Erstmals verknüpft ABO Energy Windenergie mit der Produktion und Nutzung von grünem Wasserstoff. So umfasst das Projekt eine Windenergieanlage, einen Elektrolyseur sowie eine Wasserstofftankstelle mit Trailer-Abfüllstation – alles auf Hünfelder Gemeindegebiet. Dr. Jochen Ahn, Gründer von ABO Energy, beschrieb die Wasserstofftankstelle als „bundesweit einmaliges Projekt“. 2013 wurde im Unternehmen die Abteilung „Zukunftsenergie“ gegründet. Wenige Jahre später beschäftigten sich die Verantwortlichen mit der Idee einer Wasserstofftankstelle mitten in Deutschland. „Wasserstoff ist sinnvoll und seit einigen Jahren schon der Weg, den wir gehen wollen“, erklärte Ahn. Im Laufe der Planung habe sich der Standort in Michelsrombach als geeignet herauskristallisiert. „Vor über 35 Jahren habe ich mich bei meiner Doktorarbeit erstmals mit Elektrolyse beschäftigt. Es ist schön, das am Ende des Berufslebens noch einmal mitzuerleben“, freute sich der Gründer.
Auch Hünfelds Bürgermeister Benjamin Tschesnok staunte über das Projekt und sprach von „Innovation made in Hünfeld.“ Er fügte an: „Ich sage es immer: Da wo Hünfeld ist, geht es nach vorne.“ Es sei ein Meilenstein, nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die Region. Im Juli 2021 habe der Bürgermeister die erste Mitteilung erhalten und sei nach den ersten Gesprächen bereits überzeugt gewesen. So freute sich Tschesnok, dass die Wasserstofftankstelle nach einer langen Planungs- und Bauphase endlich fertiggestellt werden konnte: „Ich hoffe, dass innovative Projekte schneller durch den Prozess gehen können – es ist ein Leuchtturmprojekt“. Im Mai 2024 wurde mit dem Bau begonnen. Anfang 2025 wurde das Fundament der Windkraftanlage, die etwa zwei Kilometer entfernt auf einem Feld errichtet wurde, fertiggestellt. Im Mai wurde die Anlange in Betrieb genommen und produzierte seitdem schon mehr als drei Tonnen Wasserstoff.
„Grünes Gas wird immer wichtiger“, erklärte Projektleiter Mike Luther. Besonders da die Produktion von Erdgas zurückgefahren werde, sei eine Wasserstofftankstelle eine wichtige Innovation für die Zukunft. Ebenfalls vor Ort war Dr. Thomas Nietsch, Abteilungsleiter „Zukunftsenergien“. In seiner kurzen Rede freute er sich über die Inbetriebnahme der Anlage und gab einen kleinen Einblick in die Standortsuche. Auch Projektleiterin Franziska Zombik bedankte sich bei allen Mitwirkenden.
Der Strom der eigenen Windkraftanlage wird über eine Direktleitung zum Elektrolyseur transportiert, in dem aus Wasser und Strom Wasserstoff erzeugt wird. Als Nebenprodukte entstehen Sauerstoff und Wärme. Der Wasserstoff wird anschließend verdichtet und steht an der Wasserstofftankstelle zum Betanken von Brennstoffzellenfahrzeugen, wie Lkw und Bussen, zur Verfügung. Alternativ kann er mittels sogenannter Trailer zu anderen Wasserstoff-Nutzern transportiert werden. Die Windkraftanlage könne bei der dort herrschenden Windgeschwindigkeit jährlich durchschnittlich etwa elf Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Das decke etwa 25 Prozent des Grundbedarfs. Der Rest werde über das lokale Netzwerk hinzugekauft. Am Mittwoch wird ein Leistungstest der Trailer erfolgen, ehe die Tankstelle am 27. Juni dann richtig in Betrieb genommen werden soll. Gefördert wurde das Projekt im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NWO) mit etwa zwölf Millionen Euro.
