“ Auch Simon selbst ist überzeugt von der Umstellung, wie er betont. Die ePA verkürze nicht nur Kommunikationswege zwischen verschiedenen medizinischen Institutionen, sie schaffe auch mehr Verfügbarkeit für Ärzte und trage zur Übersichtlichkeit der Daten bei, lobt Simon: „Es gibt keine Alternative dazu. Wie sonst sollen wir effektiv in unserem Gesundheitssystem kommunizieren.“ Einzig vor dem weiter bestehenden Sicherheitsrisiko warnt der Mediziner: „Es gab bisher keine überzeugende Kommunikation, dass die Sicherheitslücken geschlossen worden sind.“ Es bleibe also eine gewisse Risikoabwägung, so Simon: „Das darf und soll aber jeder Bundesbürger für sich selbst entscheiden.“
