Die schwierigen Marktbedingungen spiegelten sich im Auftragseingang wider: im Berichtszeitraum belief sich dieser auf 767,9 Millionen Euro (Vorjahr: 861,9 Millionen). Die Konzern-Umsatzerlöse liegen mit 822,0 Millionen Euro um 2,6 Prozent unter dem Vorjahresumsatz von 844,3 Millionen Euro. Die Segmente Vehicle Engineering und Electrics/Electronics konnten das Wachstum der vergangenen Jahre aufgrund der Marktlage nicht fortsetzen. Der Umsatz unseres größten Segments Vehicle Engineering ging um 2,3 Prozent zurück, im Segment Electric/Electronics um 9,2 Prozent. Production Solutions konnte den Wachstumspfad durch Diversifizierung in andere Branchen weiter fortsetzen und den Umsatz um 16,0 Prozent steigern.
Das bereinigte Konzern-EBIT liegt bei 31,1 Millionen Euro (Vorjahr: 52,6 Millionen). Dies entspricht einer bereinigten EBIT-Marge von 3,8 Prozent (Vorjahr: 6,2 Prozent). Im EBIT von -3,4 Millionen Euro (Vorjahr: 53,9 Millionen) sind Restrukturierungsmaßnahmen in Höhe von 34,5 Millionen Euro enthalten. Aus demselben Grund sowie höheren Finanzierungsaufwendungen liegt das Ergebnis nach Steuern im Geschäftsjahr 2024 mit -14,4 Millionen Euro unter dem Vorjahresergebnis von 28,9 Millionen Euro. Die eingeleitete Restrukturierung dient der kurzfristigen Optimierung der Kostenstruktur und der Verbesserung der zukünftigen Performance.
Der Free Cash-Flow stieg signifikant an und lag auf Jahressicht bei 70,1 Millionen Euro (Vorjahr: 10,9). Zum 31. Dezember 2024 beschäftigte die EDAG Group weltweit 9133 Mitarbeitende (Vorjahr: 8880 Mitarbeitende).
Die Automobilindustrie – weiterhin das Herzstück von EDAG – stehe vor tiefgreifenden Veränderungen. „Um unsere Kunden in diesen dynamischen Zeiten bestmöglich zu unterstützen, treiben wir bei der EDAG Innovationen und Effizienzsteigerung mit zukunftsweisenden Technologien konsequent voran. Besonders bei der Verkürzung von Entwicklungszeiten haben wir gezeigt, welches Potenzial in der optimalen Verzahnung von virtuellen Entwicklungstools und KI-basierten Entwicklungswerkzeugen steckt“, erläutert CEO Harald Keller.
„Im Geschäftsjahr 2024 hat die EDAG Group ihre strategische und operative Ausrichtung an die Herausforderungen des Marktes angepasst. Ziel ist es, mittelfristig wieder EBIT-Margen in einer Bandbreite von fünf bis acht Prozent zu erwirtschaften“, stellt CFO Holger Merz in Aussicht. „Hierzu tragen auf der Kostenseite unser Global Delivery Ansatz, das heißt der weitere Ausbau unserer Ressourcen in Best-Cost-Countries und auf der Umsatzseite die Stärkung weiterer Industriezweige wie Halbleiter, Chemie, Defence und Medical Devices bei.“
Testzentrum und Smart Industry Summit in Fulda
Mit Blick auf den Standort Fulda blickten die Verantwortlichen unter anderem auf das EDAG Smart Industry Summit im September zurück: Die Inhouse-Veranstaltung bot eine „sehr gute Plattform“ für Führungs- und Fachkräfte aus unterschiedlichsten Branchen, die sich an Infoständen, mit Vorträgen oder durch Podiumsdiskussionen über das eigene Fachgebiet hinaus informieren und austauschen konnten, so Harald Keller. Das EMV-Kompetenz-Zentrum ist bereits im Juli 2024 in Fulda eröffnet worden. Dort werden Testungen auf elektro-magnetische Kompatibilität von Produkten durchgeführt. „Kunden aus Medizintechnik, Landwirtschaft, Bau und weiteren Branchen profitieren davon“, so Keller weiter, der außerdem das Zero Prototype Lab der EDAG in Wolfsburg hervorhob. Dies wurde ebenfalls 2024 eröffnet und bietet realitätsnahe Fahrzeugsimulationen. „Faszinierend“, fand auch der CEO nach Selbsttestung im in Europa einzigartigen Simulator. Ebenfalls neu in Wolfsburg wurde ein Lichtlabor geschaffen, was auch zu den größten Investitionen des Jahres gehörte.
Finanzzahlen: Zurückhaltung am Markt
CFO Holger Merz ging in der Bilanzpressekonferenz nochmal näher auf die Geschäftszahlen ein und begründete das verlangsamte Wachstum in vielen Bereichen auch mit der unsicheren politischen Lage. In „schwierigen Zeiten“ stieg die Mitarbeiterzahl an, auch im Bereich Production Solutions gingen die Zahlen nach oben, jedoch weiterhin verhalten. „Man wartet auf eine Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen“, schilderte er. Als Gesamtkonzern ging der Umsatz von EDAG im Vergleich zu 2023 zurück, „mit 822 Millionen Euro lagen wir am unteren Ende der Prognose, die wir im November angepasst haben“.
Herausforderungen warten
Die EDAG Group erwartet für das Geschäftsjahr 2025 weitere Herausforderungen, die sich auch in der Ergebnisentwicklung widerspiegeln werden. Deswegen wird von einem Rückgang der Umsätze sowie des bereinigten EBIT in der ersten Hälfte des Jahres 2025 ausgegangen. Erst in der zweiten Jahreshälfte wird eine zunehmende Erholung des Marktes erwartet.
„Die Prognose ist neben den Chancen auch mit Risiken verbunden, die sich vor allem durch die weitergehenden Marktdynamiken und geopolitische Unsicherheiten für unsere Kunden und daraus abgeleitet für uns ergeben“, so das Unternehmen: Für den Umsatz werde ein Rückgang von bis zu rund acht Prozent erwartet. Die bereinigte EBIT-Marge wird auf einem positiven Ergebnisniveau bis rund drei Prozent prognostiziert. Die Investitionsquote wird in einer Bandbreite von rund drei Prozent erwartet.
Vor dem Hintergrund der nach wie vor vorhandenen Unsicherheiten im Automotive-Umfeld wird der Verwaltungsrat der Generalversammlung am 25. Juni 2025 vorschlagen, für das Jahr 2024 auf die Auszahlung einer Dividende zu verzichten.
Ausgewählte Finanzkennzahlen zum Geschäftsjahr 2024
(in Mio. Euro) | 2024 | 2023 |
Konzernumsatz | 822,0 | 844,3 |
Vehicle Engineering | 473,9 | 484,9 |
Electrics/Electronics | 238,2 | 262,4 |
Production Solutions | 132,2 | 114,0 |
Bereinigtes Konzern-EBIT | 31,1 | 52,6 |
Vehicle Engineering | 24,0 | 34,7 |
Electrics/Electronics | 1,6 | 15,3 |
Production Solutions | 5,5 | 2,6 |
Jahresüberschuss | -14,4 | 28,9 |
Trade Working Capital | 93,5 | 139,2 |
CapEx | 22,9 | 30,2 |
Free Cash-Flow | 70,1 | 10,9 |
Netto-Finanzverschuldung/-guthaben [-/+] (ohne Leasing) | -33,2 | -52,1 |
