Campus 11.07.2025

Sommersitzung des Wissenschaftsrats – Freiheit unter Druck

Fulda (sk) – Erstmals tagte der Wissenschaftsrat an der Hochschule Fulda – ein besonderes Ereignis, da die turnusgemäße Tagung zum ersten Mal an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) stattfindet. Wissenschaftsminister Timon Gremmels hatte aus diesem Anlass zu einem Empfang in die Propstei Johannesburg eingeladen. Er berichtete, dass die „Wissenschaftsfreiheit als zentrales Prinzip unter Druck geraten“ sei.

Von links: Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, Wolfgang Wick und Timon Gremmels. Foto: Stefan Krug

Der Wissenschaftsrat ist das älteste und wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium Deutschlands und berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Wissenschaft, Forschung und des Hochschulbereichs. Minister Gremmels würdigte dabei den Veranstaltungsort Schloss Johannesberg – immerhin ist sein Haus auch für Kultur zuständig.

Fulda sei für den Wissenschaftsrat nicht nur ein besonderer Tagungsort in seinem dreitägigen Frühjahrstreffen, weil er erstmals an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften tagte: „Wir wollen damit die Bedeutung dieses Hochschultypus für das deutsche Wissenschaftssystem unterstreichen. Eine Bedeutung, die sich mittlerweile nicht mehr auf die Lehre und die Fachkräftesicherung bezieht, sondern auch auf Transfer und Forschung. Die Hochschule Fulda steht dafür geradezu exemplarisch. Denn sie war 2016 bundesweit die erste HAW, der das Promotionsrecht für einen besonders forschungsstarken Bereich verliehen wurde.“ Dieses Promotionsrecht habe sich bewährt und sei zum Vorbild in anderen Bundesländern geworden. In Hessen forschen mittlerweile in ganz unterschiedlichen Fachrichtungen 300 Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen an Promotionszentren der HAWs.

Aktuell sieht Gremmels „die Wissenschaft als Institution und die Wissenschaftsfreiheit als zentrales Prinzip unter Druck geraten“. Und zwar nicht nur international, Gremmels nannte die USA, Ungarn oder die Türkei, auch hierzulande gäbe es besorgniserregende Entwicklungen mit Blick auf die rechten Parteien, welche die „Sozialwissenschaften teilweise als Agenda-Wissenschaften“ bezeichnen würden. Dagegen habe sich der Wissenschaftsrat immer positioniert: „Er ist Garant für wissenschaftliche Exzellenz, Stimme für die Freiheit der Wissenschaft und Impulsgeber für die strategische Weiterentwicklung unseres Wissenschaftssystems. Wir brauchen – gerade angesichts der multiplen Krisen und gesellschaftlichen Herausforderungen – Institutionen, die wissenschaftliche Qualität zur Maxime ihres Handelns machen und dabei auch langfristige Perspektiven sicherstellen. Der Wissenschaftsrat bietet diese Verlässlichkeit. Er schafft fundierte Grundlagen für politische Entscheidungen, stärkt die Qualitätssicherung an unseren Wissenschaftseinrichtungen, fördert Innovationen und unterstützt die Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems als Ganzes.“

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Prof. Dr. med. Wolfgang Wick, sah ebenso „politisch herausfordernde Zeiten“: „Vor diesem Hintergrund sind Gespräche, wie man den Wissenschaftsstandort Deutschland stärken kann umso wichtiger.“ Dazu sei es wichtig den Hochschulbau zu stärken – augenscheinlich sei dies geworden, als vor zwei Jahren in Marburg die Decke eines Hörsaals einstürzte. Auch über den Campus seiner Universität Heidelberg habe die Presse schon getitelt „Excellenz in Ruinen“. Nicht ur die Erhaltung vorhandener Bausubstanz, auch Neuentwicklungen in Forschung und Lehre wie die Digitalisierung würden Bauen notwendig machen. Wick sah in Deutschland dazu einen Finanzbedarf von 90 Milliarden Euro, um  dem „Sanierungs- und Modernisierungsstau“ zu begegnen. Nötig seien dazu auch schnellere Planungen mit weniger bürokratischen Hindernissen: „Hochschulbau darf dabei nicht allein als technische Aufgabe betrachtet werden.“ Es gehe um Nutzerorientierung und gleichzeitig standardisiertem Bauen, auch wenn es durch letzteres zu weniger „individueller Verwirklichung“ komme.

Wissenschaftsrat tagt in Fulda. Fotos: Stefan Krug