Selbst die knapp 1000 Zuschauer dürften ihren Augen kaum getraut haben, es waren absolute verrückte Szenen, die sich in Hofbieber abspielten: Die Gäste aus Nordhessen waren im kompletten zweiten Durchgang die bessere Mannschaft, Hofbieber wusste sich meist nur durch lange Bälle zu helfen. Jonas Preilowski gelang dann kurz vor Schluss der vermeintliche – und hochverdiente – Siegtreffer für die Mannschaft von Thomas Kunze. Per Außenrist sorgte er für Ekstase bei den mitgereisten Fans (88.). Leonard Ditzel gelang jedoch nur wenig später per Kopf der nicht mehr für möglich gehaltene Ausgleich (90.+2) – jetzt deutete alles auf eine Verlängerung hin. Im Anschluss überschlugen sich jedoch die Ereignisse. Nach einem Handspiel zeigte Schiedsrichter Tim Wiesner auf den Punkt und die Gastgeber hatten plötzlich die Chance auf den Sieg: Alexander Scholz versagten jedoch die Nerven, TSV-Schlussmann Loic John hatte die richtige Ecke und parierte (90+5.). Und als wäre das alles nicht dramatisch genug gewesen, setzte Yannick Bleuel mit dem Schlusspfiff nochmal einen drauf. Er köpfte Hofbieber ins Finale der Relegation – und Sandershausen in die Gruppenliga. Es war das Ende einer unglaublichen Schlussphase, die sich so nicht im Geringsten angedeutet hatte. „Es ist bitter, wir fühlen uns scheiße“, brachte es TSG-Trainer Thomas Kunze auf den Punkt: „Eigentlich müssen wir das Ding 8:2 gewinnen, wir waren 80 Minuten überlegen und nutzen wieder unsere Chancen nicht. Und dann verlierst du so ein Spiel eben. Es ist ein Spiegelbild der ganzen Saison“, war Kunze bedient.
Hofbieber ging in Halbzeit eins zwar durch Fabio Ruppert in Führung, Yannick Billing stellte die Uhren jedoch nur wenig später wieder auf null (37.). Zu diesem Zeitpunkt ging das Remis in Ordnung, wenngleich Sandershausen auch im ersten Durchgang die aktivere Mannschaft war. Das änderte sich in Halbzeit zwei nicht – im Gegenteil. Die Gäste erhöhten nun den Druck, beflügelt durch das frühe 2:1 durch Jonathan Mogck nicht mal eine Minuten nach Wiederanpfiff. Kunzes Mannschaft ließ jedoch im Anschluss einen Hochkaräter nach dem anderen liegen, unter anderem traf Philipp Wissemann nur den Pfosten (58.). Und wie so oft im Fußball sollte sich das letztendlich rächen. Zwar konterte Preilowski mit seinem späten Tor den zwischenzeitlichen Ausgleich durch Jonah Haas, in der absurden Schlussphase hatte Hofbieber jedoch das letzte Wort. „Es ist Wahnsinn. Wir waren eigentlich tot“, rang SVH-Trainer Sebastian Vollmar nach Worten: „Es ist sensationell, überragend. Sandershausen war besser, die gefährlichere Mannschaft. Aber manchmal gewinnt eben nicht das bessere Team“, musste der SVH-Trainer zugeben. Sowohl Vollmar als auch dem gesamten Verein war das nach Abpfiff aber herzlich egal.
Hofbieber: Schneider; Müller (73. Budenz), Günther, Ditzel, Haas, Ruppert, Gradl, von Keitz, Budenz, Scholz, Bleuel.
Sandershausen: John; Preilowski, Rehbein, Hebold (45+3. Schleiden), Wissemann, Igel, Mokonnen, Fangmeier, Billing, Mogck, Plasczyk (81. Kunze).
Schiedsrichter: Tim Wiesner (Heddernheim)
Tore: 1:0 Fabio Ruppert (30.), 1:1 Yannick Billing (37.), 1:2 Jonathan Mogck (46.), 2:2 Jonah Haas (70.), 2:3 Jonas Preilowski (88.), 3:3 Leonard Ditzel (90+2.), 4:3 Yannick Bleuel (90+6.)
Zuschauer: 950.
Verschossener Foulelfmeter: Alexander Scholz (90+5., Hofbieber) – Loic John hält.
