Die SG Oberzell/Züntersbach steht schon seit Jahren für offensiven, spektakulären Fußball. Die vergangene Saison stand wieder einmal sinnbildlich dafür: Gajics Team stellte die mit Abstand beste Offensive, gepaart mit der siebtschlechtesten Defensive der Liga. Die SGOZ kassierte als Meister beispielsweise sogar ein Gegentor mehr als Absteiger Ehrenberg. Rodoljub Gajic hob trotzdem die Entwicklung seines Teams dahingehend hervor: „Wir hatten auch in dieser Saison Schwächen, was die Defensive angeht. Die Gegner haben uns selten in Grund und Boden gespielt, wir hatten teilweise einfach individuelle Böcke drin und haben den Gegner so fast eingeladen, zu treffen“, analysierte der Trainer treffend, führte jedoch aus: „Im Vergleich zur Vorsaison haben wir ein Drittel weniger Gegentore bekommen. Wir sind weg von der Philosophie, zu sagen, wenn die anderen vier Tore schießen, machen wir halt eins mehr.“ Gänzlich aus blieben die teilweise bizarr wirkenden Ergebnisse trotzdem nicht, symbolisch war das 5:3 am letzten Spieltag gegen Künzell, mit dem die SGOZ gleichzeitig die Meisterschaft perfekt machte. „Das hat mich so ein bisschen an den Titel von Leicester City in der Premier League erinnert“, verglich Gajic: „Niemand hatte uns so richtig auf dem Zettel. Aber genau das hat es am Ende umso schöner gemacht.“
Die Feierlichkeiten kannten im Anschluss keine Grenzen: „Das ging direkt nach Abpfiff los. Wir waren dann noch bei einem Spieler im Teich und haben gegrillt, am nächsten Tag ging es dann mit einem Traktor und Fahnen durchs Dorf, bevor wir noch gemeinsam bei der Zweiten waren.“ Irgendwann habe sich der Trainer aber dann ausgeklinkt, „die Spieler haben es aber noch weiter krachen lassen“, schmunzelt Gajic, der für sein Team nur lobende Worte übrig hatte: „Wir hatten gerade in der Rückrunde einen so kleinen Kader, allein drei Spieler mit Kreuzbandrissen sind schon Wahnsinn“, spielt der Übungsleiter auf die Verletzungen von Valentin Ankert, Lennox Kraft und Torhüter Robin Dorn an: „Und dazu haben wir noch zwei Punkte wegen Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls aberkannt bekommen. Das alles haben wir kompensiert. Da ist eine Energie entstanden, die ihresgleichen sucht. Wir haben Konstanz in unsere Leistungen bekommen, vor allem auf der mentalen Ebene war das ein ganz hohes Niveau.“ Und auch das Umfeld habe gepasst: „Das ist auch nicht zu vernachlässigen. Es gab nie Unruhe im Verein, weder auf noch neben dem Platz, die Stimmung war immer überragend. Unsere geile Kameradschaft und der Spaß standen immer im Vordergrund. Und wenn das alles passt und man daran glaubt, kommt der Erfolg automatisch.“
Doch auch wenn die Meisterschaft den größten Erfolg der Vereinsgeschichte darstellte, sei das mittlerweile abgehakt: „Das Buch ist jetzt geschlossen“, verdeutlichte Gajic, dass der Fokus bereits auf der kommenden Saison liege – in der Oberzell/Züntersbach trotz Meisterschaft wieder in der Gruppenliga an den Start gehen wird. Die Spielgemeinschaft verzichtete bekanntlich auf den Aufstieg in die Verbandsliga. „Die Spieler haben sich, mit deutlicher Mehrheit übrigens, dagegen entschieden“, erklärte Gajic, dass die Entscheidung ausschließlich bei der Mannschaft lag: „Der Verein hat den Jungs gesagt, dass sie die Entscheidung mitgetragen hätten, Verbandsliga zu spielen.“ Und Gajic selbst blickte ebenfalls zumindest mit einem weinenden Auge auf den Verzicht zurück: „Natürlich willst du als Trainer auch so hoch wie möglich trainieren, wir sind ja alles Sportler. Aber ich bin zu 100 Prozent d’accord damit und kann die Gründe auch komplett verstehen. Der sportliche und zeitliche Mehraufwand ist enorm.“ Daher habe sich das Team entschieden, „lieber unten oben mitzuspielen als oben unten“, wie der Übungsleiter erklärte: „Und es gibt auch keine Unruhe oder irgendetwas dadurch. Wir sind eine überragende Gemeinschaft. Zumal die Gruppenliga durch Mannschaften wie Bronnzell und Neuhof, aber auch durch die Aufsteiger ebenfalls extrem aufgewertet wurde und wahrscheinlich so stark ist, wie lange nicht“, blickte Gajic der neuen Spielzeit mit Spannung entgegen: „Bei uns im Verein gibt es ja auch einige Veränderungen nach dem Zusammenschluss der Zweiten mit Weichersbach. Wir wollen auf jeden Fall erstmal so schnell wie möglich wieder die 40 Punkte holen.“
