In der Fuldaer Innenstadt war es vor genau fünf Jahren außergewöhnlich still. Vom Bahnhof über den Universitätsplatz bis zur Friedrichstraße und am Buttermarkt waren kaum Menschen anzutreffen. An vielen Geschäftstüren hingen Zettel mit letzten Nachrichten an die Kundschaft: „Bleiben sie gesund“. Ausgenomen von den Schließungen in Hessen waren lediglich Lebensmittel- und Getränkemärkte, Drogerien, Sanitätshäuser, Apotheken, Tankstellen, Banken sowie Gartenmärkte und noch für eine Woche die Friseure. Bei Bars, Clubs, Theatern, Museen sowie Sportstätten musste der Publikumsverkehr draußen bleiben.
Für den Einzelhandel bedeutete der Lockdown zunächst einen kompletten Stopp. Nur ausgewählte Märkte durften geöffnet bleiben. Hans-Jürgen Müller, Mitinhaber des Elektro-Fachmarkts Euronics XXL EFM in Fulda, spricht von einem Moment der Panik zu Beginn. Lediglich die Abteilungsleiter seien abwechselnd im Geschäft gewesen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten: „Die anderen Mitarbeiter waren zu Hause.“ Rückblickend sieht Müller einige Entscheidungen für den Einzelhandel kritisch: „Der Ärger war groß, dass andere aufmachen durften.“ So hätten beispielsweise Baumärkte und Discounter, die weiterhin geöffnet hatten, technische Geräte verkaufen dürfen. Andere Maßnahmen seien „undurchsichtig und nicht gut kommuniziert“ worden. Der Mitinhaber und das Team hätten dennoch weitergemacht: „Wir haben uns einiges einfallen lassen.“ Neben der Auslieferung und verschiedenen Abholangeboten sei auch das Online-Geschäft im Zuge des Lockdowns stark ausgebaut worden.
Für Schülerinnen und Schüler war der erste Lockdown ein „einschneidendes Ergebnis“, erklärt Dr. Ulf Brüdigam, Schulleiter an der Freiherr-vom-Stein-Schule in Fulda: „Die Tragweite war nicht in vollem Umfang deutlich.“ Es habe nur wenig Zeit für die Vorbereitung gegeben: „Wir haben versucht, die beste Lösung zu finden.“ Das gelte speziell für das schriftliche Abitur, welches trotz der Herausforderungen durchgefühlt werden konnte. Brüdigam lobt den großen Einsatz und das Engagement zahlreicher Lehrkräfte: „Es war ausgesprochen stressig. Jede Regelung war Neuland.“ Und nicht immer seien die Schulen vorab informiert worden. Als positive Entwicklung nennt der Schulleiter den „Digitalisierungsschub für alle Schulen“ im Zuge der Pandemie. Die IT-Infrastruktur allgemein und verschiedene Online-Tools wie etwa Moodle seien in dieser Zeit aufgebaut und stetig verbessert worden.
Mit dem ersten Lockdown wurde auch ein Verbot von Zusammenkünften ausgesprochen, etwa in Kirchen, Moscheen, Synagogen und in Räumen anderer Glaubensgemeinschaften. Fuldas Stadtpfarrer Stefan Buß berichtet, dass die Stadtpfarrei damals vieles versucht habe, um den Menschen dennoch Trost und Beistand zu spenden. Unter anderem seien so die „Impulse am Morgen“ entstanden, welche am Telefon abgerufen werden können. Die Seniorinnen und Senioren, die keine Smartphones oder internetfähige Geräte nutzen, seien über die Post vom Angebot informiert worden, gibt der Stadtpfarrer an. Das sei aber nicht alles gewesen: „Wir haben gleich am ersten Sonntag den Gottesdienst gestreamt.“ Wie er erläutert, habe es das Angebot bereits im Vorfeld für Altenheime gegeben. Dieses sei im Zuge der Pandemie dann ausgebaut worden.
Neben der Arbeit in der Pfarrei war Buß ebenfalls für eine Zeit als Klinik-Pfarrer auf einer Covid-Station in Fulda aktiv gewesen. „Es war schon dramatisch“, erinnert er sich zurück. Gerade nach den Bildern über die verheerenden Zustände in Italien habe es immer eine unterschwellige Angst gegeben, dass dies auch in Deutschland passieren könne. Der Stadtpfarrer meint, dass er viele Gespräche mit Covid-Patienten und deren Angehörigen in dieser Zeit geführt habe, mit diversen Schutzmaßnahmen und hinter Plexiglas-Wänden. Dennoch seien einige enge Kontakte in dieser Zeit entstanden: „Ich bin mit ihnen heute noch in Verbindung.“
