Lokales FD 09.05.2025

80. Tag der Befreiung – Aktionsprogramm für Frieden und Demokratie

Fulda (as) – Ein wichtiger Gedenktag für Freiheit, Menschenwürde und Reflexion: Vor exakt 80 Jahren endete  der zweite Weltkrieg in Europa. Um diesen Moment der Befreiung von dem Nazi-Regime zu zelebrieren, finden in Fulda am Donnerstag einige Aktionen auf dem Universitätsplatz statt. Dabei geht es den Organisatorinnen und Organisatoren auch darum, den Blick nach vorne zu richten und der Jugend zu vermitteln, wie wertvoll Frieden und Demokratie sind (update 14.48 Uhr).

Fotos: Andreas Schellenberg

Von links: Dagmar Heil und Gunter Geiger.

„Es ist sehr wichtig, dass wir heute hier präsent sind“, berichtete Bischof Dr. Michael Gerber, der ebenfalls zu dem Aktionstag auf den Universitätsplatz gekommen war: „Ich bin selber sehr stark geprägt durch die Erzählungen meines Vaters.“ Heute sei es die Verantwortung, diese Erinnerungen und Erlebnisse der Menschen aufrecht zu erhalten. Er betonte die Wichtigkeit der Menschenwürde und das Miteinander in Europa. Die Stände der unterschiedlichen Verbände würden darauf aufmerksam machen, welche Menschen damals im Widerstand gegen den Nationalsozialismus mitgewirkt hätten. „Wir brauchen Menschen, die die Erfahrung machen: ‚Ich setz mich für andere ein und daran wachse ich letztlich selbst‘“, so der Bischof. Zusätzlich brauche es den Kontakt zu Menschen aus anderen Ländern, um Gemeinschaft zu schaffen.

Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld zeigte sich bewegt von dem bunten Programm zum Gedenktag. Der 8. Mai sei in mehrfacher Hinsicht ein „Symbol für die Geburtsstunde unserer Demokratie“. Das Grundgesetz hebe die Würde des Menschen als oberste Priorität hervor. Der OB appellierte: „Demokratien müssen zusammenhalten.“ Diesbezüglich sprach er seine Solidarität für die Ukraine aus: „Über 1000 Menschen aus der Ukraine leben in unserer Stadt.“ Er bedankte sich bei allen Akteurinnen und Akteuren für ihr Engagement am heutigen Gedenktag.

An der Aktionsmeile beteiligten sich unter anderem der AWO Kreisverband Fulda, Die BDKJ, die DGB, KAB und Fulda stellt sich quer, Die Katholische Akademie des Bistums Fulda, kdf, pax Christi, KAB, Kolping und Omas gegen Rechts. Vor Ort erklärte Cornelia Leitsch, Mitglied im Diözesanvorstand der kfd: „Wir Frauen engagieren uns für die Demokratie.“ An ihrem Stand konnten die Menschen einen Mosaikstein auf einem Kunstwerk aufkleben, welches die Aufschrift „Frieden“ trug. Auf der Bühne sprach Daniel Röder von Pulse of Europe von seiner Angst, dass die AfD 2029 in der Regierungsbildung beteiligt sein könne: „Wir sollten uns alle dagegen wehren.“ Er appellierte an die Jugendlichen, sich für Freiheit einzusetzen und gegen Extremismus. Im Anschluss wurden Filmausschnitte von Zeitzeugen präsentiert, die von ihren Erlebnissen während des Zweiten Weltkriegs berichteten. Eine davon war Esther Bejarano, die von ihrem Leben im KZ sprach und wie sie überlebte.

Der 8. Mai diene zum einen als Tag der Mahnung der schrecklichen Leidensgeschichten während des Weltkriegs, erklärte Gunter Geiger, Direktor der Katholischen Akademie und einer der Mitorganisatoren. Gleichzeitig gehe es darum, an die Befreiung zu erinnern: „Bei allem Leid den Blick nach vorne zu richten.“ Er war entsprechend sehr glücklich darüber, dass vor allem viele junge Menschen aus Schulklassen auf den Universitätsplatz gekommen waren. Die demokratische Gesellschaft in den vergangenen Jahren vom wachsenden Antisemitismus und das Erstarken rechtsextremer Parteien bedroht. Umso wichtiger sei es, auf die Stärken einer freiheitlichen Demokratie hinzuweisen und diese zu verteidigen. „Wir als Kirche wollen ein Zeichen setzen: So nicht!“, erläuterte Geiger. Ein Symbol für die unantastbare Würde aller Menschen sei dabei ein „Inklusionsklotz“, welcher von Diakon Ralf Knobloch erdacht worden war. Dieser wurde während der Veranstaltung an mehrere Personen verteilt.

An mehreren Ständen wurden rund um den Universitätsplatz verschiedene Aktivitäten angeboten. Zum Start beispielsweise hatten die Omas gegen Rechts eine Lesung organisiert. Dagmar Heil erzählte den Kindern die Geschichte von Armin, welcher von einem Kampf zwischen Rittern träumte und sich fürchtete. Der kleine Junge berichtete nach dem bösen Traum seiner ukrainischen Freundin Mascha davon. Diese entgegnete ihm, dass der Krieg in ihrem Heimatland kein Traum, sondern traurige Realität sei. Gespannt lauschten die Kinder der Handlung und malten im Anschluss Bilder, welche als Geschenk in die Ukraine verschickt werden sollen. Zum Dank verteilten die Omas gegen Rechts noch leckere Syrniki (ukrainische Quarkküchlein), welche von ukrainischen Frauen am Donnerstag gebacken worden waren. „Es waren alle begeistert, Erwachsene wie Kinder“, freute sich Heil. Gemeinsam mit Bettina Schaaf und Karin Gilbert sangen die Kinder zusätzlich ein Lied in mehreren Sprachen. Auf der Aktionsmeile gab es noch einige weitere Angebote. Diese waren alle kostenfrei.

Gedenktag am 8. Mai in Fulda. Fotos: Andreas Schellenberg