„Als positive Entwicklung sehe ich ganz klar den digitalen Fortschritt. Seit der Corona Pandemie arbeiten wir an der Rabanus-Maurus-Schule viel mit Tablets und dem Online-Portal Moodle, das erleichtert den Online Unterricht wirklich sehr“, berichtete der Stadtschulsprecher Sebastian Beck zu Beginn, gab im Folgenden allerdings auch zu bedenken, dass die Nutzung von Tablets an seiner Schule in den jüngeren Stufen kritisch betrachtet werde. Die Vorsitzende des Stadtelternbeirats, Claudia Beck, sieht die Nutzung von Tablets aus einem anderen Grund kritisch: „Nicht jede Familie kann sich ein Gerät leisten. Während Corona gab es die Möglichkeit, sich ein Gerät auszuleihen, allerdings war dies auch mit bürokratischen Aufwand verbunden.“ Eine positive Entwicklung sei für sie die Einführung der UBUS-Kräfte: diese sind sozialpädagogische Fachkräfte, die unterrichtsbegleitende Unterstützung liefern. „Leider habe ich das Gefühl, dass diese vor allem von den Eltern nicht wahrgenommen werden“, kritisierte die Stadtelternbeiratsvorsitzende.
Cathleen Kress-Herget ist eine solche UBUS-Kraft an der Konrad-Adenauer-Schule und stimmte Beck zu: „Es gibt bis jetzt nur ganz wenige UBUS-Kräfte im Landkreis und dieses Angebot ist vielen noch nicht bekannt. Ich denke, dass der Bedarf wesentlich höher wäre, vor allem an den Gymnasien.“ Neben den UBUS-Kräften seien für Cornelia Barby, Vorsitzende des Gesamtpersonalrates Schule, auch die Einsetzung von Schulpsychologen ein Schritt in die richtige Richtung: „Die Schulpsychologen sind in den letzten Jahren auch mehr geworden. Die wenigen, die es in Fulda gibt, haben allerdings Aufgaben im hohen Maß zu bewältigen und das ist einfach nicht umsetzbar.“ Ein weiterer Fortschritt sei außerdem der Gedanke der Ganztagsbetreuung, der immer mehr diskutiert werde. „Worüber man natürlich auch sprechen muss, ist der Lehrkräfte-Mangel. Die Gesundheit der Lehrkräfte wird dadurch wirklich mit Füßen getreten.“ Für Nina Heidt-Sommer, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Hessen und stellvertretene Vorsitzende der Landtagsfraktion, werde die Arbeitsbelastung für Lehrer auch durch die ungleichen Bildungschancen verstärkt: „Ich war lange Lehrerin an einer Grundschule in Gießen und die Arbeitsbelastung ist vor allem an Schulen mit hoher Heterogenität gestiegen. Die Lehrer müssen viel mehr Inklusion und Betreuung leisten.“
Dieser Punkt führte die Diskussionsgäste zu einer weiteren Baustelle: der Ausbau der Ganztagsbetreuung. „Ich habe mich sehr intensiv mit diesem Thema beschäftigt und es wurde auch schon viel investiert. Die Ganztagsbetreuung wäre die Chance, das Schulsystem aufzubrechen und neue Wege zu gehen.“, äußerte Claudia Beck und führte im Folgenden ein konkretes Beispiel an: „Hausaufgaben könnten beispielsweise abgeschafft werden, um stattdessen die individuelle Betreuung zu fördern. Das wäre für die Schüler mit Migrationshintergrund gut und führt zu mehr Chancengleichheit.“ Das Problem dabei: Individualität sei nicht gewünscht. „Der Mut zu Positionierung und Aufbruch fehlt einfach“, stimmte auch die stellvertretene Vorsitzende der Landtagsfraktion zu.
