Führung Wolfhagen, postwendender Ausgleich, und direkt wieder der Rückstand – die Phase etwa eine Viertelstunde nach dem Seitenwechsel kannte keine Ruhepause. Und dann lief der HSV dem 1:2 schließlich die letzte halbe Stunde hinterher. In Unterzahl, denn Aaron Gadermann hatte direkt vor der Halbzeit nach zwei gelbwürdigen Fouls Gelb-Rot gesehen. „Kann man so geben“, sagte Trainer Johannes Helmke zum Knackpunkt der Partie. Womöglich wäre es mit Fingerspitzengefühl auch keine Ampelkarte gewesen, diskussionswürdig war es aber auch nicht unbedingt.
In einem flotten Duell, in dem nicht immer zu sehen war, dass der HSV als tabellarisches Top Fünf-Team gegen den Drittletzten Wolfhagen spielt, erarbeiteten sich die Gastgeber nach und nach spielerische Vorteile auf dem Kunstrasenplatz. Maximilian Fröhlich hatte früh die erste Chance per Kopf vergeben, die zweite von Marcel Trägler nach einer knappen Viertelstunde war schon etwas besser. Trägler war mit Yunus Emre Kocak neu in die Startelf gerückt, Letzterer musste aber Mitte der ersten Halbzeit angeschlagen wieder runter. Die Chancen wurden dennoch besser, der Druck wurde größer, doch das Tor wollte nicht fallen. Kurz vor der Pause kassierte der HSV dann sogar noch einen weiteren personellen Rückschlag: Gadermann, der zehn Minuten vorher taktisch foulte, sah in der Nachspielzeit seine zweite Gelbe. „Die erste halbe Stunde war gut gegen den erwartet tiefstehenden Gegner. Es war viel Personal im Strafraum, aber über die Außen haben wir gut kombiniert. Nur das Tor hat gefehlt. Vor dem Platzverweis ging es dann aber los mit ein paar Fehlpässen und Fehlern im Spielaufbau“, so Helmke.
Nach dem Seitenwechsel vertraute der HSV-Coach zunächst den zehn Mann, die noch am Feld standen, und wechselte nicht, stellte aber auf Viererkette um. Maxi Fröhlich verpasste vorne sein Tor, dann war Rolf Sattorov zur Stelle und traf mit links sehenswert ins Eck (56.). Den Hünfelder gelang die richtige Reaktion, nach Krieger-Flanke war womöglich Trägler noch dran – der Ball war so oder so aber drin. Doch mit dem Ausgleich kam keine Ruhe rein, weil Wolfhagen direkt wieder antwortete; diesmal traf mit Tjarde Bandowski der zweite Offensiv-Akteur, vor dem Helmke im Vorfeld gewarnt hatte. Alle Bemühungen sollten sich dann aber nicht mehr auszahlen, das Risiko wurde erhöht, in den Schlussminuten machte ein starker FSV Wolfhagen, der im Abstiegskampf seine Karten deutlich verbesserte, dann per Doppelschlag den Sack endgültig zu.
„Es ist nicht unmöglich, die Unterzahl als Mannschaft aufzufangen. Aber heute haben wir es leider nicht geschafft“, bedauerte Helmke und hatte etwas Mentalität am Platz vermisst, die in der Vorwoche noch zu sehen war.
Ein starkes Zeichen setzten beide Teams vor dem Anpfiff: Die zuletzt gestartete, sogenannte Schnürsenkel-Kampagne wurde auch in Hünfeld hervorgehoben. Ziel ist es, ein Bewusstsein für Antisemitismus im Sport zu schaffen und mit dem Tragen der orangefarbenen Kampagnen-Schnürsenkel klar Position dagegen zu beziehen.
Hünfeld: Maul; Witte (79. Simon), Zöll, Dücker, Vogler (80. Häuser), Fröhlich, Krieger, Kocak (25. Zentgraf), Gadermann, Müller (72. Hussain), Trägler (60. Bevz)
Wolfhagen: Christof; Salzmann (66. Herting), Garwardt, M. Bandowski, Deiß, Sattorov (80. Knatz), T. Bandowski, Sierra Galeas (90.+1 Anic), Taege (58. Degenhardt), Schmincke, Babic (90.+1 Jagelski).
Schiedsrichter: Alexander Hauser (Waldbrunn)
Tore: 0:1 Rolf Sattorov (56.), 1:1 Marcel Trägler (58.), 1:2 Tjarde Bandowski (60.), 1:3 Julius Knatz (88.), 1:4 Tjarde Bandowski (90.)
Zuschauer: 200
Gelb-Rote Karte: Aaron Gadermann (Hünfeld, 45.+2)
