Fußball 16.06.2025

B-Liga Hersfeld/Rotenburg – Ein Dorf wiederbelebt: SV Solz ist Meister

Solz (jk) – Im beschaulichen Solz (Stadtteil von Bebra) gab es in dieser Saison allen Grund zum Feiern: Ein Jahr nach der Trennung von der bisherigen Spielgemeinschaft mit Nentershausen und Weißenhasel feierte der SV Eintracht aus dem 700-Seelen-Ort souverän die Meisterschaft in der Fußball-B-Liga Hersfeld/Rotenburg I. Mit 110 erzielten und gerade mal zwölf kassierten Toren dominierte der SVE die Liga.

Fotos: Tamara Klöckner.

Nach dem Spiel gegen Espanol Bebra Ende April stand Meisterschaft fest. Vor 350 Zuschauern schoss Ole Kellner Eintracht Solz mit seinem späten 2:2 in die A-Liga. Nach Abpfiff waren die Feierlichkeiten groß, auch wenn diese sich aufgrund einer unschönen Szene verschoben. „Es haben sich noch zwei Bebraer Spieler geprügelt. Der Schiedsrichter hat dann das Stopp-Konzept angewendet und das Spiel schließlich beendet“, erinnerte sich die Solzer Vereinschefin Tamara Klöckner. Die Stimmung war im Heim-Lager aber prächtig, die Fans feuerten ihre Mannschaft an. Schließlich war es dann soweit, die Meistershirts wurden rausgeholt, Banner und Bengalos durften auch nicht fehlen. Auch die traditionelle Bierdusche ließ nicht lange auf sich warten. „Es gab Freibier und es wurde mit allen auf dem Sportplatz gefeiert. Die Freude war unbändig“, freute sich Klöckner. Eine offizielle Meisterschaftsfeier mit Spielern, Vereinsverantwortlichen und Fans folgte ebenso.

19 Jahre lang mischte Solz in der Spielgemeinschaft mit Nentershausen und Weißenhasel mit. Der Verein stand mit dem Rücken zur Wand und so zog sich die Eintracht im Februar vergangenes Jahr aufgrund finanzieller und personeller Gründe aus dem Spielbetrieb zurück. Die Verantwortlichen gingen schon fest davon aus, dass nach der Trennung der langjährigen Spielgemeinschaft kein Fußball mehr in Solz gespielt wird. „Die Spielgemeinschaft hat uns finanziell und personell die Luft genommen“, ist Klöckner offen. Doch etwa sechs Wochen nach der Entscheidung dann die überraschende Wendung: Eine Gruppe von Fußballern, die einige Jahre gemeinsam in der A-Jugend in Bebra gekickt haben, meldete sich. „Sie wollten in Solz nach so langer Zeit wieder zusammenspielen“, so Klöckner. Nach Rücksprache mit dem Vorstand dann der Entschluss. „Es gab bestimmte Bedingungen, die die Jungs erfüllen sollten. Aufgaben, die jedes Vereinsmitglied erfüllt“. Abstreuen des Platzes zum Beispiel. Mithilfe von Sponsoren wurden schließlich die Ablösen gezahlt, immerhin spielten einige der Spieler bisher unter anderem in der Gruppen- oder Kreisoberliga. Der ehemaliger A-Jugend-Trainer Thorsten Kellner schloss sich dem Ganzen an und so stand der SV Eintracht Solz nach 19 Jahren in einer Spielgemeinschaft wieder auf eigenen Beinen. Klöckner selbst war von der Idee sofort begeistert. Immerhin zog es schon seit einiger Zeit kaum noch Zuschauer an den Sportplatz. „Sie haben unser Vereins- und Dorfleben befruchtet. Wir hatten in der gesamten Saison bei Spielen nicht weniger als 150 zahlende Zuschauer, ohne Frauen und Kinder eingerechnet“, so die Vereinschefin. Gerade für einen B-Ligisten eine enorme Zuschauerzahl. Der Grund ist simpel. Vor der Saison stellte der Verein die neue Mannschaft vor, lud die Einwohner zu verschiedenen Aktionen ein, um die Spieler kennenzulernen. „Wir haben zum Beispiel einen Kennlern-Frühschoppen veranstaltet“, schmunzelt Klöckner – und das mit Erfolg.

Als Ziel wollte sich die Gruppe, bestehend aus alten Mannschaftskameraden, in der B-Liga etablieren. „Der Aufstieg war nicht unser vorrangiges Ziel“, erläutert Klöckner, die allerdings auf etwas anderes schielte. „Ich wollte unter die ersten Drei. Da wurde ich sofort belächelt“. Am Teamgeist und der mannschaftlichen Geschlossenheit musste die Mannschaft nicht viel arbeiten. Dennoch stand Trainer Kellner vor einer schweren Aufgabe. „Sie haben lange nicht mehr zusammengespielt und mussten sich finden. Das hat Thorsten wirklich gut hinbekommen“, so Klöckner. Die Statistiken sprechen für sich. 25 Siege, ein Unentschieden, 110 erzielte und zwölf kassierte Treffer sind eine Hausnummer – auch in der B-Liga. Mit der höherklassigen Erfahrung im Kader keine wirkliche Überraschung. „Die Mannschaft hat sich gut zusammengefunden und eine super Leistung abgerufen“, so Klöckner abschließend.