Die deutsche Bevölkerung sei generell „urlaubsfreudig“, erzählt Frank Happ, Geschäftsführer vom Reisebüro Happ mit Hauptsitz in Flieden. Für Reisen werde immer gerne Geld ausgegeben, das sei an den hohen Buchungszahlen der Kundschaft im Frühjahr wieder bemerkbar: „Ein sehr gutes Niveau, wir sind zufrieden.“ Als das „Reiseziel Nummer eins“ nennt er Ausflüge in Deutschland. Vom Strand der Nord- und Ostsee über die Seenlandschaften in vielen Regionen bis zu den Alpen gebe es viele Möglichkeiten, die freie Zeit zu genießen. Dabei stehe nicht immer nur Erholung als einziges Ziel im Vordergrund, so der Geschäftsführer: „Es gibt die Tendenz, etwas aktiver Urlaub zu machen.“ Das Reisebüro Happ organisiere beispielsweise Rad- und E-Bike-Reisen, die sehr gefragt seien. Das reiche von Tagesfahrten für Einsteiger bis zu mehrtägigen Fahrten in Gruppen. Ähnlich beliebt seien Busreisen innerhalb Deutschlands sowie nach Italien oder in die Dolomiten. „Es geht wieder zu den längeren Reisen“, gibt Happ an. Wer wolle, könne im Bus einige Orte in Großbritannien oder Skandinavien entdecken.
Neben diesem Trend gebe es natürlich noch die „typischen Badeurlauber“, führt der Geschäftsführer weiter aus. Bei Flugreisen würden sich viele für Ziele wie Mallorca, das spanische Festland, die Türkei oder die griechischen Inseln wie Rhodos, Kreta oder Korfu interessieren. Nach einem merklichen Rückgang während der Pandemie würden auch Fernreisen wieder immer beliebter, sagt er: „Vor allem südostasiatisch, Nach Thailand, Sri Lanka oder die Malediven.“ Weitere Trend-Destinationen seien Urlaube in den arabischen Emiraten, Mittelamerika sowie Süd- und Ostafrika. „Am meisten boomen Kreuzfahrten“, stellt Happ fest. Gerade auf den neuen modernen Schiffen gebe es ein buntes Unterhaltungsprogramm: „Die bieten viel mehr Abwechslung als ein Hotel.“ Während beispielsweise Paare sich im Wellness-Bereich entspannen könnten, gebe es für Kinder Unterhaltungs- und Betreuungsangebote: „Da bleiben keine Wünsche offen.“
Von einem „sehr starken Reisejahr“ berichtet auch Aicha Ayada, Reiseexpertin im Tui Büro in Fulda: „Es gibt immer mehr Fernweh.“ Wohin es die Menschen aus Osthessen ziehe, sei dabei jedoch sehr unterschiedlich. Neben Urlaubsklassikern wie dem spanischen Festland oder den griechischen Inseln seien auch weiter entfernte Ziele wie die USA, Mauritius, Thailand oder die Malediven sehr hoch im Kurs. Dabei würden die Kundinnen und Kunden gern ungewöhnlicheres ausprobieren: „Sie suchen nach etwas Einzigartigem.“ All Inclusive sei bei einigen weniger gefragt, stattdessen werde gerne mit dem Mietwagen eine Region erkundet oder auch vor Ort die Kulinarik entdeckt. Wieder andere würden Rundreisen unternehmen, etwa in Thailand, um dort unter anderem in Nationalparks Elefanten aus nächster Nähe bewundern zu können. Für Familien hingegen bleibe der Club-Urlaub mit „Rundum-Sorglos-Paket“ beliebt: „Mit Aquagymnastik und Wasserski“. Die Reiseexpertin empfiehlt für den ausgefalleneren Urlaub Aktionen beispielsweise Aktionen wie „Inselhüpfen“ in Griechenland, also die Reise zwischen mehreren Inseln in der Ägäis.
Beim Reisebüro Gutermuth in Fulda ist die Urlaubs-Begeisterung der Osthessen ebenfalls spürbar, teilt Inhaber Ralf Seidel mit. Für den Sommer und Herbst gebe es schon eine große Menge an Buchungen: „Da sind die Frühbucherrabatte am höchsten.“ Neben Kreuzfahrtreisen seien vor allem Ziele am Mittelmeer wie Spanien, Griechenland oder Türkei gefragt: „Wir merken, die Kunden sind sehr klassisch unterwegs.“ Das bedeute aber nicht, dass es die ein oder andere Person nicht in die Ferne ziehe, beispielsweise nach Vietnam, Mexiko oder Costa Rica. Wie die Auszeit im Ausland gestaltet werde, sei sehr typabhängig, stellt Seidel fest. Für einige ständen Rundreisen und Aktivitäten im Vordergrund, bei Flügen in die Karibik sei dagegen eher der Badeurlaub beliebter. Bei den näheren Reisezielen ständen Nord- und Ostsee weiterhin im Trend, ergänzt der Inhaber. Er empfiehlt für Menschen, die nach mehr Aktivität während ihrer Reise suchen, Barcelona oder Ibiza.
Der Wunsch in die Ferne sei „definitiv vorhanden“, erklärt Tanja Fritz, Büroleitung von Merican Reisen in Fulda. Sie gibt an, dass manche ihren Urlaub aufgrund gestiegener Kosten etwas kürzer als noch vor ein paar Jahren gestalten würden, aber definitiv nicht darauf verzichten wollen. Generell werde mehr auf ein hochwertiges Erlebnis geachtet, etwa bei Kreuzfahrten in die Karibik oder Inselerkundungen in Thailand: „Die Menschen wollen in kürzester Zeit viel sehen, gut essen und zusammensitzen.“ Gerade Kreuzfahrten würden im Trend liegen, die Nachfrage sei groß. Auch die Zahl der „Aktivurlaube“ nehme eher zu, bei denen Leute Kajak Fahrten, Taucherlebnisse oder Übernachtungen in Lodges direkt mitplanen würden. Für Familien gehe dennoch nichts über die klassischen Urlaubsziele Spanien, Griechenland oder die Türkei. Ihre Kollegin Martha Gärtner bestätigt die Entwicklung: „Es ist viel individueller, die Menschen wollen mehr sehen und erleben.“ Als Tipp für den Sommer nennt sie die Azoren-Inseln.
