Lokales FD 17.06.2025

IHK-Standortumfrage: Handlungsbedarf trotz hoher Attraktivität

Fulda (gü) – Der Wirtschaftsstandort Fulda ist attraktiv, aber es gibt auch Bereiche mit dringendem Handlungsbedarf – das zeigt die erste Standortumfrage, die die Industrie- und Handelskammer Fulda unter ihren Mitgliedern durchgeführt hat. IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow stellte die Ergebnisse am Montag vor.

Michael Konow stellte die Ergebnisse der IHK-Standortumfrage vor. Fotos: Jasha Günther.

„Im Großen und Ganzen ist die Region Fulda eine attraktive Wirtschaftsregion, aber an einzelnen Punkten müssen wir arbeiten, damit es eine noch attraktivere Wirtschaftsregion wird“, sagte Konow und verwies insbesondere auf die Themen Verfügbarkeit und Preisniveau von Gewerbeflächen sowie Wohnraum und den Mangel an Fachkräften und Lehrstellenbewerbern. Das alles seien Bereiche, die von den Unternehmen als sehr Relevant eingestuft werden, in denen derzeit aber mehr Betriebe unzufrieden als zufrieden seien. „Wir müssen sehen, dass wir schon von frühauf Berufsorientierung in alle Schulformen einbringen“, brachte Konow auch gleich erste Lösungsansätze vor. Insbesondere müsse auch an Gymnasien die Ausbildung als echte Alternative zum Studium eine Rolle spielen. In der Umfrage waren nur knapp über zehn Prozent der Unternehmen aktuell mit der Qualität der Lehrstellenbewerber sehr oder eher zufrieden. Darüber hinaus brauche es auch Fachkräfte-Zuzug, dafür müssten die entsprechenden Bedingungen geschaffen werden, wozu auch wieder das Thema Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit von Wohnraum sowie ÖPNV – auch hier ist die Zufriedenheit der Unternehmen nicht sonderlich hoch – gehören würden.

Als erfreulich sah Konow an, dass der Wirtschaftsstandort Landkreis Fulda insgesamt von gut 90 Prozent der Teilnehmer als sehr gut oder eher gut bewertet wurde und auch die Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren noch von rund 80 Prozent als positiv bewertet wurde. Dass bei der Frage, wie gut der Wirtschaftsstandort Landkreis Fulda insgesamt auf die Zukunft vorbereitet sei, „nur noch“ gut 65 Prozent mit sehr gut oder eher gut geantwortet hätten, nahm Konow als Aufforderung: „Wir müssen dranbleiben.“

Zum ersten Mal hatte sich die IHK Fulda in einer Umfrage intensiv dem Thema Wirtschaftsstandort gewidmet. 346 vollständige Datensätze flossen in Auswertung ein, was für eine solche Umfrage sehr viel sei, wie Konow einordnete. Zwar sei die Umfrage nicht repräsentativ, gebe aber ein gutes aktuelles Stimmungsbild, denn die Teilnehmer spiegelten die Verteilung im Landkreis was die  unterschiedlichen Unternehmensgrößen und die verschiedenen Branchen angeht, gut wider. Gefragt wurde sowohl nach allgemeinen Standortfaktoren, wo insbesondere die Umwelt- und Lebensqualität sowie die Themen Sicherheit, Sauberkeit und Nahversorgung von den Unternehmen als besonders relevant eingestuft wurden, als auch nach wirtschaftlicher Standortattraktivität, Infrastruktur, Gewerbeflächen und Immobilien, Arbeitsmarkt und dem Bereich Energie und Umwelt. Einer der wirtschaftlichen Standortfaktoren schlechthin in der Region Fulda sei der gute Zugang zu Netzwerken und Clustern. Beim Thema Infrastruktur bestehe Handlungsbedarf in den Bereichen Radverkehrsnetz und ÖPNV – beides Dinge, an denen Kreis und Kommunen aber bereits dran seien, so Konow. Für das weitere Wachstum der Wirtschaft im Landkreis Fulda ein wichtiger Faktor sei die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen, wo es momentan aber schlecht aussehe. Konow sprach sich deshalb dafür aus, frei werdende Gelände, wie von Goodyear und Mehler Texnologies, auf jeden Fall weiter für Gewerbe zu nutzen. Die Standortumfrage will die IHK in Zukunft alle fünf Jahre durchführen.