„Es ist keine Erweiterung, eher eine Neuplanung der Strecken“, kündigte Ausschussvorsitzender Helge Mühr (FDP) an, bevor er das Wort an Stadtbaurat Daniel Schreiner und Malte Horrer, Fachstellenleiter ÖPNV bei der Stadt Fulda, übergab. „Innen haben wir den Viertelstundentakt, nach außen dünnt es aus“, zeigte Schreiner eine deutliche Verbesserung auf – 75 Prozent der Bürger der Stadt werden durch den neuen 15-Minuten-Takt erreicht, bisher sind es nur 25 Prozent. Auch die Linien wurden effizienter gestaltet und fast alle Schleifenführungen wurden abgeschafft. „Auch die Art und Weise, wie umgestiegen werden kann, ist neu gedacht“, sagte Schreiner: „Ich denke, dass wir mit dem, was wir hier haben gut aufgestellt sind.“
Einen detaillierteren Einblick in den neuen Takt und die neue Linienführung gab Horrer. Entscheidend dafür, ob der Bus in der Hauptverkehrszeit alle 15 Minuten, alle 30 Minuten oder alle 60 Minuten kommt, ist die Größe der Stadtteile – in den Schwachverkehrszeiten sind es dann ein 30- oder ein 60-Minuten Takt und das Anruf-Sammel-Taxi (AST). Mehr Fahrzeuge werden dafür vor allem in den Schwachverkehrszeiten benötigt – 20 statt bisher 13. In der Hauptverkehrszeit wird nur ein weiteres Fahrzeug gebraucht, da das Fuldatal bis Kämmerzell wieder Stadtbusanbindung (bisher AST) bekommt.
Insgesamt soll das Busfahren durch die neuen Linienführungen einfacher werden. „Die Verständlichkeit des Liniennetzes ist momentan niedrig“, wurde Horrer deutlich. Als Beispiel nannte er Busse, die auf dem Weg in die Stadt einen anderen Weg fahren als auf dem Weg raus, unterschiedlich angefahrene Haltestellen und Schleifen, die lange Fahrzeiten für diejenigen bedeuten, die an deren Anfang oder Ende zu- beziehungsweise aussteigen. Was gleich bleibt ist, dass alle Orte mit nur einem Umstieg erreicht werden können. Einige Veränderungen wird es zum Beispiel auf der Achse nach Künzell geben, wo die Taktung in Kombination mit den Landkreislinien erreicht wird. So wird Pilgerzell nach der Umstellung über die Turmstraße angebunden (statt bisher über Edelzell) und bekommt durch die neue Linienführung – wie auch Petersberg – eine direkte Verbindung zum Klinikum, was dort gewünscht worden war. Auch an anderen Stellen wurden mehr Querverbindungen geschaffen.
Andernorts werden aber auch Haltestellen und Busse wegfallen. Oberrode beispielsweise wird nach der Umstellung nur noch – wie von der Größe im Nahverkehrsplan vorgesehen – im Stundentakt über die Landkreislinie bedient, zwei Haltestellen im Ort fallen ganz weg. Auch andere wenig genutzte Haltestellen, wie in der Mehlerstraße in Fulda wird es nicht mehr geben. „Überall, wo wir Haltestellen wegnehmen, haben wir die Fahrgäste gezählt“, sagte Horrer und nannte Zahlen. Zum Teil wurden diese nur von einer Person pro Tag genutzt. Bei der noch ausstehenden Erstellung der tatsächlichen Fahrpläne sei beabsichtigt, die Abfahrtszeiten am Bahnhof gerade in den Schwachverkehrszeiten besser an die Züge anzupassen – insbesondere den Regionalexpress von und nach Frankfurt. Für alle Züge werde dies aber nicht perfekt gelingen, sagte Horrer.
Ziel sei gewesen, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln die besonders nachgefragten Bereiche stärker zu bedienen aber auch alle anderen Bereiche weiterhin gut anzubinden, hatte Schreiner verdeutlicht. Mit der Umgestaltung legt die Stadt auch schon jetzt den Grundstein für die nächste Stufe: 2029 soll das Angebote in der gesamten Region durch einen gemeinsamen Nahverkehrsplan von Stadt und Landkreis weiter optimiert werden. Von den Ausschussmitgliedern gab es einige Fragen und viel positives Feedback. „Es ist ein riesiger Sprung nach vorne, den wir hier machen“, sagte beispielsweise Michael Gehring (CDU) und war optimistisch, dass das neue Angebot gut angenommen wird. Die Planer rund um Horrer rechnen durch die Attraktivitätssteigerung mit einer Steigerung der Fahrgastzahlen um zehn Prozent. Die Ausschussmitglieder stimmten dem Vorschlag bei einer Enthaltung einstimmig zu. Nun muss noch die Stadtverordnetenversammlung zustimmen. Die Umsetzung soll ab dem 20. September erfolgen. Ob der neue Takt in den Schwachverkehrszeiten dann sofort überall umgesetzt werden kann, hängt aber auch davon ab, ob genügend Fahrpersonal da ist.
Autonomes Shuttle zum Hessentag in Fulda unrealistisch
Weiter behandelt in der Sitzung wurde ein Antrag der Grünen, zu prüfen, ob beim Hessentag ein autonomes Shuttle zum Einsatz kommen könne. Horrer berichtete über die seit kurzem laufenden Versuche des RMV in Darmstadt und dem Landkreis Offenbach mit einer Art Kleinbussen, die aber nur nach Anmeldung für einen bestimmten Personenkreis zugänglich seien und weiterhin einen Operator an Bord haben. Er ging auch auf eine andere Fahrzeugart ein, die ebenfalls einen Operator dabei haben muss und nur auf Straßen eingesetzt werden könne, auf denen der Verkehr mit maximal 30 Stundenkilometern rollt. Da fielen in Fulda schon viele Straßen raus. In der Innenstadt selbst wäre ein Betrieb durch die zu erwartend hohe Zahl an Fußgängern schwierig. Hinzu komme, dass ein Anbieter gefunden werden müsse, der genau zum Zeitpunkt des Hessentags ein Fahrzeug zur Verfügung habe. Horrer kam zu dem Schluss: „Ich finde die Idee sehr schön, aber es wird sehr viel Fantasie brauchen, ein sinnvolles Einsatzgebiet zu finden.“
