Fußball 14.06.2025

Verbandsliga – SV Hofbieber sorgt für Ekstase - und will sich treu bleiben

Hofbieber (jah) – Der SV Hofbieber hat Historisches geschafft und konnte an Pfingstsonntag einen der größten Erfolge der Vereinsgeschichte bejubeln: In der Viererrelegation gewann der künftige Fußball-Verbandsligist im Finale gegen Eintracht Baunatal und ließ es im Anschluss so richtig krachen. Doch der Blick ging auch bereits wieder nach vorne, denn: Trotz des Aufstiegs bleibt der Verein bei seiner Philosophie und will seine Identität auch in Hessens zweithöchster Spielklasse nicht verlieren.

Fotos: Justin Klenner

Turbulente Tage liegen hinter dem beschaulichen 2000-Einwohner-Ort in der Rhön: Der Sportverein Hofbieber bestimmte die Schlagzeilen und versetzte in der kompletten Gemeinde die Einwohner in Ekstase. Rückblick zum Morgen des 28. Mai: Noch bevor der letzte Spieltag der Gruppenligasaison abends angepfiffen wurde, sickerte die Meldung durch, dass der spätere Meister Oberzell/Züntersbach und die SG Schlüchtern auf einen möglichen Aufstieg in die Verbandsliga verzichten werden. Aus dem Vierkampf um den Aufstieg blieben also plötzlich nur noch zwei Teams übrig, die SG Johannesberg – und eben der SV Hofbieber. Die SGJ sicherte sich letztendlich Platz zwei und stieg direkt auf, der SVH um Trainer Sebastian Vollmar und Co-Trainer Maximilian Vogel hatte aber die Relegation sicher.

Zeitsprung zum 2. Juni: Fünf Tage Zeit hatten die Rhöner, um sich auf das Halbfinal-Hinspiel der Relegation gegen Verbandsliga-Vertreter Sandershausen vorzubereiten. Eine körperlich robuste, gleichermaßen aber auch spielerisch starke Mannschaft, wie der SVH bereits im Hinspiel in Nordhessen erfahren musste. Immerhin mit einem 1:1 im Gepäck ging es zurück in die Heimat, wo drei Tage später das Rückspiel anstand – und was sich am 5. Juni am Sportgelände in Hofbieber abspielte,  hätte auch ein Hollywood-Drehbuchautor nicht besser schreiben können. Sandershausen war drückend überlegen, Jonas Preilowski traf nach 88 Spielminuten zum 3:2 für die TSG und damit zur vermeintlichen Vorentscheidung – Hofbieber war eigentlich tot, wie es Trainer Sebastian Vollmar seinerzeit beschrieb. Doch in einer der verrücktesten Schlussphasen der jüngeren Fußballgeschichte verschoss erst Alex Scholz einen Elfer, dann schossen Leonard Ditzel und Yannik Bleuel den SVH doch noch ins Finale. „Das war einmalig, keine Ahnung was da abging. Da haben auch einige Ältere am Sportplatz gesagt, egal was jetzt am Sonntag passiert, das ist der Schönste Tag für den Verein seit Langem“, schilderte Co-Trainer Maximilian Vogel. Dem SVH war das natürlich nicht egal – gegen Finalkontrahent Eintracht Baunatal sollten noch einmal die letzten Kräfte mobilisiert werden. Wiederum drei Tage später, an Pfingstsonntag, ging es für Hofbieber in Niederaula um alles. Und tatsächlich schafften die Rhöner durch ein verdientes 4:2 gegen Baunatal den Aufstieg in die Verbandsliga, womit zwei Wochen früher nicht einmal im Ansatz gerechnet werden konnte. Zaungast in Niederaula war dabei übrigens Königstransfer Kevin Krieger vom Hünfelder SV, der seinen Heimatverein, gerade von der Mannschaftsfahrt des HSV zurückgereist, tatkräftig unterstützte.

 

Mannschaftsfahrt „ins Blaue“

Die schönste Geschichte neben dem historischen Triumph am Finaltag schrieb aber SVH-Lebensversicherung Yannik Bleuel, der wider besseren Wissens lange im Voraus einen Flug in die USA gebucht hatte – ausgerechnet für den Morgen vor dem Spiel gegen Baunatal. Bleuel buchte nach einer vom Verein ins Leben gerufenen Sammelaktion den Flug letztendlich um, stand in der Anfangsformation und überzeugte abermals mit starker Leistung.

Die Feierlichkeiten kannten im Anschluss jedenfalls keine Grenzen. „Erstmal haben wir noch auf dem Platz gefeiert, bevor wir dann zu uns auf den Sportplatz gefahren sind“, erläutert Vogel rückblickend. Dort angekommen hatten die Fans des SV Hofbieber wieder einmal bewiesen, dass der Anhang mindestens Verbandsliganiveau hat: „Über 200 Leute haben bereits auf uns gewartet und wir sind unter großem Jubel dort einmarschiert“, berichtet Vogel von den anschließenden Feierlichkeiten: „Die Feier ging dann bis in die Morgenstunden.“

Pause haben die Rhöner jetzt bis zum Trainingsauftakt nur kurz, zumal die Feierlichkeiten auch noch nicht beendet sind. „An Fronleichnam steht noch unsere Sommerfahrt an“, betont Vogler und erklärt: „Da geht’s immer irgendwo ins Blaue. Einer plant das Ganze und kein anderer weiß bis zuletzt, wohin die Reise eigentlich geht.“ Drei Tage ist der Tross dann unterwegs, am folgenden Samstag steht noch die Hochzeit von Betreuer Erik Nüdling an. „In welcher Verfassung wir da aufschlagen werden, sei aber mal dahingestellt“, schmunzelt der Co-Trainer.

Danach gelte die volle Konzentration aber der anstehenden Verbandsliga-Spielzeit: „Da geht es für uns natürlich nur um den Klassenerhalt, alles andere wäre vermessen. Auch wenn die Spieler ihr internes Saisonziel noch nicht kommuniziert haben.“ Ändern soll sich in Hofbieber nichts: „Wir haben schon immer von der Gemeinschaft gelebt. Es gibt bei uns kein Harakiri, es wird sich genau nichts tun. Wir holen keine teuren Neuzugänge, wir bleiben unserer Philosophie treu.“ Einige Jugendspieler werden in die Seniorenmannschaft aufrücken, damit sei die Kaderplanung weitestgehend abgeschlossen. „Das war auch schon immer unser Weg. Wenn aber natürlich ein Spieler sagt, er hat Bock auf den Verein, und das nicht nur weil wir Verbandsliga spielen, dann verschließen wir uns dem logischerweise nicht“, gibt Vogler einen abschließenden Ausblick. Übrigens: 1999 war Hofbieber schon in die Landesliga Hessen Nord aufgestiegen, wurde im ersten Jahr Zwölfter und stieg dann im Jahr 2001 als Drittletzter ab. Nun ist der SVH zurück in der heutigen Verbandsliga.