Lokales FD 25.07.2025

„Was sind Brakteaten?“ - Bundesbankdirektor im Vonderau Museum

Fulda (jah) – Was bitte sind Brakteaten? – Dieser Frage widmete sich ein Vortrag von Bundesbankdirektor Frank Elster, der am Donnerstagabend in der Kapelle des Fuldaer Vonderau Museums zu Gast war. Elster, seit 1987 in der Zentrale der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main tätig, klärte die interessierten Zuhörer über die „regionale Pfennigwährung“ aus längst vergangenen Zeiten auf und warf im Anschluss noch einen Blick auf die Geschichte des Geldes im Laufe der Jahrhunderte.

Bundesbankdirektor Frank Elster bei seinem Vortrag in der Kapelle des Vonderau-Museums. Fotos: Janosch Hensel

Klaus Becker, Erster Vorsitzender des Fördervereins "Freunde des Museums".

Grundlage des Vortrages, zu dem der Förderverein „Freunde des Museum“ des Vonderau Museums unter der Leitung von Klaus Becker eingeladen hatte,  war ein Fund dieser sogenannten Brakteaten tief unter der Erde des Florenbergs. Der Münzschatz wurde bereits vor 1945 wiederentdeckt, blieb jedoch zunächst in Familienbesitz – bis er vor kurzem von der „Stiftung Fuldischer Kulturbesitz“ gesichert wurde und nun im Vonderau-Museum ausgestellt wird.

Doch was sind Brakteaten nun eigentlich genau? Dabei handelt es sich um eine vom 12. bis zum 14. Jahrhundert vorherrschende, „regionale Pfennigwährung“, wie es Klaus Becker zu Beginn des Abends ausführte. Bestehend aus dünnem Silberblech wurden diese Münzen nicht geprägt, sondern einseitig beschlagen: Ein Motiv befindet sich also nur auf der Vorderseite. Die Brakteate sind fragil, klein und dünn – daher auch der Name, welcher aus dem lateinischen übersetzt „sehr dünnes Blech“ heißt – und haben eine Größe von etwa 22 bis 45 Millimetern. So auch die Exemplare, die unter dem Florenberg entdeckt wurden. „259 Exemplare sind vorhanden, davon 246 Ganze und 13 Hälften“, erläuterte Becker. Weshalb der Schatz letztendlich vergraben wurde, konnten auch Becker und Elster nicht mit Bestimmtheit sagen. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts schwelte ein Konflikt zwischen den zu dieser Zeit etwa 300 Fuldaer Bürgern und Fürst Heinrich V.. Nachdem dieser eine zweite Burg in der Domstadt hatte errichten lassen, wurde diese von einigen Bürgern gestürmt und zerstört, die Anführer hingerichtet – „Angst könnte also sicherlich ein Motiv gewesen sein, den Münzschatz zu verbergen“, vermutete Becker.

Bundesbankpräsident Elster griff die Brakteaten in seinem anschließenden Vortrag auf und leitete mit einem Zitat des deutschen Philosophen Georg Simmel ein: „Geld ist, was als Geld akzeptiert wird“. Treffender ließen sich die Brakteaten nicht beschreiben, da der Materialwert des „Regionalzahlungsmittels“, wie Elster die Münzen bezeichnete, vergleichbar gering ausfiel. Dennoch waren sie auch über die damalige Region Fulda hinaus ein weit verbreitetes Zahlungsmittel – hatten jedoch nicht ewig Bestand. „Im damaligen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation wollte Kaiser Karl V. im 16. Jahrhundert eine Standardisierung der Währungen“, erläuterte der Bundesbankdirektor: „Das scheiterte jedoch am Widerstand der rheinischen Kurfürsten.“

Die Brakteaten verschwanden also allmählich von der Bildfläche, vor allem, da im Laufe der Zeit immer wieder neue Münzsysteme eingeführt wurden – Elster nahm die Besucher im weiteren Verlauf seines Vortrages mit auf einen Exkurs der Geldgeschichte über Jahrhunderte hinweg, von den Brakteaten im Spätmittelalter bis hin zur Gründung der Europäischen Währungsunion und der Einführung des Euros als Bargeld im Jahr 2002. So beleuchtete Elster beispielsweise den „Goldstandard“ und erläuterte, warum die Zwänge dieses Währungssystems auch ein Faktor für die Hyperinflation in den frühen 1920er-Jahren der Weimarer Republik gewesen sein könnte – und ein Mitauslöser für die wirtschaftliche Instabilität, welche letztendlich mit zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten beitrug. „Der damalige Reichskanzler Heinrich Brüning verfolgte eine strikte Sparpolitik, die im Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung des Goldstandards und der damit verbundenen Deflationspolitik stand. Diese Politik hatte jedoch erhebliche negative Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft und trug zur Verschärfung der Weltwirtschaftskrise bei“, erläuterte Elster beispielhaft. Die Besucher in der Kapelle des Vonderau Museums, deren Zwischenfragen der Bundesbankdirektor immer wieder gern beantwortete, konnten die ausgestellten Brakteaten nach Elsters Vortrag sogar nochmal selbst bestaunen.