Zwischen den musikalischen Darbietungen von Johann Sebastian Bachs Präludium in E-Dur (BWV 854) aus dem „Wohltemperierten Klavier“ und Frédéric Chopins Walzer op. 64, Nr. 1, begrüßte Schulleiter Thomas Röder-Muhl herzlich die knapp 80 Abiturientinnen und Abiturienten, ihre Familien sowie die geladenen Gäste. Unter ihnen befanden sich unter anderem die Amtsleiterin des Staatlichen Schulamts Hanau, Silke Siekemeyer, und der Bürgermeister der Stadt Schlüchtern, Matthias Möller.
Mit warmen Worten der Gratulation und Anerkennung eröffnete Schulleiter Röder-Muhl seine Ansprache und stellte „die Zeit“ in den Mittelpunkt seiner Ausführungen – betrachtet aus sprachlicher, physikalischer, biologischer und philosophischer Perspektive. Er zitierte den römischen Philosophen Seneca, der dazu riet, jede Stunde bewusst zu leben, und betonte zugleich, dass auch Leerlauf, Müßiggang und Umwege ihren Sinn hätten. Zeit, so Röder-Muhl, sei die Grundlage echter Bildung – Zeit für Vertiefung, Reflexion und persönliches Wachstum. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Philosophin Hannah Arendt und unterstrich die Bedeutung des Nachdenkens in einer demokratischen Gesellschaft. Eine lebendige Demokratie, so der Schulleiter, brauche Menschen, die sich Zeit für Gedanken und Verantwortung nehmen. Auch wenn das heutige Bildungssystem oft auf Tempo und Leistung ausgerichtet sei, brauche Bildung vor allem eines: Zeit. Mit diesem Gedanken ermutigte Röder-Muhl die jungen Absolventinnen und Absolventen, sich bewusst Zeit zu nehmen – für Entscheidungen, für Engagement und für die Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Zeit sei ein begrenzter und aber kostbarer Lebensraum, den es achtsam und verantwortungsvoll zu gestalten gelte.
In ihrem anschließenden Grußwort appellierte Schuldezernentin Silke Siekemeyer an die jungen Menschen, Werte wie Demokratie mit Haltung und Mut zu leben. Sie unterstützte die Ausführungen von Schulleiter Röder-Muhl und betonte ebenfalls, dass Lernen Zeit brauche. Den Abiturientinnen und Abiturienten sprach sie Mut zu, in einer komplexen Welt neben dem Verstand auch auf ihr Herz zu hören. Ihr Rat: authentisch und optimistisch bleiben. Abschließend dankte sie den Eltern und hob hervor, dass sie mit Recht stolz auf ihre Kinder sein dürften.
Im weiteren Verlauf der Feier folgten Grußworte von Bürgermeister Matthias Möller, dem Vorsitzenden der Schulstiftung, Torsten Priemer, sowie von Vertretern des Elternbeirats und des Fördervereins.
Dabei durfte auch der Humor nicht fehlen: Bürgermeister Möller sorgte für Heiterkeit im Publikum, als er augenzwinkernd bemerkte, dass bereits vier Jahre am Ulrich-von-Hutten-Gymnasium ausgereicht hätten, um Bürgermeister einer Kleinstadt zu werden. Mit Blick auf die neun Jahre Schulzeit der Abiturientinnen und Abiturienten meinte er schmunzelnd, deren Möglichkeiten müssten dann ja geradezu grenzenlos sein.
Die Sprecher des Abiturjahrgangs, Marla Dietrich und Elias Pfahls, betonten in ihrer Ansprache, dass das Reifezeugnis ein großer Erfolg sei. Zugleich hoben sie hervor, dass sie in ihrer Schulzeit nicht nur Fachwissen erworben, sondern auch gelernt hätten, Kompromisse einzugehen und eigenverantwortlich zu arbeiten. Im Anschluss wurden zahlreiche Preise vergeben und besondere Leistungen gewürdigt – unter anderem in den Fächern Deutsch, Latein, Evangelische Religion und Informatik. Für sehr gute Leistungen in Mathematik, Physik und Informatik wurde Pauline Broll ausgezeichnet. Besonders gewürdigt wurden zudem Schüler, die ihre Schulzeit mit der Bestnote 1,0 abgeschlossen haben – namentlich Marla Dietrich, Pauline Broll, Vanessa Loose und Lukas Böhm. Unter ihnen ist Marla besonders hervorzuheben.
Einer der verschiedenen Solisten der unteren Jahrgangsstufen des UvH zog das Publikum mit seiner stimmungsvollen Darbietung der Aria pour Saxophone alto von Eugène Bozza in seinen Bann und sorgte für eine gelungene musikalische Unterbrechung zwischen den Redebeiträgen. StD‘n Annette Schönherr gratulierte den Abiturientinnen und Abiturienten herzlich zum bestandenen Abitur und würdigte die Leistungen aller Beteiligten – der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und des Kollegiums. Sie griff das Motto „Abimonopoly – heute Klosterweg, morgen Schlossallee“ auf und hinterfragte kritisch materielle Werte als Lebensziel. Stattdessen stellte sie Menschlichkeit, Gemeinschaft, Selbstwirksamkeit und inneren Reichtum in den Mittelpunkt. Persönliche Erfahrungen, etwa in Nepal, unterstrichen ihre Botschaft eindrucksvoll. Abschließend rief sie dazu auf, mit Mut, Neugier und Echtheit durchs Leben zu gehen – und das Leben nicht als Spiel um Besitz, sondern als Chance zur persönlichen Entwicklung zu begreifen.
Für alle Anwesenden war während der Feier deutlich spürbar: Es herrschten große Wertschätzung, herzliche Zugewandtheit und ein respektvolles Miteinander zwischen Abiturientinnen und Abiturienten, Lehrkräften und Gästen. Die anschließende Matinée im idyllischen Innenhof des Klosters setzte den festlichen Rahmen auf heitere Weise fort und unterstrich eindrucksvoll, dass dieser Abiturjahrgang nicht nur flügge geworden ist, sondern dabei auch spürbar enger mit der gesamten Schulgemeinde zusammengerückt ist.
