Mit unglaublicher Verwandlungskunst agierten Jessica Stukenberg (links) und Barbara Gottwald bei der Aufführung von „Faust - eine Challenge“ in Heubachs ehemaliger Synagoge. Die Gemeinschaftsproduktion des „Freien Theaters Fulda“ und des „theaters mittendrin“ stellt Goethes großes Werk in einer Bearbeitung in einfacher Sprache vor und reduziert das große Bühnenspektakel auf eine spannende Theater-Stunde. Das bei Goethe breit angelegte Personal-Tableau wird dafür auf vier Rollen – Faust, Gretchen, Mephisto und Gott – reduziert. Und weil es Barbara Gottwald (theater mittendrin) als Mephisto und Gretchen ebenso wie Jessica Stukenberg (Freies Theater Fulda) als Gott und Heinrich Faust gelingt, mit unglaublicher Verwandlungskunst das Stück immer wieder voranzutreiben, schenkten sie dem Publikum in der voll besetzten Synagoge einen beeindruckenden Theaterabend. Mit ihrer Inszenierung holen sie den hehren, mitunter mehr verehrten als verstandenen Klassiker vom Thron - aber ohne ihn zu beschädigen: Die Wette um Fausts Seele, die Mephisto Gott abringt, die Spannung zwischen Böse und Gut, Faust Hin- und Hergerissensein zwischen Lebensgier und Erkenntnis, all das bleibt präsent.
Am Ende gibt es sogar einen Bonus: Während Goethe es offenlässt, ob Faust nun „gerichtet“ oder „gerettet“ ist, wird hier das Publikum befragt, wer die Wette um Fausts Seele gewonnen hat, und entscheidet mit klarer Mehrheit, dass Mephisto sein Spiel verloren hat.
Für den gastgebenden Förderverein der Synagoge dankte dessen Vorsitzender Hartmut Zimmermann den Schauspielerinnen für ihre beeindruckende Darbietung. Dank ging auch an den „Kultursommer Main-Kinzig-Fulda“, der den Theaterabend durch seine finanzielle Unterstützung mit ermöglicht hatte.
