Lokales FD 12.03.2025

Der nächste Skilift vor der Schließung? – Kein einziger Betriebstag

Osthessen (fp) – Für die Betreiber der Skilifte in der Rhön war der Winter mehr als mager: Die meisten verzeichneten aufgrund des wenigen Schnees keinen einzigen Betriebstag. Nur auf der Wasserkuppe konnte überhaupt Ski gefahren werden, weil dort künstlich beschneit wurde. Die Betreiber versuchen jetzt, alternative Angebote zu schaffen.

Nur auf der Wasserkuppe konnte wirklich Ski gefahren werden. Foto: Justin Klenner

Nur auf der Wasserkuppe konnte wirklich Ski gefahren werden. Foto: Christine Görlich

Mit 74 Betriebstagen war die Saison für Florian Heitmann, Betriebsleiter der Ski- und Rodelarena Wasserkuppe, eigentlich überdurchschnittlich erfolgreich, erklärt er: „Im Durchschnitt haben wir so 60 Betriebstage. Im vergangenen Jahr waren es nur 42.“ Doch aufgrund des wenigen Schnees in diesem Winter, musste dort ausschließlich auf Kunstschnee gesetzt werden. Dies sei zwar sehr kostenintensiv, gleichzeitig aber die einzige Möglichkeit für einen Betrieb gewesen, berichtet Heitmann: „Es war einfach sehr niederschlagsarm dieses Jahr.“

Anders sieht es in den tieferen Lagen der Rhön aus. Beispielsweise bei Harald Jörges, Betreiber des Skilifts am Zuckerfeld. Nur etwa zehn Tage lief der Lift dort. „Soweit ich weiß, war das einer der schneeärmsten Winter seit Beginn der Aufzeichnung“, berichtet Jörges verdrossen: „Der Naturschnee fehlt hier grundsätzlich.“ Diese Entwicklung sei sehr frustrierend für ihn, da er so auf hohen Kosten sitzen bleiben würde. Gerade die Instandhaltung des Lifts sei mit einigen Investitionen verbunden, die für einen Familienbetrieb schwer zu stemmen seien. „Es gibt immer irgendwelche Anschaffungen“, sagt er und ergänzt: „Durch Stillstand wird das auch nicht besser.“ Zwar wolle er den Skilift auch in Zukunft betreiben, müsse sich aber auf Umstelllungen vorbereiten. Er denke darüber nach, das Angebot am Zuckerfeld zu reduzieren, um Kosten einzusparen. „Wir müssen schauen, wie wir weitermachen. Aber es gibt ja keine andere Möglichkeit: Hoffen oder Zumachen“, hebt er hervor: „Aber wir geben die Hoffnung nicht auf.“

Am Simmelsberg fiel hingegen die Skisaison komplett aus. „Wir hatten keinen einzigen Skitag“, berichtet Patrick Rother, Erster Vorsitzender des Ski-Clubs Hanau, der auch den Skilift am Simmelsberg betreibt. Zwar sei dort Schnee gefallen, aber nie so viel, dass es für einen tatsächlichen Skibetrieb ausgereicht hätte, fügt er an: „Wir gehen aus der Saison mit Defiziten raus“. Eine künstliche Beschneiung durch Schneekanonen sei aus Kostengründen und wegen der natürlichen Umstände vor Ort ebenfalls nicht durchführbar gewesen, so der Liftbetreiber: „Uns fehlt einfach das Wasser dazu.“ Es gebe einfach zu wenige Stauseen in der Gegend. Um die anfallenden Kosten zu decken, habe der Verein bereits andere Angebote geschaffen, sagt er weiter: „Wir haben ein Clubhaus aufgemacht.“ Dabei handelt es sich um mietbare Räumlichkeiten für etwa 30 Personen, die für Feiern und andere Veranstaltungen genutzt werden können.

Auch am Kreuzberg standen die Lifte vollständig still. „Wir hatten tatsächlich keinen einzigen Skitag“, meint der Betreiber des dortigen Skiliftbetriebes, Justin Fuß. „Schön ist anders“, fügt der Landschaftspfleger lakonisch hinzu. Anders als in anderen Skigebieten, könne am Kreuzberg auch kein Sommerangebot geschaffen werden, um die ausgefallene Wintersaison auszugleichen, bemerkt er: „Das ist aus naturschutztechnischen Gründen gar kein Thema hier.“ So bleibe dort nur die Hoffnung auf eine bessere Winter-Saison im nächsten Jahr, führt er aus, hebt aber gleichzeitig hervor, dass er optimistisch bleibe: „Mein Vater hat das schon sehr lange gemacht. Da gab es auch immer mal wieder schlechte Jahre. Wir müssen jetzt halt schauen, ob sich der Trend fortsetzt, oder ob es wieder anders wird.“

Deutlich pessimistischer in Bezug auf die Zukunft ist Matthias Adrian, Leiter des Skiliftbetriebs am Arnsberg bei Bischofsheim. „Wenn es nächstes Jahr wieder so einen Totalausfall gibt, müssen wir uns Gedanken machen, ob es überhaupt noch weiter geht bei uns in der Rhön“, prophezeit der Liftbetreiber. Die wirtschaftliche Lage sei dort sogar so schlecht, dass die Betreiberfamilie plane einige nicht essentielle Dinge, wie beispielsweise Schneekanonen, zu verkaufen, um „irgendwie überleben zu können“, berichtet Adrian und ergänzt: „Langfristig wird es nicht so aussehen, dass es irgendwie weitergeht.“ Seit Jahren versuche er als Ausgleich für die schlechten Winter auch ein Sommerangebot zu etablieren, was aber an hohen bürokratischen Hürden gescheitert sei, führt er an. Die Zukunft vieler Skilift-Betriebe ist damit unsicherer denn je.