Die Podiumsdiskussion war Teil der Eröffnungsveranstaltung des Jean Monnet Centre of Excellence „Europe in the World“ (CoE WorldEU), welches von Prof. Dr. Claudia Wiesner, Prodekanin für Forschung und Internationales an der Hochschule Fulda, geleitet wird. Diese stellte am Montag in einem Vortrag die Ziele des CoE vor. Zu Wort kamen außerdem Frederiki Eracleous, Benedetta Favotto und Saodat Gazieva von der Hochschule Fulda als MAHRS Studierende, moderiert von Zhylien Kaja. Als Gastredner hielt Prof. Dr. Risse unter dem Titel „Is the US on the Derive towards autocracy? Lessons from the controversy Harvard vs. Goverment“ eine spannende Keynote über die Entwicklung. Im Anschluss folgte ein Podiumsgespräch zwischen Prof. Dr. Matthias Klemm (Hochschule Fulda), Christina Fischer (Hochschule Fulda), Dr. Rainer Gruhlich (Leiter des Referates Internationale Angelegenheiten im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur) und Prof. Dr. Risse. Moderiert wurde das Gespräch von Prof. Dr. Wiesner.
Das neue Förderformat Coe WorldEU setze den Fokus auf Werte und Ideen wie Freiheit und Demokratie, die in den europäischen Ländern geteilt werden, erläuterte Wiesner. Bei der ersten Veranstaltung liege der Fokus speziell auf der Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit mit Blick darauf, „wie in Harvard die Auseinandersetzung läuft.“ Risse erläuterte in einem Vorgespräch zunächst, dass es mit dem Ende des zweiten Weltkriegs zu einem Gesellschaftsvertrag zwischen den US-amerikanischen Universitäten und den Regierungen gegeben habe: „Die Regierung investiert in Forschung, dafür werden die Kapazitäten bereitgesellt.“ Das gelte sowohl für militärische Forschungsprojekte wie naturwissenschaftliche Grundlagenforschung und andere Felder. Universitäten hätten sich dadurch entwickelt zu Orten, „an denen demokratisches Leben sehr wichtig ist“, führte er weiter aus.
Die aktuelle US-Regierung unter Donald Trump habe nun diesen gesellschaftlichen Vertrag versucht auszuhebeln, berichtete der Harvard-Professor. Unter der Erklärung, dass es in Harvard im Zuge von pro-palästinensischen Demonstrationen ein Problem mit Antisemitismus gebe, hatte die US-Regierung unter anderem tiefgreifende Forderungen an die Universität gestellt und mehr Kontrolle verlangt, unter anderem auch über die Einreise von internationalen Studierenden. Parallel dazu waren Bundeszuschüsse in Milliardenhöhe gestrichen worden. Wie Risse erläuterte, seien die Vorwürfe nicht haltbar. „Antisemitismus ist ein gesellschaftliches Problem“, merkte er an und gab an, dass die Universitäten sehr wohl allein in der Lage seien, mit solchen Themen auf pro-palästinensischen Demonstrationen umgehen zu können.
In den USA zeichne sich zwischen der Regierung und Harvard ein Machtkampf über die Kompetenzen ab, erzählte Risse: „Die Regierung ist sehr gut vorbereitet.“ Mit dem Vorgehen hätten die Kräfte im Weißen Haus Rechtsbruch begangen und versucht, die demokratische Grundordnung weiter zu schwächen. Gleichzeitig lasse sich eine starke Bürgerinitiative erkennen, etwa an den kürzlichen „No Kings“-Protesten anlässlich des 250-jährigen Jubiläums der US-Streitkräfte. Die Situation sei daher keineswegs hoffnungslos. Erst vergangene Woche habe es offizielle Gespräche zwischen der Trump-Regierung und Vertretern der Universitäten gegeben. Wie ein „Deal“ ausfallen könne, sei aber noch schwer einzuschätzen anhand der unhaltbaren Forderungen im Frühjahr.
Die Möglichkeiten der Universitäten und Hochschulen außerhalb der USA zur Unterstützung seien gering, stellte Risse fest. Er bat dennoch darum, „einen kleinen Beitrag zu leisten“. Das gelinge beispielsweise durch Solidarität oder die Unterstützung gemeinsamer Werte wie Wissenschaftsfreiheit im Diskurs. Wiesner schloss sich dieser Bitte an.
