Um die Planungen vorzustellen und eventueller Kritik entgegenzuwirken, wurden kürzlich die Anwohnerinnen und Anwohner zu einer Besichtigung der Anlage eingeladen. Die Möglichkeit sei rege genutzt worden, berichtet Ortsvorsteher Niklas Schieder: „Es war ein schönes Angebot, dass man mal die Praxis sieht.“ Auch das Thema Lärmbelastung sei angesprochen und die Sorgen darüber etwas genommen worden, führt er weiter aus. „Begeistert ist immer noch keiner“, so Schieder. Schließlich rücke mit der Erweiterung das Umspannwerk merklich näher an die Ortsgrenze heran, was den Verlust von Naturflächen bedeute. Der Ortsvorsteher lobt allgemein Tennet für die Kompromissbereitschaft in der öffentlichen Debatte.
Neben der Erweiterung des Umspannwerks gebe es noch ein weiteres „brandheißes“ Thema für die Menschen in Wisselsrod, erzählt Schieder. Mehrere Investoren wollen in der Nähe Batteriespeicher bauen: „Das ist für die Anwohner eine Katastrophe.“ Neben der Versiegelung weiterer Flächen befürchtet der Ortsvorsteher eine Geräusch-Belastung durch die Batterien: „Die brummen den ganzen Tag bei 60 bis 70 Dezibel.“ Er könne zwar die finanziellen Vorteile durch die Gewerbesteuer für die Gemeinde nachvollziehen, sieht aber Frustpotential bei den Anwohnerinnen und Anwohnern vor Ort.
Das Umspannwerk Dipperz nahe Wisselsrod wurde Ende der 1970er Jahre errichtet, erklärt Thomas Wagner, Teilprojektleiter SHM StromNetzDC und Fulda Main Leitung. Damit sei die maximale technische Lebensdauer erreicht worden: „Eine Erneuerung ist notwendig, um die Betriebssicherheit weiterhin zu gewährleisten.“ Darüber hinaus biete die bestehende Anlage nicht genug Platz um die gelplante Fulda Main Leitung anzuschließen. Diese werde von dem Umspannwerk Mecklar kommen und über Dipperz weiter nach Bergheinfeld verlaufen. „Das Umspannwerk Dipperz verbindet das 380kV Netz der TenneT mit dem 110kV Netz der Avacon und stellt damit den zentralen Netzknotenpunkt in der Region dar“, macht Wagner deutlich. Durch das Umspannwerk sei es möglich, abhängig vom Wetter und dem aktuellen Verbrauch eine Überproduktion an Strom in der Region in das Europäische Übertragungsnetz einzuspeisen: „Oder für den Fall, das in der Region der Strombedarf nicht durch regionale Erzeugungseinheiten gedeckt werden kann, auch eine Entnahme elektrischer Energie aus unserem 380kV Netz für den regionalen Netzbetreiber.“
Aktuell beträgt die Fläche des Umspannwerks etwa sechs Hektar, erläutert der Teilprojektleiter. Nach der Erneuerung und dem geplanten Ausbau werde sich diese Fläche auf etwa zehn Hektar Fläche fast verdoppeln. Zum Umbau gibt er an: „Aktuell sind die Arbeiten im vollen Gange, die Sammelschienen werden erneuert, als nächstes steht der Abriss des alten Betriebsgebäudes an, sowie das Setzen des Fundamentes für das neue Betriebsgebäude.“ Die Arbeiten für die Modernisierung und die Erweiterung würden auf Hochtouren laufen, merkt Wagner an. Bis 2029 solle das Bauprojekt abgeschlossen sein.
