Lokales VB 18.03.2025

Abwärtstrend bei Eheschließungen – Gemischte Bilanz in Osthessen

Osthessen (pm/as) – „Ja, ich will“ – das sagen in Deutschland immer weniger Menschen. Wie das statistische Bundesamt mitteilt, sinkt die Zahl der verheirateten Menschen in der Bundesrepublik seit Jahren. Auch in Osthessen lässt sich der Trend teilweise bestätigen, wie mehrere Standesämter und Pressestellen mitteilen. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Gerade in den Sommermonaten läuten die Hochzeitsglocken am häufigsten.

Foto: Pascal Fischer

Jede zweite erwachsene Person in Deutschland ist verheiratet, das vermeldete das Statistische Bundesamt im Februar 2025 für das Jahr 2023. Die Zahl würde jedoch kontinuierlich sinken: Vor 30 Jahren beispielsweise wären noch 60 Prozent aller Erwachsenen in einer Ehe gelebt. Der Anteil der Ledigen über 18 Jahren sei im gleichen Zeitraum von 24 auf rund 33 Prozent gestiegen. In Osthessen lässt sich teilweise ebenfalls ein rückläufiger Trend erkennen, was Hochzeiten angeht.

Die Zahl der Eheschließungen im Jahr 2023 ist auch in Fulda gesunken, berichtet Pressesprecher Johannes Heller: „352 Brautpaare haben sich in den verschiedenen historischen Räumen im Stadtschloss das Ja-Wort gegeben. Zudem konnte man während der Landesgartenschau auf dem Skyliner ‚Grüne Aussicht‘ in über 70 Meter Höhe heiraten – ein Jahreshighlight in Fulda, was vereinzelt genutzt wurde.“ Die Zahl der 352 Brautpaare sei tatsächlich der niedrigste Wert in den vergangenen 22 Jahren, stellt Heller fest. Davor habe es auch weit niedrigere Zahlen gegeben. Hierzu merkt er jedoch an, dass die Zahlen nicht unbedingt mit der heutigen Situation vergleichbar seien. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Menschen, die ihren Wohnsitz nicht in Fulda haben, aber in der Barockstadt heiraten möchten, deutlich gestiegen. Für 2024 vermeldet der Pressesprecher 402 Trauungen. Er erläutert, dass für 2023 auch Sondereffekte im Nachgang zur Corona-Krise eine Rolle spielen können. Am liebsten würden sich die Menschen zwischen April bis Oktober sowie im Dezember trauen, gibt Heller an: „Allerdings hat seit der Corona-Krise die Zahl der der Dezember-Hochzeiten beziehungsweise der spontanen Eheschließungen zum Jahresende deutlich abgenommen.“ Gefragt war in 2023 im Frühjahr vor allem ein Datum: Am Donnerstag, den 23. März 2023 wurden acht Ehen geschlossen.

In Hünfeld wurden 2023 noch 60 Ehen geschlossen, berichtet Pressesprecher Helmut Käsmann. Besondere Daten würden dabei nicht hervorstechen: „In den Sommermonaten ist die Nachfrage generell höher, aber es ist auch nicht mehr unbedingt der Mai, wie noch vielleicht vor zehn Jahren.“ 2024 habe es weniger Trauungen gegeben, nämlich nur 53 Mal.

Für das Standesamt in Bad Hersfeld berichtet Leiter Matthias Heyer, dass in 2024 141 Ehen und in 134 Ehen 2023 in der Kreisstadt geschlossen wurden. 2022 seien es 132 Trauungen gewesen, 2021 nur 121 und 2020 insgesamt 143 Trauungen. „Vor fünf Jahren 2019 konnten wir 133 Paare in den Hafen der Ehe begleiten. Dies ist im Übrigen exakt die gleiche Anzahl wie vor zehn Jahren, 2014“, so Heyer weiter. Vor 15 Jahren in 2009 seien 152 Ehen geschlossen worden: „Man sieht, die Zahlen für das Standesamt der Kreisstadt Bad Hersfeld sind weitgehend stabil, lediglich das Corona-Jahr 2021 war etwas schwächer.“ Bezüglich der Termine gibt der Leiter des Standesamts an: „Traditionell sind die klassischen Monate von Mai bis September am stärksten frequentiert. Generell sind die Trauungen an Samstagen sehr häufig nachgefragt und schnell vergeben.“ Im vergangenen Jahr habe es die Besonderheit gegeben, dass im März mehr Trauungen als im Mai und Juni stattfanden. Für besondere Daten habe es dagegen keine größere Nachfrage gegeben.

Das Standesamt in Lauterbach beurkundete in 2023 insgesamt 75 Eheschließungen. Dazu gibt Simone Viehöfer vom Bürgerbüro und Standesamt an: „Damit lagen wir im ungefähren oberen Drittel zu den Jahren davor.“ Im Überblick für die vergangenen zehn Jahre sei 2019 ein Spitzenwert erreicht worden mit 84 Trauungen. 2024 hingegen sei mit nur 60 Trauungen am anderen Ende des Spektrums. Viehöfer erläutert, dass gerade während der Corona-Jahre 2020-2022 die Zahl der Eheschließungen auf einem konstant hohen Level blieb. In dieser Zeit seien verschiedene Schutzmaßnahmen nötig gewesen, etwa das Tragen von Masken bei den Gästen, Plexiglasscheiben auf dem Tisch oder der Nachweis von negativen Coronatests: „Das hat die Hochzeitswilligen also nicht abgeschreckt.“ Zu 2024 gibt Viehöfer an: „Im letzten Jahr lagen wir mit 60 Eheschließungen relativ niedrig, diese Zahl gab es aber auch schon immer mal vereinzelt davor.“ In 2004 oder 2010 beispielsweise habe es jeweils 65 Eheschließungen gegeben.

Bezüglich besonderer Daten erläutert Viehöfer, dass lediglich am 23. März 2023 drei Hochzeiten stattgefunden hätten: „Der Trend zu diesen „Schnapszahl-Daten“ ist erfahrungsgemäß bei unserem Standesamt rückläufig.“ Rund zwei Drittel der Hochzeiten würden in den Sommermonaten von Mai bis Oktober stattfinden: „Sehr gerne werden auch die Samstagstermine für Eheschließungen gebucht.“ In den Sommermonaten biete die Stadt Lauterbach jeweils zwei Samstage für Trauungen an, in den restlichen Monaten nur einen Samstag: „Bis zu vier Paare können sich an einem Samstag das ‚Ja-Wort‘ geben. Diese Samstagstermine werden Ende des Vorjahres auf der Homepage der Stadt Lauterbach veröffentlicht.“