Lokales FD 06.06.2025

CDU vor Ort – Erste Wohnungen im Waidesgrund 2027 bezugsfertig

Fulda (sk) – Insgesamt 400 Wohneinheiten werden im Baugebiet Waidesgrund unweit des Fuldaer Bahnhofs entstehen, ein großer Teil davon sozialgebunden, was die Stadt mit mehreren Millionen Euro fördern wird. Dies und noch einiges mehr erläuterten Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, Stadtbaurat Daniel Schreiner und Ralf-Stefan Stöppler von der RhönEnergie während einer Begehung mit dem Arbeitskreis „Bauwesen, Klimaschutz und Stadtplanung“ der CDU-Stadtverordnetenfraktion.

Daniel Schreiner (links) und Ralf-Stefan Stöppler. Foto: Stefan Krug.

Zu Beginn ging Arbeitskreisvorsitzender Michael Ruppel in der gut besuchten Veranstaltung, bei der auch einige Anwohner sich informierten, auf die Geschichte des eher versteckt mitten in der Stadt liegenden Geländes Waidesgrund ein. Nachdem 2019 die dort vorher tätigen Kleingärtner „In den Straußwiesen“ Richtung Maberzell eine neue Heimat gefunden hatten, war der Bebauungsplan 2020 aufgestellt worden. 2023 wurde das Gebiet erschlossen. Ruppel dankte dabei dem OB für das gefundene Konzept: „Es war nicht ganz einfach Investoren zu finden für das, was hier geplant ist. Nun haben wir hier aber ein Wohnbauprojekt, wie wir es seit Jahrzehnten nicht hatten.“ Das sich schon etwas bewegt war für die Besucher deutlich spürbar – zwischendurch mussten sie für einen Betonmischer zur Seite treten.

Die Vorstellungen hinter dem Planungskonzept erläuterte Heiko Wingenfeld: „Wir haben als Stadt die Philosophie, dass wir Wohnraum schaffen wollen. Behutsam nach außen mit neuem Baugebieten wie in Haimbach und gleichzeitig mit kleineren Wohnungen im Innenstadtbereich.“ Der Waidesgrund an der dortigen neuen Straße, welche bewusst zur Erinnerung an den ermordeten Dr. Walter Lübcke benannt werden soll, soll attraktiv werden für junge Familien, Berufstätige – insbesondere wenn diese einen Vorteil durch den nahen Bahnhof haben –, Studenten und auch Bewohner in höherem Alter durch die Innenstadtlage mit gutem ÖPNV- und Freizeitangebot. Wie der Oberbürgermeister weiter erläuterte geht es bei den jetzt projektierten 400 Wohneinheiten auch darum „sozialen, bezahlbaren Wohnraum“ zu schaffen. Um dies auch langfristig zu sichern wurden die Flächen nicht verkauft, sondern es wurden Erbbaurechte vergeben und die Auswahl der Projekte orientierte sich auch daran, ob es sich um „langfristige Bestandshalter“ handelt. Nach ersten Ideen 2016 werde nun gebaut, zuerst bisher durch das Siedlungswerk Fulda 69 Wohnungen: „Wir können jetzt zeigen, es wird nicht nur geredet, sondern es entsteht Wohnraum.“ Dieser ist beim Siedlungswerk zum Teil sozialgebunden, was die Stadt mit 1,075 Millionen Euro fördert. Bei den weiteren Bauvorhaben ist der Förderantrag noch nicht endgültig genehmigt – es dürften aber mehrere Millionen werden, mit denen neuer Wohnraum mit sozial gebundenen Preisen gefördert wird, erläuterte der OB. Als Unternehmen mehrheitlich im Besitz des Landes Hessen wird die Nassauische Heimstätte 140 Wohnungen im Waidesgrund errichten. 72 Wohnungen plant die TING-Waides-Höfe e.G., laut Wingenfeld „eine innovative Form, um durch den Erwerb von Genossenschaftsanteilen Wohnraum beziehen zu können“. Das Klinikum plant ein Wohnheim mit 170 Plätzen, ausdrücklich sowohl für Studenten als auch für Auszubildende. Beim gesamten Bauvorhaben sei berücksichtigt worden, dass auch das Kongresszentrum Esperanto zukünftig „weiter wachsen kann“.

Ralf-Stefan Stöppler, Geschäftsführer von RhönEnergie Effizienz + Service, gab einen Überblick über die Versorgung mit Wärme in den Gebäuden. Wobei er in Fulda anstelle von Fernwärme lieber von Nahwärme spricht, wie er sagte. Bisher gebe es vier Wärmenetzen mit insgesamt 18 Kilometern Leitung. Die Wärmeleitungen sind im Waidesgrund bereits verlegt. Sie sollen noch in diesem Jahr an das bestehende Netz angeschlossen werden. Bisher erfolgt die Wärmeerzeugung über ein Gas-Blockheizkraftwerk. Dieses wird durch eine Wärmepumpe ergänzt werden – ob aus Luft oder Abwasser werde noch geprüft. Auch müsse mit eingeplant werden, ob bei einer eventuellen Erweiterung des Kongresszentrums dort  eine Wärmeerzeugung mit eingebaut wird. „Es hat sich viel geändert seit den ersten Gesprächen 2021“, so Stöppler. Die veränderte Lage beim Gas durch den russischen Angriffskrieg und das Wärmeplanungsgesetz, nach dem für Wärmenetze die Umstellung auf erneuerbare Energien Pflicht ist, erfordere einige Umplanungen. Das komplette Ziehers-Nord-Wärmenetz muss schrittweise bis 2045 vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

Stadtbaurat Daniel Schreiner stand dann für weitere Fragen zur Verfügung. Wie er erklärte, wurde von der Stadtverordnetenversammlung genehmigt, weniger Parkplätze zu bauen, wie es die Stellplatzsatzung vorschreibt: „Die Bauherren müssen ein Car-Sharing Angebot machen. Dadurch konnten wir das genehmigen. Es ist auch die Frage, ob es weiter sinnvoll ist bei steigenden Baukosten in einem Innenstadtwohngebiet Millionen von Euro in die Erde zu vergraben für ein paar Tiefgaragenstellplätze.“ Sämtliche geplanten Bauten werden, teilweise über Stichstraßen, am Walter-Lübcke-Weg liegen, wobei Richtung Esperanto ein Platz ausgebaut werden soll. Die ersten Wohneinheiten sollen 2027 bezugsfertig sein.