Außerdem wurde den verstorbenen Drogentoten mit einer kleinen Andacht gedacht. Simone Schafnitzel, Leiterin der Selbsthilfegruppe Connection, sowie Susanne Maul, Geschäftsführerin der Aidshilfe Fulda, nutzten die Gelegenheit, um deutliche Forderungen an die Stadt zu richten. Sie wünschen sich mehr Sichtbarkeit für das Thema sowie konkrete Maßnahmen: etwa die Einrichtung von Drogenkonsumräumen, die Ausgabe sauberer Konsumutensilien über Automaten, gesicherte Substitutionsangebote und mehr niedrigschwellige Anlaufstellen für Betroffene. „Es passiert schon etwas, aber wenn es in Fulda beispielsweise keine Substitution mehr gibt, entsteht ein riesiges Problem, auch für die Stadt Fulda. Das ist ein Angebot, was einfach nicht wegfallen darf“, betonte Maul und verdeutlichte die Wichtigkeit der Thematik: Bei der Substitution handelt es sich um eine Behandlung für Suchtkranke, die zur Linderung ihrer Entzugserscheinungen ein bestimmtes Medikament verschrieben bekommen. Langfristig soll so das Erlangen der Suchtmittelfreiheit erreicht werden.
„Wenn Menschen abhängig werden, brauchen sie Unterstützung – keine Ausgrenzung oder Strafverfolgung“, betonte auch Schafnitzel in ihrem Redebeitrag. Sie forderte eine Entkriminalisierung des Konsums und erinnerte daran, dass Prävention nur dann wirken könne, wenn Menschen in schwierigen Lebenslagen ernst genommen und versorgt werden. „Wir brauchen Unterstützung statt Stigmatisierung. Viele Betroffene haben in ihrem Leben schon im Kindesalter Gewalt, Missbrauch und keine Liebe erfahren. Mich wundert es nicht, dass dann zu Drogen als Selbstmedikation gegriffen wird. Trotzdem hat niemand das Recht, diese Menschen deshalb zu verurteilen“, erklärte Schafnitzel.
