„Es gibt viele Bilder des Alterns“, so Geiger, der bereits zu Beginn des Abends betonte, dass die Gesellschaft dringend einen neuen Umgang mit dem Alter brauche. Die Perspektive auf das Alter habe sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt. Heute seien ältere Menschen oft vitaler, gesünder und aktiver als noch vor 50 Jahren. Dr. Anna Wanka, Alterssoziologin und wissenschaftliche Nachwuchsgruppenleiterin an der Goethe-Universität Frankfurt, stellte in ihrem Eingangsstatement klar, dass ältere Menschen eine tragende Säule unserer Gesellschaft seien. Dennoch sei diese Tatsache in der jüngeren Generation noch nicht vollständig anerkannt. Der gesellschaftliche Diskurs sei nach wie vor von negativen Stereotypen über ältere Menschen geprägt, die es zu hinterfragen gelte.
Zu Beginn des Abends wurde eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes vorgestellt, die ein besorgniserregendes Bild zeigte: Rund ein Drittel der Befragten ist der Meinung, dass ältere Menschen wichtige berufliche und gesellschaftliche Rollen aufgeben sollten. Besonders in Bezug auf politische Ämter stimmte mehr als die Hälfte dieser Auffassung zu. Zudem äußerten 53 Prozent der Befragten, dass ältere Menschen nicht entscheidend zum gesellschaftlichen Fortschritt beitrügen.
Doch wie können diese negativen Zuschreibungen verändert werden? Wie können ältere Menschen trotz ihres Alters gesund und aktiv bleiben, sowohl beruflich als auch sozial? Und wie wichtig ist das Engagement Älterer für die Demokratie? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion, die von Andreas Ungermann, Redakteur der Fuldaer Zeitung, fachlich fundiert moderiert wurde. Auf dem Podium saßen drei Experten, die ihre unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema darlegten: Yanki Pürsün, Mitglied des Hessischen Landtags, Dr. Andreas Ruffing, im Bistum Fulda zuständig für diakonische Pastoral und Seelsorge in besonderen gesellschaftlichen Herausforderungen, sowie Dr. Anna Wanka.
Die Diskussion verdeutlichte, dass das Bild des „sonnigen Rentnerlebens“ mit Fitness, Sprachkursen und Reisen nur eine Seite des Altwerdens darstellt. Die andere Seite, die gesellschaftliche Realität von Rollatoren, Demenz, Pflegenotstand und Altersarmut, wurde dabei ebenso thematisiert. Die Experten betonten, dass viele der negativen Altersbilder nicht nur als Altersdiskriminierung, sondern auch als konstruierten Generationenkonflikt zu verstehen sind. Themen wie Verteilungsgerechtigkeit, soziale Fragen und der Klimawandel betreffen sowohl junge als auch ältere Menschen und sollten nicht als Gegensätze, sondern als gemeinsame Herausforderungen betrachtet werden.
Dr. Ruffing hob hervor, dass die Kirche eine aktive Rolle dabei spielt, die Themen des Alters und des intergenerationellen Dialogs zu bearbeiten, sowohl in ihrer Bildungsarbeit als auch in der Pfarrgemeinde. Das intergenerationelle Lernen werde zunehmend wichtiger, um das Verständnis zwischen den Generationen zu fördern und eine solidarische Gesellschaft zu schaffen.
Die rund 40 interessierten Zuhörer, die sich in der Katholischen Akademie des Bistums Fulda versammelt hatten, beteiligten sich aktiv an der anschließenden Diskussion. Besonders das Bedürfnis nach mehr Aufklärung und einem besseren Verständnis für die Lebensrealität älterer Menschen wurde deutlich. Auch die Digitalisierung und der Umgang damit wurden als relevantes Thema hervorgehoben. „Ältere Menschen müssen gerade in der Nutzung digitaler Angebote unterstützt werden. Mein Ziel ist, dass alle Seniorinnen und Senioren die Möglichkeit haben, online zu gehen. Da müssen wir ganz klar besser werden. Niemand darf den Anschluss verlieren“, so ein Teilnehmer.
Die Veranstaltung, die in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ausgerichtet wurde, zeigte eindrucksvoll, wie wichtig es ist, das Thema Alter(n) aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und einen respektvollen sowie gerechten Umgang mit älteren Menschen zu fördern. Die Veranstalter hoffen, dass die Impulse dieses Abends in der breiten Gesellschaft Widerhall finden und dazu beitragen, ein neues Bild des Alters zu schaffen – eines, dass die Vielfalt, die Stärke und das Potenzial der älteren Generationen anerkennt und würdigt.
