Die Pokrzewinski Familienstiftung war für das Projekt bis zum Insolvenzverfahren zuständig gewesen. Schon während des Einzugs der ersten Bewohner im Seniorenzentrum hatte es bauliche Mängel gegeben, die von der Familienstiftung aber nicht angegangen wurden. Dazu gehörten unter anderem ein nicht funktionierender Aufzug und nicht fertiggestellte Baustellen. Mittlerweile ist die Kanzlei Brinkmann und Partner aus Frankfurt als Insolvenzverwaltung zuständig.
Über die aktuelle Situation vor Ort ist der Mieterbund Fulda informiert worden. Berater Lutz Köhler war im Februar vor Ort gewesen und konnte einige wesentliche Mängel feststellen, die sich im Zugangsbereich beziehungsweise dem Treppenhaus zu den jeweiligen Wohnungen befanden. „Die Problematik bestand darin, dass teilweise im Eingangsbereich nur der blanke Estrichboden vorhanden war, sodass der Boden sehr uneben war. Es gab darüber hinaus Treppen, die lediglich eingeschalt ohne das weitere Auflagen vorhanden waren“, teilt Köhler auf Nachfrage an den Mieterbund Fulda mit. Es hätten auch im Hinblick darauf, dass es sich um behindertengerechte Wohnungen handelt, entsprechende „Anti-Rutsch-Beläge“ gefehlt. Der Berater beschreibt das im Treppenhaus angebrachte Geländer als ein „absolutes Provisorium“, welches lediglich aus Bauholz gezimmert worden sei: „Als Handlauf diente dieses sicherlich nicht, da eine Verletzungsgefahr (Spreiselbildung) bestand.“ Der Bodenbelag vom Treppenhaus zum Wohngebäude bestehe aus blankem Estrichboden, wodurch der Bereich sehr witterungsanfällig sei: „Sodass diesbezüglich festzustellen war, dass teilweise eben Feuchtigkeit auf dem Estrichboden gefroren war. Im Hinblick darauf, dass sich in dem Objekt vor allem ältere und gehbehinderte Menschen aufhalten, stellte dieses eine weitere erhebliche Gefahrenquelle dar.“
Köhler verweist außerdem auf die zu dem Wohngebäude führenden Türen. Diese seien „derart schwergängig, dass diese für Leute mit Gehbehinderung, die über eine Gehhilfe oder Rollator verfügen und auf diesen angewiesen sind, nicht ohne weiteres geöffnet werden konnten.“ Diese aufgeführten Mängel würden insbesondere für pflegebedürftige Menschen ein Risiko darstellen. Übrige Mängel, welche gegebenenfalls in den Wohnungen vorlagen, seien im Regelfall nicht besonders schwerwiegend gewesen. Köhler erläutert, dass der Mieterbund eine beratende Funktion habe. Entsprechend sei ein Schreiben für die Bewohner verfasst worden. Er ergänzt: „Zukünftige Maßnahmen sind vom Mieterbund Fulda grundsätzlich nicht geplant, da wir im Rahmen der Beratung darauf angewiesen sind, dass die Mitglieder uns gegebenenfalls erneut kontaktieren.“
Bürgermeister Claus-Dieter Vogler berichtet, dass die Insolvenzverwaltung aktuell große Anstrengungen unternehme, um eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden. Dazu gehöre unter anderem die Suche nach einem Investor, welcher das Projekt fertigstellen könne. Vogler rechnet mit einer Entscheidung „bis Mitte des Jahres“ und zeigt sich allgemein optimistisch: „Wir freuen uns, dass Bewegung reinkommt.“ Unter anderem hatte es in den vergangenen Tagen ein Gespräch mit den Vertretern der Insolvenzverwaltung, den Mietern und dem Bürgermeister über die aktuelle Situation gegeben, bestätigt Vogler. Über die Details, was besprochen wurde, will er sich jedoch nicht äußern. Mit Blick auf die bekannten Mängel macht der Rathauschef deutlich, dass diese schon zur Zeit der Familienstiftung bekannt gewesen seien. Für die Anwohner habe sich jedoch nichts geändert: „Das finde ich bedauerlich.“
Aus persönlichen Gesprächen mit den Seniorinnen und Senioren im Pflegezentrum teilt Vogler mit, dass die Anlage abseits der Mängel eigentlich positiv bewertet werde: „Die wohnen sehr gerne da oben, die Wohnungen sind grundsätzlich ansprechend.“ Gelobt werden beispielsweise die fußläufig erreichbaren Einkaufsmöglichkeiten und die gute Anbindung, was insgesamt für eine „große Zufriedenheit“ sorge. Umso wichtiger sei es daher, die bestehenden Mängel schnellstmöglich zu beheben, so der Rathauschef.
