Lokales FD 13.06.2025

„Geistiger Bürgerkrieg“: Akademieabend zur „Neuen Rechten“ im Netz

Fulda (fp) – Unter dem Titel „Rechte Netzwerke und ihre Social Media Strategien“ hielt am Donnerstagabend Franz Konietzky, Referent des Forschungsprojektes „Modernisierungserscheinungen der extremen Rechte in Deutschland“ an der Hochschule Düsseldorf, im Bonifatiushaus Fulda einen Akademieabend ab. Er berichtete über die moderne rechte Szene und ihre Vorgehensweisen, die sich stark vom konventionellen, politischen Diskurs unterscheiden.

Der Referent wollte aus Sicherheitsgründen nicht fotografiert werden. Foto: Felix Pillat

Der moderne Rechtsextreme nutze schon lange nicht mehr eine politische Ebene, um von sich zu überzeugen, viel mehr würden Anhänger dieser Ideologie einen viel subtileren Weg wählen, berichtete Franz Konietzky, Referent des Akademieabend. Soziale Netzwerke, „Fake News“, eigene Medien, ja sogar gekaufte rechte Influencer würden dazu genutzt, um den Einfluss der rechten Szene und der „Neuen Rechten“ auszubauen. „Das einzig neue an der sogenannten ‚Neuen Rechten‘ ist ihre Strategie. Statt auf politischer Ebene zu agieren, führen sie einen Kulturkampf auf meta-politischer Ebene“, erklärte er, der sich selbst intensiv mit den sozialen Medien und dem dortigen Auftritt der Rechtsextremen befasst habe, wie er angab: „Und dieses Wissen will ich Ihnen heute Abend weitergeben.“ Gerade weil er so tief in diese Szene eingetaucht sei, tauche sein eigener Name allerdings nur sporadisch, weitere Informationen und Bilder von ihm gar nicht im Netz auf. Die Gefahr für seine Familie und ihn seien zu groß. Deshalb sind auch an diesem Abend keine Bilder von ihm entstanden.

In drei großen Themenblöcken zeigte der Referent die Historie, die Vorgehensweise, die Strategien, Ideologien und vor allem die Netzwerke der modernen rechtsextremen Bewegung auf, die sich – wie er betonte – auch überparteilich organisierte: „Zwar ist die AfD und die Junge Alternative, die es mittlerweile nicht mehr gibt, ein wichtiges politisches Mittel, aber die Strukturen gehen weit über diese Partei hinaus.“ Weiter sprach er über den Kulturkampf als bewehrtes Mittel der rechten Szene, stellte die Ideologie als Hebel für die Verbreitung ihrer politischen Überzeugung heraus und zeigte auf, wie die „Neue Rechte“ neue Medien nutzt, um ihren Einfluss zu vergrößern.

Organisiert wurde der Akademieabend von der Katholischen Akademie des Bistums Fulda und dem Verein „Fulda Stellt Sich quer“, die sich selbst stark gegen Rechtsextremismus und für Inklusion einsetzen. Gunter Geiger, Direktor der Katholischen Akademie Bistums Fulda, hieß Konietzky im Vorfeld willkommen und dankte den Gästen für die Teilnahme an dem Akademieabend. „Ich freue mich, dass Sie sich nicht für den Biergarten entschieden haben, sondern heute Abend hier sind“, lachte er in seiner Begrüßung.

Andreas Goerke, Vorsitzender des Vereins „Fulda Stellt Sich quer“, berichtete von der langen Vorbereitung, die notwendig war, um diese Veranstaltung möglich zu machen, betonte aber auch: „Wir leben in Zeiten der Verrohung der Faktenlage. Ich denke, daher sind solche Veranstaltungen wichtiger denn je.“

Akademieabend im Bonifatiushaus. Fotos: Felix Pillat