Die Kirche, welche eigentlich aufgrund ihrer Größe als Kapelle eingeordnet wird, war damals ein Wunsch der Wisselser gewesen, berichtete Ortsvorsteher Florian Herber. Dafür hatten die Menschen Sach- und Baumaterial gespendet und teilweise bei der Arbeit mitgewirkt. 1954 sei der Bau gesegnet worden. Einige Anekdoten des ehemaligen Pfarrers Karl-Josef Aschenbach, der 18 Jahre in Wissels tätig gewesen war, las Maria Will vor. Der Pfarrer habe sich zu Beginn seiner Arbeit etwa gewundert, dass auf dem Friedhof in Margretenhaun so viele Adlige bestattet wurden. Er lernte dann, dass die Angabe „von“ auf den Grabsteinen auf die Herkunft aus den einzelnen Dörfern hinwies. In seinen Notizen ging Aschenbach ebenfalls auf die Zeiten während der Gottesdienste am Sonntag ein, welche einmal aufgrund der Fahrzeiten des Milchwagens angepasst werden sollten. Gegen die kritischen Stimmen hieß es damals: „Die Kirche muss sich im alltäglichen Leben einfügen.“
Weitere Anekdoten zum Kirchenbau konnte Oskar Leitsch zum Besten geben. Der Zeitzeuge hatte selbst an dem Bau der Kirche mitgewirkt und berichtete, wie Sandstein und Ziegelsteine beschafft und verarbeitet wurden. Die Technik sei in den vergangenen 70 Jahren deutlich vorangeschritten, merkte Leitsch an. Bürgermeister Timo Zentgraf bedankte sich für diese Einblicke. Die Kirche im Dorf sei vielleicht um zwei Meter zu kurz für eine richtige Kirche, jedoch: „Für Wissels groß genug.“ Er erinnerte sich an das 50-jährige Jubiläum zurück, als die Kirche dem Bistum geschenkt wurde. Zentgraf wünschte noch ein langes Bestehen, was dank des Wachstums der Bevölkerung in Wissels nicht unwahrscheinlich sei.
Pfarrer Benjamin leitete den Gottesdienst. Er sang anlässlich des Muttertags ein Lied für alle Mütter in der Kirche. Die weitere musikalische Begleitung übernahm der Chor Cantabile. Nach dem Gottesdienst kam die Gemeinde bei Kaffee und Kuchen sowie Grillwürstchen noch im Bürgerhaus Wissels zusammen.
