Lokales MKK 13.03.2025

Vorzeigeprojekt: Wasseraufbereitungsanlage an der Kinzigtalsperre

Steinau (pm/fp) – Die geplante Oberwasseraufbereitungsanlage an der Kinzigsperre steht kurz vor der Realisierung. Die Planungsphase ist nun abgeschlossen und wird bald den zuständigen übergeben werden. Bei einem Pressegespräch vor Ort informierten MKK-Landrat Thorsten Stolz, zusammen mit Peter Arnold, Verbandsvorsteher des Wasserverband Kinzig (WVK), und Holger Scheffler, Geschäftsführer des Wasserverband Kinzig über den neuesten Stand des Vorhabens.

Von links: Peter Arnold (Verbandsvorsteher Wasserverband Kinzig), Thorsten Stolz (Landrat Main-Kinzig-Kreis), Holger Scheffler (Geschäftsführer Wasserverband Kinzig) und Dr. Kaj Lippert (Björnsen Beratende Ingenieure). In der Mitte eine fotorealistische 3D-Darstellung des geplanten Oberflächenwasserwerks an der Kinzigtalsperre. Foto: Felix Pillat

Eine erfolgreiche Prüfung vorausgesetzt, könnten ab 2028 jährlich neun Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Stausee entnommen und direkt vor Ort zu Trinkwasser aufbereitet werden. Der tatsächliche Baubeginn hänge aber immer von den Behörden ab. „Wir rechnen mit einem Baubeginn zwischen 2026/27 und 2030“, stellten die Vertreter fest. 2028 sei aber realistisch. Mit der Anlage soll dem Klimawandel und den aus den steigenden Temperaturen resultierenden sinkenden Grundwasserständen entgegen gewirkt werden. Außerdem stelle das Projekt eine gravierende Maßnahme zur Gewährleistung der Sicherheit der Bürger im ganzen Main-Kinzig-Kreis dar, betonten die vier Verantwortlichen immer wieder. „Mit dieser Anlage wollen wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sein und auch im Katastrophenfall eine qualitativ hochwertige Trinkwasserversorgung gewährleisten können“, erklärte Scheffler.

Landrat Stolz würdigte das neue Wasserwerk sogar als eines der zentralen Vorhaben für die Versorgungssicherheit des Landkreises, der Stadt Hanau und der Stadt Frankfurt am Main. Die Mitglieder des WVK treiben das Oberflächenwasserwerk als Gemeinschaftsprojekt auf Augenhöhe mit aller Kraft voran. „Mehr als die Hälfte des aufbereiteten Wassers verbleibt im Main-Kinzig-Kreis und der Stadt Hanau. Damit sichern wir nicht nur den Wohlstand unserer Region und ihre Menschen ab. Wir stellen uns proaktiv den wachsenden Herausforderungen entgegen, die der Klimawandel mit sich bringt, und schonen unsere Ressourcen.“

Längere Trockenphasen, weniger Regen, dafür mehr Unwetter mit Starkregen führen dazu, dass selbst in der wasserreichen Region zwischen Spessart und Vogelsberg die Grundwasserspiegel strapaziert werden. Mit Hilfe der Aufbereitung von Oberflächenwasser, das sonst einfach abfließen würde, kann zumindest in der kälteren Jahreszeit die Grundwasserförderung gedrosselt werden, sodass sich die Reservoirs besser erholen können. „In den Monaten von November bis März haben wir immer sehr hohe Zuflüsse, während im Sommer weniger Wasser vorhanden ist. Wir wollen den Speicher der Talsperre mit der Anlage aktiver Nutzen“, führte Dr. Kaj Lippert, Experte von Björnsen Beratende Ingenieure, an und ergänzte: „Wasserwerke sind eigentlich nicht auf Spitzenlasten, sondern auf eine kontinuierliche Benutzung ausgelegt.“

Im Wasserverband Kinzig sind die Mitglieder Stadt Frankfurt am Main (77,9 Prozent-Anteil), die Stadt Hanau (11,8 Prozent-Anteil) und der Main-Kinzig-Kreis (10,3 Prozent-Anteil) vertreten. Der WVK betreibt darüber hinaus die Talsperre am Kinzigstausee zum Hochwasserschutz und fördert über seine Brunnen jährlich bis zu 4,5 Millionen Kubikmeter Grundwasser. Bei der Trinkwasserversorgung kommt mit der Oberflächenwasseraufbereitung künftig eine weitere starke Säule hinzu.

Geschäftsführer Scheffler stellte weiter heraus, dass für die Erzielung höchster Trinkwasserqualität für die Menschen in unserer Region keine Kosten und Mühen gescheut werden. Für das neue Wasserwerk werden rund 70 Millionen Euro investiert. „Das Wasser aus dem Stausee hat eine sehr hohe Ausgangsqualität – das haben unsere Tests in der Vergangenheit bewiesen. Mit Hilfe feinster Filter- und Membrantechnik machen wir daraus bestes Trinkwasser. Gemischt mit dem aufbereiteten Wasser aus den Brunnen stellen wir es dann unseren Mitgliedern zur Verfügung.“ Er fügte aber an, dass sich diese Zahl aufgrund des volatilen Marktes noch verändern könnte.

Neun Jahre nach Beginn der Pilotphase stellt die Einreichung der Planunterlagen für den Verband und seine Mitglieder einen wichtigen Meilenstein dar. Zwischenzeitlich war das Vorhaben vom Land Hessen zum Leuchtturmprojekt erhoben und mit 230.000 Euro gefördert worden. Hessenweit gibt es bislang keine Oberflächenwasserförderung und -aufbereitung dieser Größenordnung aus einer Talsperre – weder hinsichtlich der Mengen noch der technischen Verfahrensreife.