Es war das größte Zugunglück in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Am 3. Juni 1998 entgleiste der ICE 884 aufgrund von Materialermüdung verheerend und riss damit 101 Passagiere brutal aus dem Leben. Weitere 105 Menschen wurden verletzt, 70 davon schwer. Unter ihnen war auch Udo Bauch. Der Eichenzeller habe damals schwerwiegende Verletzungen von dem Unfall davongetragen, die ihn bis heute begleiten würden, so Bauch selbst: „Dieses Unglück hat mein Leben auf den Kopf gestellt.“ Doch er sei auch überzeugt gewesen, dass sein Überleben kein einfaches Glück, sondern viel mehr göttliche Fügung gewesen sei. Während seines zweijährigen Reha-Klinik-Aufenthalts schwor er, für dieses „zweite Lebensgeschenk“ etwas zurückzugeben und so gründete er die Lourdeskapelle. „Ich freue mich zu sehen, dass die Kapelle ein Ort der Inspiration, des Glaubens und der Zuversicht geworden ist“, lobte Bauch in seiner Begrüßungsrede. Er dankte allen Gästen für ihr zahlreiches Erscheinen. Dies erfülle ihn mit einer „Freude, die nicht in Worte zu fassen ist“, betonte er weiter: „Lassen Sie uns gemeinsam auf die nächsten Jahre voller Hoffnung, Glauben und Zuversicht blicken.“
Mehrere Gastredner, darunter auch Mark Weinmeister, Kassels Regierungspräsident, stellten die unbändige Stärke, das große Engagement und Zuversicht Bauchs heraus. „Niemand würde es Ihnen verdenken, wenn sie aufgrund dieser Erfahrung am Leben verzweifelt wären“, sagte der Regierungspräsident: „Aber Sie haben einen anderen Weg gewählt.“
Bis heute setze sich Bauch neben dem Gedenken an die Opfer des Zugunglücks von Eschede auch intensiv für die Integration von Menschen mit Behinderung in seiner Heimatgemeinde Eichenzell und im Landkreis ein, wie Bürgermeister Johannes Rothmund darlegte. Das sei ein „kleiner Lichtblick“, der aus der Tragödie hervorgegangen sei, so der Rathauschef weiter: „Dafür möchte ich Ihnen im Namen der Gemeinde Eichenzell von Herzen danken.“
Zum 25. Jubiläum hatte Bauch auch den Konzernsprecher der Deutschen Bahn Achim Stauß eingeladen. „Dass Sie trotz allem nachvollziehbaren Groll gegen mein Unternehmen, diese versöhnliche Geste zeigen, ist nicht selbstverständlich“, lobte Stauß. Wie Bauch in seiner Rede erklärte, habe er 20 Jahre auf eine persönliche Entschuldigung der Bahn gewartet. Erst nachdem sich 2013 der damalige Bahnchef Rüdiger Grube anlässlich des Jubiläums entschuldigte, habe Bauch Vergebung finden können. Stauß gedachte in seiner Rede den Verunglückten, betonte aber auch: „Für uns als Deutsche Bahn ist dieses Ereignis eine immerwährende Mahnung, die Sicherheit der Fahrgäste an oberste Stelle zu setzen.“ Abschließend wünschte er im Namen seines Unternehmens: „Möge die Lourdeskapelle Ihnen, Ihrer Familie und auch vielen anderen auch weiterhin viel Kraft schenken.“
Weitere Gratulationen und kurze Grußworte kamen von CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Hering sowie Mechthild Klee vom Landkreis Fulda.
Nach dem offiziellen Teil hielten Bischof Dr. Michael Gerber und Pfarrer Guido Pasenow gemeinsam die Messe ab. Gerber benannte das Jubiläum als „besonderen Tag“, der zeige, dass Gott auch durch die dunkelsten Situationen, „die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringe.“
Nach dem Gottesdienst durften die Gäste kulinarisches Angebot im nebenangelegenen Pfarrhaus genießen. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Gesangsverein Concordia Eichenzell sowie dem Solosänger Winfried Hartung, der persönlich das Lied „Die Uhr“ für Bauch vortrug, worüber sich dieser sichtlich freute.
