Zu Ehren des Jubilars, der geistig noch fit, aber altersbedingte körperliche Einschränkungen hat, wurde am Mittwochvormittag ein Hausgottesdienst im kleinen Kreis gefeiert. Als Zelebranten waren der Eichenzeller Pfarrer Guido Pasenow, der Generalvikar Dr. Martin Stanke und der ehemalige Generalvikar Dr. Gerhard Stanke anwesend. Als Mitzelebranten waren die Pfarrer Arnulf Hummel, Rudolf Zeller und Christian Schwierz dabei. Zudem wohnten Küsterin Manuela Stübiger, Matthias Langstein aus dem Verwaltungsrat und Nachbarn dem Gottesdienst bei.
Der zweite Teil der Feierlichkeiten fand dann am Abend statt: In der benachbarten Auferstehungskirche feierte die Gemeinde eine Abendandacht. Dr. Stefan Ohnesorge, Sprecher der Diakone im Bistum Fulda, zelebrierte mit und berichtete vom „erfüllten Leben“ Kants, der auf seinem Weg viele Menschen zwar verloren habe, aber wisse, dass seine Sehnsucht erfüllt und er irgendwann alle Menschen wiedersehen werde. „Es wird ein guter Weg sein“, so Ohnesorge. Der Messe wohnten nicht nur die Gläubigen aus Löschenrod bei, sondern auch viele aus Marbach. Pfarrer Guido Pasenow sprach dabei außerdem die „legendären Predigten“ von Kant an, der immer ein offenes Ohr gehabt habe. Es sei eine Freude und ein Segen für alle, einem Priester wie ihm begegnet zu sein.
Danach waren die Gottesdienstbesucher noch eingeladen, dem Jubilar ein Ständchen an der Haustür zu singen. Im Garten des 109-Jährigen erklang „Viel Glück und viel Segen“, einige hatten kleine Geschenke dabei, die Messdiener Sonnenblumen, die das sonnige Gemüt des Jubilars widerspiegeln sollten.
Geboren am 26. Februar 1916 in Werblin/Westpreußen, legte Kant 1934 am Städtischen Gymnasium in Danzig das Abitur ab und begann an der Staatlichen Akademie Braunsberg und der Universität Freiburg im Breisgau seine philosophisch-theologischen Studien. Durch den Kriegsausbruch erfuhren diese eine mehrjährige Unterbrechung. Kriegsbedingt war der Jubilar zeitweise berufstätig. 1943 wurde er zur Wehrmacht einberufen. Erst nach der Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft 1948 konnte er sein Theologiestudium in Fulda wieder aufnehmen. Nach der Priesterweihe wirkte er zunächst als Kaplan in Blankenau und Schwarzbach sowie ab 1955 in der Pfarrei St. Joseph in Kassel. Am 20. Juni 1960 wurde Kant dann die Pfarrei Marbach übertragen, die ihm zur zweiten Heimat wurde. Dass er damals seine Antrittspredigt unter das Faulhaber-Wort stellte „Ich komme zu euch, auf den Lippen die Wahrheit, in den Händen den Segen und im Herzen die Liebe“, war bezeichnend für seine priesterliche Persönlichkeit. In seiner gütigen, menschlich-bescheidenen Art hat es der Jubilar verstanden, Brücken zu schlagen in seiner Pfarrgemeinde, die der allseits geschätzte Seelsorger in über drei Jahrzehnten entscheidend mitgeprägt hat. Als weltoffener Seelsorger hat er sich stets auch intensiv um die Belange der politischen Gemeinde bemüht. Von 1971 an nahm Kant zehn Jahre lang das Amt des stellvertretenden Dechanten des früheren Dekanates Hünfeld wahr. Im Dezember 1980 erfolgte seine Ernennung zum Geistlichen Rat. Von Ende 1981 bis zur Vollendung seines 70. Lebensjahres 1986 wirkte er als Dechant dieses Dekanates. Ab 1974 war er auch viele Jahre Dekanatspräses des Cäcilienverbandes. Als er 1991 in den Ruhestand trat, übernahm er bereitwillig die Seelsorge in Löschenrod. Bis er 100 wurde hielt er dort auch noch selbst Gottesdienste.
