Der Fürstensaal war gefüllt mit interessierten Menschen, die sich über die schöne Geschichte aus dem Debut-Roman freuten. Messner selbst war aufgeregt und überwältigt von der Verleihung und dem großen Saal im Stadtschloss. „Ich habe im Vorfeld gegoogelt, ‚Preisverleihung Vorjahre‘, aber die Realität ist nochmal ganz anders“, erzählte sie verlegen, bevor sie etwa eine halbe Stunde lang Ausschnitte aus ihrem Roman vorlas. In „Wo der Name wohnt“ beschreibt die Autorin die Auswirkungen der NS-Verbrechen in Lettland auf Menschen in Deutschland nach dem Krieg. Mittels der Beziehung zwischen einer Enkelin und ihrer Großmutter zeigt sie auf, wie familiäre Verluste durch Entfremdung sich noch Generationen später auf die Familie auswirken können.
„Ich fühlte mich von dem Roman berührt“, sagte Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld in seiner Begrüßung und lobte, wie Messner „diese feine Gratwanderung der fragilen familiären Beziehung“ darstelle. Zudem legte er auch die Bedeutung des Literaturpreises für die Stadt Fulda dar. Gerade in Zeiten, in denen die Gesellschaft immer anfälliger für Oberflächlichkeiten und Populismus werde, sei die Besinnung auf Kultur eminent, betonte er.
In ihrer Laudatio lobte auch Anna Yeliz Schentke, Mitglied der Jury, die Vorsicht und die Feinfühligkeit der Autorin in der Auseinandersetzung mit der familiären Vergangenheit der Protagonistin des Buches. „Bei Ricarda Messner suchen sich die Worte nicht den Weg, es ist ein Tasten“, sagte sie beeindruckt. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Daniel Nikolas Wirtz (Gitarre), der ein kurzes Eröffnungsstück spielte, und Theo Günther (Posaune), der gemeinsam mit Olga Klüh, alle drei von der Musikschule Fulda, auf beeindruckende Weise das Opus 3/1 von Artur Rubinstein zur Aufführung brachte.
