Lokales FD 05.07.2025

Keine PV-Freifläche über Vorranggebiete hinaus bei Welkers

Eichenzell (sk) – Vor dem Hintergrund, dass von der vorherigen Ampelkoalition auf Bundesebene sechs Prozent des Eichenzeller Gemeindegebiets als „privilegierte Flächen für Photovoltaik“ ausgewiesen wurden, wo die Gemeinde nicht mehr um ihre Meinung gefragt wird, sprach sich die Gemeindevertretung bei ihrer Sitzung am Donnerstag mit großer Mehrheit gegen eine weitere Ausweisung von Flächen aus.

An der A7 gibt es bereits eine Photovoltaik-Freiflächenanlage. Archivfoto: Görlich Media.

Von der ehemaligen Bundesregierung waren alle Flächen bis zu 200 Metern neben Autobahnen und mehrspurigen Bahntrassen als Vorrangflächen für PV ausgewiesen worden, wo ein stark vereinfachtes Bauantragsverfahren mit dem Recht zur Errichtung von PV-Freiflächen gilt. Neben der Autobahn hat ein Investor in Richtung Welkers dazu eine Fläche von 12,2 Hektar beplant, wozu er ein Antrag stellte, weitere 5,5 Hektar angrenzend zur „Arrondierung“ ebenfalls mit einzubeziehen. Die hierzu nötige Bauplanung der Gemeinde hat die Gemeindevertretung abgelehnt.

Dennis Martin (CDU) verwies darauf, dass es in Eichenzell 300 Hektar privilegierte Flächen gebe, was sechs Prozent des Gemeindegebiets entspreche: „Damit sind wir in Hessen Spitzenreiter.“ Auch könne bei einer Erweiterung um fast ein Drittel von einer Arrondierung, wörtlich übersetzt bedeutet dies „Abrundung“, keine Rede sein. Die CDU sehe auch eine politische Grundsatzentscheidung: „Wie wollen wir den nächsten Antrag ablehnen, wenn wir hier zustimmen?“ Der betroffene Ortsbeirat in Welkers habe auch einstimmig abgelehnt: „Welkers versteht sich nicht als Industriebrache mit Wohnanschluss, sondern als lebendiges Dorf.“ Eichenzell könne nicht den Klimawandel stoppen. Es gehe darum, die Probleme vor Ort mit Augenmaß zu lösen. Markus Roth (CDU) verwies im Laufe der Diskussion darauf, dass in der Vergangenheit schon ähnliche Anträge für die Gemarkungen Rothemann und Döllbach abgelehnt worden seien.

Klar für die Erweiterung sprach sich nur Alfons Schäfer (CWE) aus, der darauf hinwies, dass keine Bedenken von Fachbehörden geäußert wurden: „Die Nutzung für Klimaschutz und für die Energiewende überwiegt in diesem Fall die landwirtschaftliche Nutzung.“ Auf der Fläche würde seit Jahren nur Mais angebaut – keine Nahrungsmittel. Mit einer Genehmigung würde ein „großer Beitrag für den Klimaschutz in unserer Gemeinde Eichenzell“ geleistet, so Schäfer. Joachim Weber (Bürgerliste) zeigte sich überrascht, dass in dieser Sitzung auch noch über Energiepolitik diskutiert werde und wünschte zur grundsätzlichen Klärung zusätzlicher Genehmigungen auf nicht privilegierten Flächen eine Rücküberweisung an den Bauausschuss: „Wir brauchen ein klares Konzept und Regelwerk für die Zukunft.“

Nach einer Sitzungsunterbrechung beschloss die Gemeindevertretung, bei einem uneinheitlichen Abstimmungsbild von SPD und Bürgerliste, Zustimmung zum Bau bei der CWE und Ablehnung desselben von der CDU und der FDP, für die „Arrondierung“ kein Baurecht zu schaffen. Im Bauausschuss soll die Grundsatzfrage zum weiteren Vorgehen bei ähnlichen Anträgen beraten werden – wobei die Richtung jetzt wohl vorgegeben ist.