Fußball 30.07.2025

Regionalliga – Bereit für mehr: Barockstadt will nach oben „ausreißen“

Fulda (pf) – Die vierte Saison in der Fußball-Regionalliga Südwest steht vor der Tür für die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz. Es ist die erste Spielzeit, in die die SGB mit Trainer Daniyel Cimen von Beginn an geht. Und die Vorzeichen sind nicht die schlechtesten, dass es nach den Plätzen elf, sieben und zehn in den vergangenen drei Jahren etwas nach oben gehen könnte.

Aaron Frey gehört dem Mannschaftsrat der SG Barockstadt an. Nun wollen er und Trainer Daniyel Cimen (unten) mit dem Verein eine weitere erfolgreiche Regionalliga-Saison hinlegen. Fotos: Christine Görlich

Nach dem Wurf ins kalte Wasser, als Cimen vergangene Saison mitten in der Hinrunde übernommen hatte, hatte der Coach nun eine komplette Sommervorbereitung mit der SG Barockstadt und noch dazu mit seinem langjährigen Gießener Co-Trainer Marcel Niesner einen erfahrenen Mann und weitere Expertise ins Trainerteam bekommen. Der 3:1-Erfolg im finalen Testspiel gegen Schweinfurt las sich obendrein beeindruckend, weshalb Cimen ein durchweg positives Fazit nach der Vorbereitung zieht: „Das Spiel war nochmal ein guter Abschluss. Wir haben die Vorbereitung bestätigt, die Jungs sind auf einem guten Weg, das sind alle wichtige Eindrücke. Wir werden intern noch Dinge besprechen, aber jeder möchte natürlich in die Startelf“.

Stichwort Kaderbreite: Cimen und seine Co-Trainer haben ein Überangebot. Eine „Luxussituation“, die Kopfzerbrechen bereite, aber natürlich besser ist, als wenn reihenweise Spieler ausfallen. Hans Nunoo Sarpei ist der einzige mit etwas Rückstand, er soll am Dienstag wieder ins Training einsteigen und könne auch „eine wichtige Rolle in der Mannschaft einnehmen“, so der Trainer: „Er hat schon gezeigt, dass er Qualität hat. Wir hoffen, dass er jetzt schmerzfrei trainieren kann“. Doch obwohl die meisten gute Werbung machen konnten, lässt Cimen die Startelf für das erste Spiel am Sonntag gegen die Stuttgarter Kickers noch weitgehend offen: „Es sind enge Duelle und es werden harte Entscheidungen. Aber wir haben noch eine Trainingswoche. Es ist nicht so, dass schon alles steht“.

In den vergangenen Wochen wollte die SG Barockstadt zwei feste Systeme etabliert – flexibel sein, aber nicht zu viel Input geben, war das Motto. „Wir wollten keine drei, vier Spielsysteme einstudieren. In den beiden, die wir gespielt haben, haben die Jungs gute Leistungen gezeigt und man hat gemerkt, dass sie sich damit auch wohlfühlen“, erklärt der Coach: „Mit unserem Material können wir während den Spielen immer mal switchen. Man kann nicht jede Situation während einer Vorbereitung imitieren, aber die grundsätzlichen Voraussetzungen sind gegeben, dass wir reagieren können“.

Cimen lobt seine Mannschaft, die sehr gut gearbeitet hätte während der Vorbereitung. Doch all das ist nun Schnee von gestern: „Wir werden während der Saison neue Situationen durchleben. Aber wir haben uns ein Verständnis erarbeitet, dass wir egal gegen welchen Gegner Phasen haben werden, in denen wir Dominanz und Kontrolle ins Spiel reinbringen können. Genauso wird es auch Phasen geben, in denen wir brutal und leidenschaftlich verteidigen müssen“. zählt Cimen auf.

Die SG Barockstadt möchte den Fokus natürlich bei sich behalten – dennoch geht ein Blick noch auf die neuformierte Regionalliga Südwest, mit all ihren Nachwuchsmannschaften, Traditionsteams, neuen Gesichtern und schweren Kalibern. Die kicker-Umfrage bei den Trainern der 18 Teams ergab zumindest ein klares Bild an der Spitze: Kickers Offenbach sei demnach der Topfavorit auf den Titel, dicht gefolgt von Drittliga-Absteiger Sandhausen, der die besten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mitbringe. Auch der FC Homburg und Fuldas erster Gegner aus Stuttgart erhielten viele Stimmen. Cimen meint, „dass es Faktoren gibt, die vielleicht auch noch dafür sorgen, dass es eine Überraschungsmannschaft gibt, die nicht viele auf dem Zettel haben“.

Laut dem Portal transfermarkt.de liegen der OFC und Sandhausen mit Kader-Marktwerten von knapp drei Millionen Euro auch finanziell vorne, dahinter liegen fünf weitere Teams, ehe schon die SGB folgt. Die Aufsteiger Alzenau, Großaspach, Balingen und Schott Mainz liegen demnach ganz hinten. Cimen differenziert aber: „Wenn man eine Analyse machen würde und sich die Top Sechs oder Sieben anschaut, sind das zu über 90 Prozent Vereine, die im Vollprofitum arbeiten. Da sind wir nicht auf Augenhöhe“. Allerdings weiß Cimen, der lange genug im Geschäft ist, auch: „Es gibt immer mal eine Ausreißer-Saison, die von der Dynamik, vielleicht auch der Kaderzusammenstellung, und anderen Faktoren abhängt. Der Anspruch an uns selbst ist immer, uns mit den Möglichkeiten, dir wir haben, zu verbessern. Das bleibt auch das Ziel – sportlich und infrastrukturell sollte immer parallel wachsen“. Ob die SGB genau so eine Saison erwischt und den Großen der Liga konstant die Stirn bieten kann, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen.