Die Ampel-Regierung hat bereits 2023 ein Gesetz auf den Weg gebracht, welches Kennzeichnungen zur Haltungsform von Schweinen und anderen Tieren verpflichtend machen soll. Verbraucher sollten in fünf Kategorien schnell feststellen können, in welchen Umständen das jeweilige Schwein vor dem Schlachten gelebt habe und so bessere Transparenz bei der Kaufentscheidung treffen können. Dies kann deutliche Konsequenzen für die regionalen Landwirte respektive die Fleischereien in Osthessen haben.
Hans-Georg Gies, Inhaber des gleichnamigen Familienunternehmens Fleischerei Gies in Großenlüder, zeigt sich verdrossen über die Entwicklung und befürchtet, dass die Regelung langfristige Konsequenzen für die Landwirte haben könnte. Diese seien durch das Label teilweise gezwungen, ihren Stall ausbauen zu lassen, um höheren Anforderungen der Kunden gerecht zu werden. „Die bezahlen aber teilweise noch ihre Reparaturen und Modernisierungen ab. Und das teilweise für die nächsten 85 Jahre“, erklärt er: „Die können das alles gar nicht zahlen.“ Die Folge wäre gegebenenfalls ein Wegfallen regionaler Schweinezucht in Osthessen, meint er weiter: „Die werden irgendwann aufgeben, weil sie es nicht mehr leisten können. Regional wird es schwierig werden in Fulda und Umgebung.“ Bereits in den vergangenen zehn Jahren seien rund sieben Millionen Schweine weniger in Deutschland verkauft worden. Die Differenz komme dann häufig aus Spanien oder anderen Ländern. „Und da haben wir auch keinen Einfluss drauf, wie die Tiere gehalten werden“, stellt Gies klar, fügt aber hinzu: „Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe viel übrig für Tierwohl, aber ich weiß nicht, ob wir das mit so einem System hinbekommen.“ Hinzu komme ein gestiegener bürokratischer Aufwand für Landwirte und Fleischereien, der auch weit über das leistbare Maß hinausginge, führt er an: „Ich weiß echt nicht, wo das alles noch hinführen soll.“
Ähnliche Bedenken hat Ludwig Leist, Obermeister der Fleischerinnung in Fulda. Er sprach von „gravierenden Auswirkungen“ durch die gestiegene Bürokratie. „Es geht hauptsächlich ums Tierwohl und das finde ich auch gut. Grundsätzlich sollte in jeder Metzgerei Transparenz über die Qualität des Fleisches herrschen“, betont der Fleischermeister: „Aber das wird zu Preissteigerungen für den Kunden und für die Metzger führen. Das macht sich ja jetzt schon bemerkbar.“ Durch ein höheres Label sollen Fleischereibetriebe und Landwirte künftig mehr Geld verlangen können, müssen aber auch höhere Standards einhalten. Die Kennzeichnungen teilen sich dabei in fünf Tierhaltungsstufen: Stall, Stall und Platz, Frischluftstall, Auslauf/Weide und Bio. Je nachdem, wie gut die Lebensbedingungen für die Tiere sind, kann ein höheres Label auf dem Fleisch im Laden angebracht werden. Wie das Regierungspräsidium Gießen bekanntgibt, seien alle hessischen Betriebe mit Mastschweinen, die mindestens zehn Lebenswochen erreicht haben und ein Gesamtgewicht über mindestens 30 Kilo bis zur Schlachtung halten. Alle betroffenen Betriebe müssen sich bis zum Stichtag am 1. März dort melden, um ein Label zu bekommen. Ursprünglich sollte das Gesetz schon am 1. August 2025 in Kraft treten, wurde aber Ende Juni nochmal um sechs Monate aufgeschoben.
