Die Sonne strahlte auf Rothemann, als die Menschen nach dem Fronleichnams-Gottesdienst aus der St. Barbara Kirche traten und sich langsam, aber sicher zu einem singenden Festzug durch den Ort formierten. Glückliche Gesichter, aber auch viel andächtige Stimmung herrschte in der Kirchengemeinde, denn an Fronleichnam feiert die Christen das letzte Abendmahl von Jesus und seinen Jüngern.
Gemeinsam hielten Pfarrer Michael Rother, der derzeitige Pfarrer Rothemanns, Pater Helibert Müller, der extra für die Veranstaltung aus Afrika angereist war, und der Jubilar Dr. Ludwig Schick den Gottesdienst ab. „Danke, dass sie mir als Professor so viel beigebracht haben“, sagte Rother in seiner Ansprache während der Messe und fügte lachend hinzu: „Ich weiß noch, dass man viele Telefonnummern braucht, weil man immer wissen muss, an wen man sich wenden kann.“ Er lobte Schicks Fähigkeit als Lehrkraft und dankte ihm weiter, dass er jahrelang als „Seelsorger, Ratgeber, guter Mitbürger und Freund“ dem Ort zur Seite gestanden habe.
„Das war die schönste Zeit meines Lebens“, stellte der Jubilar in seiner Rede heraus: „Die anderen Zeiten waren auch schön, aber ich habe in keiner Zeit so schöne, positive, gute Erinnerungen, wie in Rothemann.“ Er erzählte von seinem Werdegang, wie er vor über 50 Jahren zu Gott und zu seiner Berufung als Geistlicher gefunden, und sein Leben seither in den Dienst des Herrn gestellt hatte. „Ich bin dankbar, dass mich Gott vor 55 Jahren angerührt hat“, erklärte er. Weiter betete er für Frieden in der Welt, ging aber auch auf das Thema „Missbrauch im Bistum Fulda“ ein, zu dem die unabhängige Kommission erst kürzlich ihren Abschlussbericht übergeben hatte. „Die Wahrheit muss auf den Tisch“, stellte er klar und appellierte: „Meine Mutter hat immer gesagt: ‚Wenn was is‘, sprecht’s aus, es kommt doch sowieso ‘raus.‘“
Der Prozessionszug führte die Kirchengemeinde an insgesamt vier Altären vorbei, die im Vorfeld von der Kirmesgesellschaft (Nahe des Bürgerhauses Rothemann) und von Anwohnern präpariert worden waren. An jedem sprachen die Geistlichen ein gemeinsames Gebet und zogen dann mit dem Zug weiter, bis sie wieder in der Kirche angekommen waren. Im Anschluss durften die Messeteilnehmer im Bürgerhaus den traditionellen Flurgönder genießen. Zum Weihejubiläum wurden insgesamt zirka 150 Portionen verteilt.
