„Es war der einzige Tag in dieser Woche, der eine Querung möglich erscheinen ließ“, berichtet Alt, doch auch da habe es nur ein knappes Zeitfenster gegeben. Bis etwa 14 Uhr hätte er in Dänemark sein müssen, weil damit zu rechnen gewesen sei, dass die Ostströmung sonst so stark geworden wäre, dass er es nicht mehr zum Strand geschafft hätte. „Leider kam die Strömung auf die Idee, dass es besser sei, schon gegen 9 Uhr stärker zu werden“, schildert Alt. Zwischen 9.30 Uhr und dem Abbruch um 9.55 Uhr kam er gerade mal noch 200 Meter in die Richtung vorwärts, in die er musste. Obwohl er fast nur noch Richtung Ostnordost schwamm, wurde er immer mehr nach Westen abgetrieben. Da die Strömung noch stärker werden und auch der Wind zunehmen sollte, sodass im weiteren Verlauf mit Wellen von mehr als einem Meter zurechnen gewesen wäre, wurde sich schweren Herzens für den Abbruch entschieden. „Ich war sehr wütend auf mich und den Rest der Welt“, schilderte Alt seine Gefühle direkt nach der Entscheidung: „Während der Rückfahrt konnte ich akzeptieren, dass es nicht meine Schuld war, aber die Natur was dagegen hatte, dass ich es schaffe.“ Und so wollte er am Abend die Hälfte feiern, die er geschafft hat, und richtete den Blick schon wieder nach vorne: „Ich werde es wieder probieren, ein Aufgeben gibt es für mich nicht.“
Da früh gestartet werden sollte, war die Nacht vor dem Durchquerungsversuch kurz gewesen, um 1.30 Uhr klingelte der Wecker. „Ich war immer noch beschäftigt mit meinen Gedanken im Kopf“, beschreibt Alt, dass es eine Achterbahn der Gefühle war, doch als er sich fertig machte, wurde er ruhiger. Mit dem Auto ging es nach Orth auf Fehmarn, wo das Begleitboot schon startklar war. Nun galt es nochmal zweieinhalb Stunden zu warten und dann nach Altenteil im Norden von Fehmarn zu schippern. „In dieser Zeit wurde ich sehr nachdenklich und fragte mich, ist das alles was ich mache richtig und gut oder wäre es besser alles hinzuschmeißen?“, schildert Alt von Selbstzweifeln, gegen die er anging: „Nein sagte ich mir immer wieder: Ich kann dieses Projekt verwirklichen, wenn keine höhere Macht mir einen Strich durch die Rechnung macht.“
Vor Altenteil angekommen machte sich der Schlüchterner dann fertig. Seine Frau Anja trug Sonnencreme mit Zinkanteil und dann noch Vaseline auf, damit nichts wundscheuert. Badekappe und Schwimmbrille auf, Ohrstöpsel rein und dann ging es über Bord in die 17,8 Grad warme Ostsee – eine Temperatur die Alt als angenehm empfand. Es wehte ein ganz leichter Wind aus südlicher Richtung und die Strömung kam mit fünf Zentimetern pro Sekunde aus Osten. Bevor Alt sein eigentliches Ziel in Angriff nehmen konnte, musste er aber noch die 200 Meter in die entgegengesetzte Richtung zum Startpunkt, dem Strand vor Altenteil, schwimmen. Einmal kurz raus aus dem Wasser und dann ging es richtig los.
„Ich lief also los, fest entschlossen, es zu schaffen und allen zu zeigen, dass ich kein Versager bin“, erzählt Alt: „Nach einer Wassertiefe von circa 50 Zentimetern begann ich zu schwimmen und schon nach wenigen Zügen sah ich die ersten Ohrenquallen und Angst kam auf, dass dann auch Feuerquallen kommen könnten.“ Nach 200 Metern kam er wieder neben dem Boot an, das sich von da an seiner Geschwindigkeit anpasste und die Richtung vorgab. „Nach circa einer Stunde ging die Sonne auf und ich fand die Ohrenquallen mittlerweile echt schön und angenehm – insbesondere, wenn mich ihr Schirm berührte und an mir vorbei streifte“, berichtet der Schlüchterner von den schönen Momenten. Für etwas Irritation bei ihm sorgte hingegen eine Stunde später, dass er noch immer direkt auf die Sonne zu schwamm und er Häuser erblickte – für Dänemark war es gefühlt noch viel zu früh. Aus dem Begleitboot erfuhr er, dass es Puttgarden auf Fehmarn sei. Der Kurs wurde angepasst und die kurz aufkommende Panik bei Alt verflog. Doch der nächste Rückschlag ließ nicht lange auf sich warten. Auf einmal spürte der Schlüchterner an mehreren Stellen ein starkes Brennen. „Und da sah ich sie, die kleinen Feuerquallen, kaum zwei Zentimeter im Durchmesser, aber ein Brennen wie von einem Bunsenbrenner“, beschreibt Alt seine Begegnung. Auch davon wollte er sich aber nicht unterkriegen lassen, doch es kam noch mehr dazu: „Dann kam die erste Ansage vom Skipper, ich müsse mehr Geschwindigkeit zulegen, sonst schaffen wir es nicht, also gab ich noch etwas Gas. Hier kamen erste Zweifel auf, ob ich es schaffe, und 30 Minuten später war dann Schluss.“ So ging es mit dem Boot zurück nach Fehmarn, ohne vorher die dänische Küste betreten zu haben. Videos von seinem Versuch, den Fehmarnbelt zu durchschwimmen hat Alt auf seinem YouTube-Kanal hochgeladen, zu finden unter https://youtube.com/@meine.schwimmtherapie?si=e-Uf_a9wytkag4sF
Schlüchterner will Fehmarnbelt queren – Schwimmen als Therapie
